Kaiserschnitt auf Wunsch? Vor- und Nachteile


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Was spricht gegen einen Kaiserschnitt auf Wunsch?


➤ Ein Kaiserschnitt ist eine Operation – und damit verbunden sind die „normalen“ Risiken einer OP. Was auf den ersten Blick praktisch erscheint, kann sich im Nachhinein als belastend herausstellen. Bei einer natürlichen Spontangeburt sind die letzten Tage vor der Geburt sehr spannend: Wann wird sich das Baby auf den Weg machen? Wie wird es sich bemerkbar machen? Diese freudige Ungewissheit mag zwar anstrengend sein – aber die Zeit der Spannung und Vorfreude auf den großen Moment beschreiben viele Frauen als sehr schön.

➤ Rolle der Mutter bei der Geburt:

Und: Die werdende Mutter hat bei einer Kaiserschnitt-Geburt eine durch und durch passive Rolle. Sie kann nicht mitarbeiten und sich ihrem Kind langsam nähern. Viele Mütter, die auf natürliche Weise entbunden haben, schwärmen noch Jahre später von dem wunderbaren Gefühl, ihr Kind selbst auf die Welt gebracht zu haben. Zugegeben: Wehenschmerzen können während der Geburt äußerst unangenehm sein. Ist das Baby aber auf der Welt, sind sie von einer Minute auf die andere vorbei. Bei einer Kaiserschnittgeburt dagegen entsteht durch den Bauchschnitt eine Narbe, die lange Zeit schmerzhaft sein kann und die junge Mutter bei der Betreuung ihres Babys einschränkt. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, starke Wehenschmerzen während der Geburt zu lindern.

➤Beckenboden:
Ein Kaiserschnitt schützt nicht vor einem überdehnten Beckenboden. Die Überdehnung entsteht durch das Gewicht des Kindes in den letzten Monaten der Schwangerschaft. Bei einem Kaiserschnitt fehlt lediglich die Beckenbodenbelastung während der Wehen. Die gefürchtete Inkontinenz oder Gefühlsarmut beim Sex sind also keine Gründe, sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Ob Ihr Beckenboden nach der Geburt wieder fit und kräftig wird, hängt maßgeblich davon ab, ob Sie konsequente Rückbildung mit einem intensiven Beckenbodentraining machen. ➤ Selbstständigkeit nach der Geburt:
Nach einem Kaiserschnitt muss die Mutter erstmal liegen, sie darf nichts heben – und kann sich damit in den ersten Tagen nicht selbstständig um ihr Kind kümmern, was teilweise als sehr einschränkend empfunden wird.

Probleme bei der nächsten Schwangerschaft:
Frauen haben nach einem Kaiserschnitt häufiger Probleme mit der Plazenta, die in Folgeschwangerschaften zu Problemen führen können. Und: Es kann zu Verwachsungen kommen, die schmerzen und eventuell sogar einen späteren Kinderwunsch gefährden.

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Das muss nicht sein. In vielen Fällen ist trotz einer früheren Schnittentbindung auch eine natürliche Geburt möglich.


➤ Weitere Argumente gegen einen Kaiserschnitt sind:

• Probleme bei den ersten Atemzügen nach der Geburt und z.T. auch spätere
   Atemprobleme
• eine längere Aufenthaltsdauer im Krankenhaus
• eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Kaiserschnitt bei den Folgegeburten

Nicht unerwähnt lassen möchten wir die unzähligen Studien zu den Auswirkungen einer Kaiserschnittgeburt auf Mutter und Kind. Die Ergebnisse reichen von vermehrten Stillproblemen über eine langwierigere Mutter-Kind-Bindung bis zu einem erhöhten Allergie- und Diabetesrisiko in späteren Jahren. Da hier aber viele andere Faktoren (wie beispielsweise die Tatsache, dass viele Kaiserschnittgeburten deutlich vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt werden) eine Rolle spielen, möchten wir diese Punkte hintenanstellen.
Was spricht für einen Wunschkaiserschnitt?
➤ Planbarkeit:
Bei einem Wunschkaiserschnitt wird ein Termin festgelegt, der meist sieben bis zehn Tage vor dem errechneten Geburtstermin liegt. So wissen Sie ganz genau, wann Sie mit gepacktem Klinikköfferchen in der Klinik erscheinen müssen. Und: Ihr Partner kann seine Geschäftsreisen entsprechend planen, das große Geschwisterchen kann rechtzeitig bei der Oma untergebracht werden.

➤ Weniger Schmerzen:
Keine Wehen – und damit keine Geburtsschmerzen. Bei einem Kaiserschnitt werden Sie entweder mit Vollnarkose oder durch eine Spinal- oder Peridualanästhesie betäubt. Aber: Auch bei einer spontanen Geburt haben Sie die Möglichkeit, sich für eine PDA zu entscheiden.

➤ Nachgeburt:
Das Risiko, dass Reste der Nachgeburt in der Gebärmutter verbleiben, ist bei einem Kaiserschnitt geringer – und damit auch die Gefahr einer unangenehmen und nicht ganz ungefährlichen Entzündung.
Kaiserschnitt ja oder nein? – Eine schwierige Entscheidung
Bei der Abwägung der vielen Argumenten für und gegen einen Wunschkaiserschnitt sollten Sie sich genügend Zeit nehmen, um IHRE ganz persönliche Entscheidung zu treffen. Hilfreich ist, sich nochmals genau zu überlegen, was genau die eigenen Beweggründe sind. Sind es die Freundinnen, die von großen Schmerzen, viel Blut und einer wenig emotionalen Hebamme erzählen? Dann sollten Sie sich auch mit den Geburtsberichten beschäftigen, die mit viel Stolz vom schönsten Moment in ihrem Leben und dem euphorischen Gefühl nach der Geburt berichten. Und wenn Sie sich sicher sind, dass ein Kaiserschnitt Ihr Wunsch ist, lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden! Sie wissen am besten, was gut für Sie ist. Und schlussendlich kann keiner wissen, ob die Geburt, die erst so wunderbar lief, nicht doch im Operationsaal endet oder ob der Wunschkaiserschnitt nicht doch eine völlig unkomplizierte Geburt geworden wäre.

Wie auch immer Sie sich entscheiden, wir wünschen Ihnen alles Gute!