Zu viel Fruchtwasser: Polyhydramnie

Fruchtwasser ist für die Versorgung und Entwicklung des Babys lebensnotwendig. Doch, wie bei fast allen Dingen im Leben, kann auch hier ein „Zuviel“ schädlich sein.


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Während der Schwangerschaft wird das Fruchtwasser durch komplexe Vorgänge ständig erneuert. Sowohl Organe von der Mutter als auch vom Kind sind daran beteiligt, dass das Baby immer ausreichend mit Fruchtwasser versorgt ist, damit es sich gut entwickeln kann. Manchmal kann es aber zu Problemen in diesen Abläufen kommen. Dann wird zu viel oder zu wenig Fruchtwasser produziert bzw. eingelagert. Was die Ursachen für und Symptome von zu viel Fruchtwasser sind und was Sie dagegen machen können, erfahren Sie im Folgenden.

Als Polyhydramnion oder Hydramnion wird die übermäßige Ansammlung von Fruchtwasser um den Fötus herum bezeichnet


© iStock
Wie wird zu viel Fruchtwasser festgestellt?

Zu viel Fruchtwasser, medizinisch ein Polyhydramnion bzw. Polyhydramnie genannt, wird bei den Vorsorgeuntersuchungen festgestellt. Meist fällt Arzt oder Hebamme auf, dass der Schwangerschaftsbauch zu groß für den Zeitpunkt der Schwangerschaft ist. Auch die Gebärmutter erscheint zu groß für die jeweilige Schwangerschaftswoche. Sie fühlt sich beim Abtasten des Bauches prall und hart an. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung sollte ein erfahrener Arzt dann schon mit dem bloßen Auge sehen, ob die Fruchtwassermenge normal ist oder nicht.

Kommt dem Arzt die Furchtwassermenge nicht passend vor, wird er eine genauere Messung durchführen. Zur Messung der Flüssigkeitsmenge wird der Bauch bildlich in vier Teile geteilt. Dort wird der Fruchtwasserstand der tiefsten Stelle gemessen und die Ergebnisse werden addiert. Der ermittelte Wert kann nun mit den Werten des Fruchtwasserindex verglichen werden. Dieser besagt zum Beispiel, dass sich der Normalwert im Bereich bis 20 cm bewegt. Liegen Sie über diesem Wert, bedeutet das, dass Sie an Polyhydramnie leiden.
Wie bemerken Sie als Schwangere ein Polyhydramnion?
Bei den Symptomen von zu viel Fruchtwasser muss zwischen einem akuten und einem chronischen Polyhydramnion unterschieden werden. Die akute Zunahme der Fruchtwassermenge entsteht innerhalb weniger Tage. Deshalb nehmen auch die Beschwerden der schwangeren Frau rapide zu. Sie fühlen sich plötzlich stark beeinträchtigt. Das chronische Polyhydramnion entwickelt sich dagegen nur langsam. So nehmen auch die Beschwerden nur langsam zu und werden so kaum bemerkt oder auf das allgemeine Unwohlsein während der Schwangerschaft geschoben.

Ein Polyhydramnion ohne einen Ultraschall zu erkennen, ist schwierig bis unmöglich. Dennoch gibt es einige Anzeichen, bei denen werdende Mamas hellhörig werden sollten. Eine starke Zunahme des Bauchumfangs und vermehrter Druck auf die Blase, der zu häufigem Wasserlösen führt, sowie hoher Druck auf den Darm, der Verstopfung auslöst, sind Anzeichen, die in die Richtung Polyhydramnie deuten. Treten zusätzlich noch folgende Symptome vor der 37. SSW innerhalb weniger Tage sehr intensiv auf, sollten Sie sofort Ihren behandelnden Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen: starkes Bauchspannen, Atembeschwerden, Schwindel, vorzeitige Wehen, anhaltende Schmerzen im Unterbauch, Ziehen im Unterbauch.

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Komplikationen durch zu viel Fruchtwasser

Zu viel Fruchtwasser kann einige Komplikationen oder Erkrankungen mit sich bringen. Häufig ist zum Beispiel bei der Mutter das Aufkommen von Bluthochdruck oder Infektionen des Harntakts. Auch das Kind kann von einem Polyhydramnion Schaden davontragen und beispielsweise zu klein und leicht auf die Welt kommen.

Zu viel Fruchtwasser kann durch den vermehrten Druck auch zu einer frühzeitigen Überdehnung der Gebärmutter führen oder sogar einen vorzeitigen Blasensprung verursachen.
Was passiert bei der Geburt?
Das Gewicht des Babys kombiniert mit der großen Menge an Fruchtwasser kann zu einer Frühgeburt führen. Die Fruchtblase kann platzen, ohne dass es schon zu Wehen kommt. Ist das bei Ihnen der Fall, sollten Sie sofort einen Krankenwagen rufen.

