Fünf Sorgen werdender Väter

Eine Studie zeigt: Die meisten Männer verbinden den Gedanken daran, bald Vater zu werden, mit positiven Gefühlen. Aber nicht nur, es gibt auch viel Unsicherheit ...


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Auch Männer sind "schwanger"



Sorgen werdender Väter


© Thinkstock
"Die Schwangerschaft ist auch für Männer eine Zeit des Umbruchs, auf die sie mit körperlichen und seelischen Veränderungen reagieren," so die Psychologin Dr. Angelika Faas. Forscher der Londoner St. George’s Universität fanden kürzlich sogar heraus, dass die meisten werdenden Väter unter ähnlichen Schwangerschaftsanzeichen leiden wie Frauen: ihre Hormone spielen verrückt, sie nehmen durchschnittlich bis zu vier Kilo zu, leiden unter Stimmungsschwankungen, Übelkeit und Erbrechen.

Das Kuriose: Kaum jemand nimmt diese Probleme wahr, nicht mal die werdenden Väter selbst. "Im Gegensatz zu Frauen, die ihre Schwangerschaftsbeschwerden ausgiebig mit anderen Frauen besprechen, versuchen viele Männer, diese Sachen erst mal mit sich selbst abzumachen, und spielen den schmerzfreien Indianer", erklärt Carsten Wittmaack, Vater von zwei Kindern und Autor mehrerer Väter-Ratgeber. Damit werdende Väter ihr Herz öffnen, bedarf es nach Erfahrung des Autors nur etwas weiblicher Einfühlung. „Wenn die Partnerin das Gespräch geschickt beginnt und nicht zu sehr drängelt, sind viele Männer bereit, ihre Gefühle und Gedanken mit ihr zu teilen. In der Regel kommen klassische Sorgen auf den Tisch: Zukunftsängste, Unsicherheiten über die künftige Rolle, Eifersuchtsgefühle.“


Angelika Faas und Carsten Wittmaack haben fünf typische Sorgen werdender Väter genauer unter die Lupe genommen und Erste-Hilfe-Tipps für Frauen formuliert

Fünf Sorgen werdender Väter
  • 1 / 5
    Ich bin besorgt, dass meiner Frau oder dem Baby während Geburt oder Schwangerschaft etwas zustoßen könnte.


    Diese Sorgen bewegen natürlich beide Partner. Wittmaacks Rat: Schwangere Frauen, die ihrem Partner von ihren eigenen Ängsten erzählen und ab und zu mal ein „Geht dir das auch so?“ einflechten, helfen ihnen, ihrerseits auszupacken. Sehr unterstützend ist es auch, dem werdenden Vater zu ermöglichen, an Vorsorgeterminen oder einem Geburtsvorbereitungskurs teilzunehmen, meint der Papa-Experte. Frauen sollten jedoch Verständnis dafür aufbringen, dass werdende Väter nicht zum kompletten Programm Zugang finden. Dafür seien die meisten Männer sehr interessiert an Ultraschallbildern oder den Details heutiger Geburtsmethoden. „Klären Sie auch so früh wie möglich, ob Ihr Mann bei der Geburt wirklich dabei sein möchte“, rät Wittmaack. Haben werdende Väter dagegen große Vorbehalte, müssen beide in Ruhe über Alternativen nachdenken.

  • 2 / 5
    Ich befürchte, als Geliebter auf Platz zwei zu rutschen und nicht mehr so gefragt zu sein.


    „Diese Angst ist bei Männern, die zum ersten Mal Vater werden, ganz normal. Wir haben anfangs einfach Bedenken, weil da ein möglicher Konkurrent heranwächst, den wir nicht richtig einschätzen können“, sagt Carsten Wittmaack. Doch schon während der Schwangerschaft dämmere es den meisten werdenden Vätern, dass in Wahrheit etwas Neues dazukommt und sich die Liebe zur Partnerin dadurch erweitert und vertieft. In der ersten Zeit nach der Geburt müsse „Mann“ jedoch damit rechnen, eine Nebenrolle zu spielen. „Die anfängliche innige Nähe zum Baby gehört einfach der Mutter, da sind wir wirklich nur noch die Nummer zwei, aber das löst sich später wieder auf“, so Wittmaack. Sein Tipp für Mütter: Neben offenen Gesprächen über das Thema, helfen Männern Streicheleinheiten und körperliche Nähe über kleine Krisen hinweg.

  • 3 / 5
    Ich will micht nicht in einen Pantoffel-Helden verwandeln, der Kneipentouren mit Kumpels absagt und stattdessen die Küche saugt.


    „Beim Rollenwechsel vom coolen Kerl zum vernünftigen Vater geistern in den Köpfen von Männern viele Klischees herum, die es ihnen schwer machen, herauszufinden, wer und wie sie in der aktuellen Situation wirklich sein wollen“, erklärt Angelika Faas. Die Aussicht, in Zukunft alle Zeitpläne eng mit dem Partner abstimmen zu müssen und weniger Zeit für Freunde und Hobbys zu haben, wecke in manchen werdenden Vätern Fluchtgedanken. Die Psychologin rät Müttern: Vermeiden Sie Vorwürfe und betonen Sie Übereinstimmungen. Sätze wie „Ich kann dich gut verstehen, ich möchte auch kein braves Mütterlein werden“, stärken den Teamgeist. Carsten Wittmaack rät Frauen: „Gönnen Sie Ihrem Mann die Symbole seiner Freiheit und Männlichkeit. Vertrauen Sie darauf dass sich seine Interessen automatisch ändern, sobald das Kind auf der Welt ist.“

  • 4 / 5
    Ich bezweifele, dass es mir gelingen wird, eine tiefe emotionale Beziehung zum Baby aufzubauen.


