Wochenbettdepression: Bewölktes Mutterglück

Eine Wochenbettdepression ist keine harmlose Verstimmung sondern eine ernst zu nehmende Krankheit. Die meisten Frauen empfinden zwar durchaus auch etwas für ihr Baby - aber ihr Muttersein ist umhüllt von einer dunklen Wolke des Unglücks. Warum sich eine postpartale Depression entwickelt und was dagegen hilft.


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Es passt einfach nicht in das schöne Bild, dass wir von frischgebackenen Müttern haben. Aber erschreckend viele Frauen erkranken an einer ernsthaften Wochenbettdepression. In Deutschland leiden darunter etwa zehn bis 20 Prozent. Die möglichen Symptome sind vielfältig: Ängste, Panikattacken, Aggressionen, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Weinen und Schlimmeres. Betroffene Frauen erleben zum Teil eine große Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeits- und Schuldgefühle und haben Schwierigkeiten, ihrem Kind gegenüber Liebe zu empfinden.


Wochenbett-Depression


© Thinkstock
Warum die eine Frau erkrankt und die andere nicht, ist noch nicht endgültig geklärt. Jede Untersuchung bringt etwas Neues, die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich. Als mögliche Ursachen für eine postpartale Depression gelten Schwangerschaftsprobleme, ein Trauma bei durche eine schwere Geburt, Probleme mit dem Baby, ein zu niedriger Hämoglobinwert, eine Schilddrüsendysfunktion, schwierige soziale Verhältnisse und eine Veranlagung für depressive Erkrankungen. Experten gehen davon aus, dass in der Regel mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, damit die Krankheit ausbricht. Befördert wird eine Wochenbettdepression auch durch die unausgesprochene Abschaffung des Wochenbettes, durch Perfektionismus, der nicht erfüllt werden kann, und durch falsche Vorbilder, die suggerieren, Schwangerschaft und Geburt gingen völlig spurlos an einer Frau vorbei.

Die große Traurigkeit nach der Geburt wird oft nicht ernst genug genommen. „Die Situation der Frau wird verharmlost, weil die Depressionen mit den hormonell bedingten Heultagen, die nach kurzer Zeit vorüber sind, verwechselt werden“, sagt die Hamburger Psychologin Veronika Windsor-Oettel, die seit Jahren zu diesem Thema forscht. Sie litt nach der Geburt ihres ersten Kind selbst an der Krankheit und weiß, wie sich die betroffenen Frauen fühlen.


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Ein Buch, das ohne Beschönigung die unterschiedlichen Gesichter der postpartalen Depression zeigt. Aber auch ein Buch, das Mut macht und aufrüttelt.


Eine Wochenbettdepression darf kein Tabu-Thema sein


Das die Krankheit verharmlost wird, liege ihrer Meinung auch daran, dass sich die Symptome von Wochenbettdepression und Babyblues überlagern: Erschöpfung, Müdigkeit, Anspannung. Für die Frau und genauso für die Familie ist manchmal schwierig zu unterscheiden. Was ist der „normale Wahnsinn“ und was schon krankhaft? Anders als in England, wo man sich bei jungen Müttern selbstverständlich auch nach ihrem psychischen Befinden erkundigt, sind postpartale Depressionen bei uns noch kein großes Thema. In Vorbereitungskursen ist so gut wie nie die Rede davon. Die meisten Frauen, die an einer Depression erkranken empfinden durchaus auch etwas für ihr Baby - aber ihr Muttersein ist umhüllt von einer dunklen Wolke des Unglücks. Auch diese Fälle sind genauso behandlungsbedürftigt wie die ganz dramatischen.

In den Mutter-Kind-Kursen, bei der Babymassage oder in der Stillgruppe leiden die betroffenen Frauen besonders. Denn dort treffen sie all die Mütter mit dem „Glückseligkeitslächeln“ im Gesicht, die scheinbar alles ohne Probleme hinbekommen. Das bestärkt eine erkrankte Frau in dem Gefühl, sie sei die Einzige, die überfordert ist. Viele Frauen versuchen relativ lange, die Situation allein in den Griff zu bekommen. Oder sie empfinden sich quasi als Schwächling, der gar kein Mitgefühl erwarten darf. Dabei ist es genau das, was sie jetzt brauchen: Liebevolle Unterstützung und Bemutterung von Partner, Freunden und Familie sowie professionelle Hilfe von Experten.

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Kommentare
  • Frau.Kerber

    Bei mir war die postpartale Depression relativ leicht aber trotzdem genug, um meine Selbsteinschätzung zu beeinflussen. Ob es aber um eine richtige Trauma oder Depression ging, steht für mich zur Frage.
    [url=http://www.traumaheilung.de/traumaheilung/was-ist-ein-trauma/ ]HIER[/url] kann man bißchen Info bezüglich der Symptome dieses psychischen Zustands lesen.

  • Frau.Kerber

    Bei mir war die postpartale Depression relativ leicht aber trotzdem genug, um meine Selbsteinschätzung zu beeinflussen. Ob es aber um eine richtige Trauma oder Depression ging, steht für mich zur Frage. Hier kann man bißchen Info bezüglich der Symptome dieses psychischen Zustands lesen:
    http://www.traumaheilung.de/traumaheilung/was-ist-ein-trauma/