Liegt eine Polyhadramnie vor, werden Sie vor und bei der Geburt unter besondere Beobachtung gestellt - auch wenn es Ihnen und dem Kind gut geht - denn beim Geburtsvorgang könnten einige Komplikationen auftreten:

➤ Das Baby könnte durch das viele Fruchtwasser Probleme haben, seinen Kopf in das Becken der Mutter zu senken.

➤ Platzt die Fruchtblase, könnte die Nabelschnur in die Vagina der Mutter gezogen werden und damit vor dem Kopf des Babys liegen. Dies könnte einen Notkaiserschnitt erforderlich machen.

➤ Mütter mit einem Polyhydramnion haben ein höheres Risiko für Blutungen bzw. einem Blutsturz nach der Geburt, da sich die Gebärmutter, die durch die große Menge an Fruchtwasser überdehnt wurde, nicht mehr richtig zusammenziehen kann. Dieses Zusammenziehen ist allerdings zu Blutstillung notwendig. Medizinisch spricht man in solch einem Fall von einer sogenannten Uterusatonie. Ihr Arzt könnte Ihnen deshalb empfehlen, die Nachgeburt künstlich einleiten zu lassen.

➤ Da sich das Baby bei dem vielen Fruchtwasser sehr frei bewegen kann, kommt es vor, dass es keine feste Position einnehmen möchte oder quer in der Gebärmutter liegt. Ihr Arzt wird Ihnen in solchen Fällen zu einem Kaiserschnitt raten.
Ursachen für zu viel Fruchtwasser
Wird bei Ihnen ein Polyhydramnion diagnostiziert, kann das verschiedene Ursachen haben. Bei leichteren Formen ist es oft nicht möglich einen genauen Grund festzumachen. Bei schwereren Formen der Polyhydramnie wird die Ursachenforschung meist fündig. Zu den häufigsten Gründen für das Auftreten von zu viel Fruchtwasser zählen:

➤ Erkrankungen des Kindes: Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto mehr übernimmt das Baby die regelmäßige Erneuerung des Fruchtwassers. Normalerweise beginnt das Baby ab der 14. SSW Fruchtwasser zu trinken. Die Flüssigkeit wird dann von den Nieren des Kleinen gereinigt und über den Harn anschließend wieder als frisches Fruchtwasser abgegeben. Unterschiedliche Störungen des Babys können diesen Kreislauf stören. Schluckstörungen – beispielsweise in Folge von Fehlbildungen des Magen-Darm-Traktes oder einer  Blockade der Speiseröhre – tragen beispielsweise dazu bei, dass nicht genug Fruchtwasser abgeführt wird. Störungen der Nierenfunktion können eine gesteigerte Harnausscheidung verursachen. Auch Schäden im Erbgut wie Trisomien oder Blutungen im Gehirn des Kindes könnten die Ursache für zu viel Fruchtwasser sein.

➤ Erkrankungen der Mutter: Da auch die Plazenta am Abtransport des verbrauchten Fruchtwassers beteiligt ist, kann Polyhydramnie auch durch Fehlfunktionen der Plazenta ausgelöst werden. Des Weiteren könnte Schwangerschaftsdiabetes der Mutter eine Ursache sein. Denn falls der Blutzuckerspiegel der Mutter nicht unter Kontrolle ist, produziert auch das Baby mehr Urin. Auch eine Infektion – z.B. der Pravovirus (im Volksmund Ringelröteln genannt) – oder eine Toxoplasmose könnten Auslöser für die vermehrte Produktion bzw. den verminderten Abbau von Fruchtwasser sein.

➤ Mehrlingsschwangerschaft: Wenn sich mehrere Babys eine Plazenta teilen, kann es zu einem Ungleichgewicht in der Verteilung des Fruchtwassers kommen (Transfusionssyndrom). Ein Kind kann also zu wenig Fruchtwasser bekommen und eines zu viel.
Wie wird Polyhydramnie behandelt?
Die Behandlung eines Polyhydamnions hängt immer von den Ursachen dahinter und der Schwere der Erkrankung ab.

Fällt die Polyhydramnie nur leicht aus und liegt kein spezifischer Grund vor, wird Ihr Arzt wahrscheinlich erst einmal nichts unternehmen und die Lage nur beobachten. Oft reguliert sich die Flüssigkeitsmenge im Laufe der Schwangerschaft von alleine wieder. Viel Ruhe ist hier der ausschlaggebende Faktor. Oft verordnet der Gynäkologe in diesen Fällen deswegen auch ein Beschäftigungsverbot und schreibt Sie krank.

Bei schweren Fällen der Polyhydramnie kann Fruchtwasser abgesaugt werden, damit das Volumen der Fruchtblase reduziert wird und so das Risiko gesengt werden kann, dass vorzeitige Wehen einsetzen. Dieses Verfahren bringt allerdings allerdings auch selbst Risiken mit sich. Die Wahrscheinlichkeit für Infektionen nimmt zu und der Eingriff kann dazu führen, dass Wehen ausgelöst werden. Darüber hinaus kann es gut sein, dass sich die Flüssigkeit erneut ansammelt und der Eingriff wiederholt werden muss.

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von Nicole Metz




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