Wie das Baby im Mutterleib schmeckt, riecht, sieht und denkt
- Schmecken: Der Geschmackssinn setzt mit dem 6. Schwangerschaftsmonat ein. "Das Fruchtwasser ist im Grunde eine Art Suppe aus verschiedenen Aromen und Geschmacksvarianten, die sich im Laufe des Tages ändern", sagt Benoit Schaal, Leiter des Europäischen Zentrums für Geschmackswissenschaft in Dijon. „Das Baby kann diese Veränderungen wahrnehmen und speichert seine Eindrücke zumindest so dauerhaft, dass sie das Verhalten des Kindes nach der Geburt beeinflussen.“ Mütter prägen also durch das, was sie essen, auch die Vorlieben ihrer Kinder. Ein Beispiel: Babys von Schwangeren in Ländern, in denen viel Knoblauch gegessen wird, werden ebenfalls Knoblauch mögen. Gegen Ende der Schwangerschaft trinkt das Baby fast einen 0,5 Liter Fruchtwasser am Tag und scheidet es wieder aus, wie man auf dem Ultraschall sehen kann.
- Riechen: Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Baby von der 28. Schwangerschaftswoche an in der flüssigen Umgebung zwar riechen, die Eindrücke aber nicht von den geschmeckten unterscheiden kann. Kurz nach der Geburt ist der Geruchssinn aber bereits sehr wichtig für das Baby - unter anderem, damit es ganz schnell die Brustwarzen zum Stillen findet. Denn die erkennt es am Geruch der Muttermilch.
- Sehen: In der 16. Schwangerschaftswoche kann ein Baby erstmals seine Augen bewegen. Inwieweit ein Baby aber schon vor der Geburt sehen kann, ist noch nicht vollständig erforscht. Untersuchungen haben zumindest gezeigt, dass Föten reagieren, wenn man eine Taschenlampe direkt auf den Bauch richtet. Eine bestimmte Lichtstimulation findet also statt. Das Sehvermögen ist im letzten Schwangerschaftsdrittel voll funktionsfähig. Aber wirklich sehen können Babys vermutlich noch nicht vor der Geburt.
- Gefühle: Wissenschaftler haben den Herzschlag eines Babys vor der Geburt gemessen, während ihre schwangere Mutter intensiv über ihre Gefühle mit ihnen redete - über starke Gefühle, auch Sorgen und Ängste. Das Baby reagierte meist mit heftigem Herzschlag. Man weiß heute noch nicht genau, wie: Aber offenbar bekommt ein Baby schon vor der Geburt viel von den Gefühlen seiner Mutter mit.
- Denken: Bei der Geburt ist das Baby mit dem kompletten Satz Gehirnzellen ausgestattet. Der größte Teil entsteht bereits in der 1. Hälfte der Schwangerschaft - bis zu eine 0,5 Million Zellen pro Minute. Nach der Geburt kommen nie wieder welche hinzu. Aber was wichtiger ist als die pure Menge: die Verknüpfungen der Hirnzellen, also die Synapsen. Sie bilden sich von der 5. Woche an. Und das bis lange nach der Geburt - ebenfalls in einem Wahnsinnstempo. Neugeborene Babys sind unglaublich lernfähig und beginnen schnell, ihr Gehirn zu strukturieren. Sie können sich zum Beispiel an Melodien erinnern, die sie regelmäßig während der Schwangerschaft gehört haben - besonders in den letzten Wochen vor der Geburt. Das zeigt, dass das Kind schon im Mutterleib lernfähig ist.
Direkt nach der Geburt: Mit der Geburt ändert sich für das Baby plötzlich alles. An der Luft reagiert zum Beispiel nur noch das Trommelfell auf Töne statt wie zuvor eine ganze Reihe von Hautrezeptoren. Das neugeborene Baby hört Stimmen, die es nicht kennt. Der Tastsinn ist auf einmal ganz direkt, auch das Sehen und das Riechen. Das Gefühl für das eigenen Gewicht verändert sich völlig, es spürt die Schwerkraft.
Ungeheuer viele Eindrücke stürmen auf das kleine Wesen ein. Viel zu verarbeiten für so ein Baby. Die bekannte Stimme der Mutter und ihr Geruch sind ihm eine wichtige Hilfe, um sich zu orientieren und sich an das Leben „draußen“ gewöhnen zu können.