Das gemeinsame Leben vor der Geburt bilanzieren


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Gemeinsam Bilanz des Lebens bis zur Geburt ziehen


Oft haben Partner unausgesprochene Erwartungen, wie es wohl sein wird, wenn das Baby da ist - aber sie sprechen nicht miteinander darüber und verwechseln das mit stiller Übereinkunft und Seelenverwandtschaft. Diese Taktik erweist sich aber als echtes Pulverfass. Wer hingegen recht gut weiß, was seinen Partner bewegt und was ihm wichtig ist, der reagiert in den vielen kleinen und großen Stressmomenten gelassener. Es fällt leichter, die Reaktionen des anderen besser zu verstehen - und nicht gleich enttäuscht oder ärgerlich zu sein. Weiterer Vorteil: Durch solche Gespräche gewinnt man auch für sich selbst Klarheit, kann Prioritäten setzen und die knappe Zeit besser einteilen. Krisen wegen Elternrollerechtzeitig erkennen
Langzeituntersuchungen wie etwa die LBS-Familienstudie „Übergang zur Elternschaft“, in der 175 Paare nach ihren Erfahrungen gefragt wurden, brachten heraus: Die ersten drei Jahre als Eltern mit Baby sind besonders kritisch. Die Partner redeten nach der Geburt zunehmend weniger miteinander, sie tauschten weniger Zärtlichkeiten aus, die sexuelle Beziehung flachte deutlich ab, und sie stritten häufiger. Ein Baby ist die Krönung der Liebe, aber gleichzeitig auch die größte Prüfung für die Beziehung.

Der Stress, den ein Baby verursacht, ist zwar in aller Regel begleitet von großen Glücksgefühlen, Dankbarkeit und Zufriedenheit. Dennoch können die unfreiwillige Rückkehr in eine traditionelle Rollenverteilung sowie Zeit- und Schlafmangel ernste Krisen in der Partnerschaft hervorrufen. Der amerikanische Psychologe John M. Gottmann hat ein neues Buch über die Elternwerdung geschrieben („And Baby makes three“, Crown Publishers, 20 Euro, über amazon.de). Er fand allerdings heraus, dass der Babystress in der Regel gar nicht der Hauptverursacher der Krise ist, sondern sie „nur“ offen legt und verstärkt. Sprich: Paare, die schon ohne Kinder harmonisch zusammengelebt haben, gelingt es meist, auch mit Nachwuchs diese Beziehungskultur beizubehalten.

Knirscht und knatscht es schon ohne Kinder, ist eine Krise weit wahrscheinlicher. Gottmann rät daher, gravierende Probleme in der Beziehung unbedingt so weit wie möglich vorher zu lösen. Im Grunde wussten das schon unsere Großeltern: Ein Baby ist nie Kitt, sondern im Zweifel eher Sprengstoff für die Beziehung. Der Pädagoge Robert Richter, der zurzeit über die Auswirkung des Elterngeldes auf die Vaterrolle forscht, sagt: „Große Konflikte nach der Geburt sind nicht zwingend - wenn man sich auf die Veränderungen vorbereitet.“