Stille Geburt: Ein totes Baby auf die Welt bringen

Normalerweise ist die Geburt ein freudiges Ereignis, der Beginn eines neuen Lebens. Eine stille Geburt ist das Gegenteil: Das Ende eines kurzen Lebens, der Abschied vom eigenen Kind.


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Totgeburt: Wie läuft eine stille Geburt ab?


Sein eigenes Kind tot entbinden zu müssen, ist ein unerträglicher Gedanke und eine fast unmenschliche Herausforderung. Sie ist aber unumgänglich, wenn das Baby während der Schwangerschaft im Mutterleib stirbt. Die rechtliche Regelung besagt: Ab der 14. Schwangerschaftswoche muss das Kind auf normalem Weg entbunden werden, alternativ per Kaiserschnitt geholt werden. Man spricht dann von einer stillen Geburt – still deshalb, weil der sehnsüchtig erwartete erste Schrei nach der Geburt fehlt.  


© iStock
Was ist der Unterschied zwischen einer Totgeburt und einer Fehlgeburt?

Von einer Totgeburt spricht man, wenn ein Baby mit mehr als 500 Gramm Gewicht tot auf die Welt kommt. Wiegt es weniger, wird es rechtlich als Fehlgeburt behandelt. Bei einer frühen Fehlgeburt (in den ersten 12 Schwangerschaftswochen) wird üblicherweise eine Ausschabung durchgeführt.
Wie läuft eine stille Geburt ab?
Wenn die Ärzte sich sicher sind, dass das Baby im Bauch nicht mehr lebt, sollte die Schwangerschaft beendet werden. Wenn es der Mutter gut geht, spricht nichts dagegen, wenn die Eltern noch ein oder zwei Tage zu Hause verbringen, um in aller Ruhe Abschied von ihrem Kind zu nehmen. Nicht alle Paare können sich mit dieser Idee anfreunden und möchten sich möglichst schnell von ihrem Kind trennen. Manche am liebsten sofort und in Vollnarkose per Kaiserschnitt. Die Vorstellung, ein totes Baby im Bauch zu haben, ist für einige Frauen gruselig. Gefährlich ist es aber in den allermeisten Fällen nicht (Ausnahme ist eine Schwangerschaftsvergiftung). Egal, wie Sie sich entscheiden: Lassen Sie sich Zeit für die Entscheidung und handeln Sie nicht übereilt.

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Da die Wehen nicht auf natürlichem Weg einsetzen, werden sie durch Medikamente künstlich eingeleitet. In den meisten Fällen wird den Müttern von einem Kaiserschnitt abgeraten: Die natürliche Geburt hilft, den Tod des eigenen Kindes zu realisieren und danach besser zu verarbeiten. Es ist sozusagen das letzte, was sie für ihr Kind tun können. Wie bei einer normalen Geburt darf die Mutter entscheiden, wie die Geburt abläuft, in welcher Position sie entbindet, ob sie Schmerzmittel möchte oder nicht. Eine Hebamme kümmert sich um die Mutter, ist immer an ihrer Seite. In einigen Kliniken gibt es einen extra Raum für stille Geburten, weit genug vom Kreißsaal entfernt, um die Schreie der gesund geborenen Kinder nicht hören zu müssen.
Was passiert nach der Geburt?
Wenn das Baby dann auf der Welt ist, wird es – wie bei einer normalen Geburt - eingewickelt, sauber gemacht und den Eltern in den Arm gelegt, wenn diese das möchten. Wer für diesen Schritt Zeit braucht, bekommt sie. Die Eltern können sich in Ruhe überlegen, ob und wann sie ihr Kind nochmals sehen möchten. Die meisten Eltern zelebrieren den Abschied von ihrem Kind ganz bewusst: Sie nehmen es in den Arm, streicheln es, machen Fotos oder Fußabdrücke, um möglichst viele Erinnerungen zu behalten. Wer sein Kind erstmal nicht anschauen kann oder mag, kann auch die Hebamme oder ein Familienmitglied bitten, es zu beschreiben. Aber keine Sorge, betroffene Eltern äußern sich alle ähnlich über den Anblick ihres toten Kindes: "Es war so friedlich, als würde es schlafen", "…wie ein Engel", "es war alles dran – und es war wunderschön."

Der nach der Geburt normalerweise eintretende Milcheinschuss kann mit Tabletten unterdrückt werden. In den Folgetagen untersucht eine Hebamme die verwaiste Mutter, kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter. 

Der Tod des eigenen Kindes gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, mit denen Eltern konfrontiert werden können. Hier erfahren Sie, was beim Verarbeiten des Verlusts seines Kindes helfen kann:


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Gründe für eine Fehl- bzw. Totgeburt

Die Gründe, warum ein Baby im Mutterleib stirbt, können ganz unterschiedlich sein. Bei ungefähr zwei Dritteln der Fälle bleibt die Ursache für den Tod des Kindes völlig unklar. Wenn Eltern mehr über die Todesursache wissen möchten, werden das Blut der Mutter, die Plazenta und das Baby selbst (Autopsie) untersucht. Diese Untersuchungen werden nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Eltern gemacht.
 
Gründe für eine Fehl- bzw. Totgeburt können sein:

● Unzureichende Versorgung über die Plazenta
● Infektionen wie Listeriose oder Toxoplasmose
● Gebärmutterhalsschwäche
● Fehlbildung des Kindes
● Nabelschnur-Komplikationen (Nabelschnurknoten / Nabelschnurvorfall)
● Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum 
Schwangerschaft nach einer Totgeburt

Wenn die größte Trauer verarbeitet ist und der Wunsch nach einem Geschwisterkind für das verstorbene Kind erwacht, fürchten die meisten Frauen, dass bei einer erneuten Schwangerschaft wieder etwas schief gehen und das Baby sterben könnte. Diese Angst ist verständlich, in den allermeisten Fällen besteht die Gefahr aber nicht: Die meisten Frauen erleben nach einer Fehl- oder Totgeburt eine ganz problemlose Schwangerschaft.
 
Bevor Sie erneut schwanger werden, sollten Sie aber mit Ihrem Arzt über Ihren Kinderwunsch sprechen. Er wird Ihnen sagen, ab wann Sie wieder schwanger werden dürfen. Wenn Ihr Kind aufgrund eines Gendefekts gestorben ist, sollten Sie sich von einem Humangenetiker über die Risiken einer erneuten Schwangerschaft beraten lassen.





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