    Schwangere haben es leichter, sich mit dem Menschlein in ihrem Bauch verbunden zu fühlen. Das heißt aber nicht, dass werdende Väter diese Bindung nicht aufbauen können. „Laden Sie Ihren Mann zum Horchen am Bauch ein, lassen Sie ihn die Kindsbewegungen spüren, vielleicht hat er ja Lust, ein bisschen mit dem Baby zu plaudern“, sagt Angelika Faas. Carsten Wittmaack glaubt, dass der Funke bei Männern spätestens dann überspringt, wenn sie ihr Kind im Arm halten: „Selbst Männer, die vorher fest behauptet haben, kein zärtlicher Vater werden zu können, schmelzen beim Anblick des kleinen Wesens dahin.“.

    Lesen Sie dazu mehr: Bonding

  • 5 / 5
    Ich habe Angst vor der Aufgabe als Versorger und Beschützer.

    Wer die Familienkasse füllt, können Paare heute selbst bestimmen. Staatliche Leistungen wie das Elterngeld oder das Recht auf Elternzeit erleichtern es, Beruf und Kinderbetreuung zu vereinbaren. „Frauen können ihren Mann bitten, die aktuellen Rahmenbedingungen zu checken“, rät Angelika Faas, „das macht den meisten Männern Spaß und nimmt ihnen Druck von den Schultern“.



Männer sind stolz, Vater zu werden

Die LBS-Studie „Übergang zur Elternschaft“ fragte werdende Väter nach ihren Gefühlen. Das Ergebnis: Die überwältigende Mehrzahl der Männer reagiert auf die Schwangerschaft von Anfang an mit starken positiven Emotionen wie Freude und Stolz. Und: Diese Gefühle nehmen im Verlauf der Schwangerschaft weiter zu.

Trotzdem macht „Mann“ sich so seine Sorgen – und spürt nach einigen Jahren als Vater deutliche Veränderungen in seinem Leben. Konkrete Beispiele:

➤ 51 Prozent der Männer haben „etwas“ Angst vor einer Missbildung des Kindes. Immerhin 21 Prozent der Männer haben davor sogar „starke“ Angst.

➤ 58 Prozent der Männer haben „etwas“ Angst, ihrer Frau bei der Geburt nicht richtig beistehen zu können. 31 Prozent der Männer gaben an, „starke“ Angst davor zu haben, die Schmerzen der Frau hilflos mit ansehen zu müssen.

➤ „Starke“ Angst, selbst bei der Geburt in Ohnmacht zu fallen, haben dagegen nur zwei Prozent der Männer. 79 Prozent der Männer kennen diese Angst „gar nicht“.

➤ Drei Jahre nach der Geburt des Kindes gaben 90 Prozent der Männer an, dass sich die Zeit der Partner füreinander deutlich verringert habe. 66 Prozent erklärten, dass die Aufmerksamkeit und Zuwendung von Seiten der Partnerin weniger geworden sei.

➤ 23 Prozent der Väter gaben an, dass sie sich häufig Sorgen machen, ob die Familie mit dem Geld auskommt. Für 21 Prozent der Männer ist es eine Belastung, allein für das Einkommen der Familie zuständig zu sein.

➤ Lediglich ein Prozent der Männer erklärte, dass sie manchmal zweifeln, ob die Entscheidung für ein Kind richtig gewesen ist. 

Umfrage

Muss der Vater bei der Geburt dabei sein?


Die Vaterrolle ganz individuell gestalten

Die Paartherapeutin Dr. Angelika Faas erklärt, warum es wichtig ist, dass Männer ihre Papa-Rolle ganz individuell gestalten.

Was ein guter Vater zu leisten hat, ist heute nicht mehr klar definiert. Ist das ein Problem oder eine Chance?

Dr. Angelika Faas: Große Freiräume machen uns allen sicherlich ein bisschen Angst. Aber ich denke, die Möglichkeit, seinen eigenen Weg zu finden, ist letztlich eine riesige Bereicherung. Heute können Männer Neues ausprobieren, sie können improvisieren und sich aus verschiedenen Väter-Modellen das heraussuchen, was ihnen persönlich am ehesten entspricht.

Wie gelingt diese Puzzlearbeit?

Männer können sich bei Freunden und Bekannten anschauen, wie andere Väter es machen und passende Teile übernehmen. Außerdem ist es sinnvoll, sich mit dem  Modell der eigenen Eltern auseinanderzusetzen. Mögliche Fragen: Was davon möchte ich selber genauso machen? Was auf keinen Fall? In offenen Gesprächen mit der Partnerin sollten Männer zudem klären, auf welche Weise ihr Engagement als sinnvolle Ergänzung zu den Aufgaben der Mutter funktioniert.

Und wie gehen engagierte Väter mit möglicher Kritik um?

Wer sich ganz bewusst dazu entschieden hat, für sein Baby da zu sein, den trifft mögliche Häme von anderen nicht. Spott, zum Beispiel von Kollegen, die meistens doch nur eifersüchtig sind, läuft bei selbstbewussten Vätern ins Leere.
Väter sind Superhelden - unser Video zeigt warum!




mehr zum Thema
Schwangerschaftswochen Papa
Artikel kommentieren
Login