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Des Teufels rußiger Bruder (8-10 Jahre)

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Alter

8 - 12 Jahre

Länge der Geschichte

lang

Schlagworte

Gott, Teufel, Gevatter Tod

Kategorie

Grimms Märchen

Ein abgedankter Soldat hatte nichts zu leben und wusste sich nicht mehr zu helfen. Da ging er hinaus in den Wald, und als er ein Weilchen gegangen war, begegnete ihm ein kleines Männchen, doch das war der Teufel. Das Männchen sagte zu ihm: „Was fehlt dir? Du siehst so trübselig aus.“ Da sprach der Soldat: „Ich habe Hunger, aber kein Geld.“ Der Teufel sagte: „Willst du dich bei mir vermieten und mein Knecht sein, so sollst du für dein Lebtag genug haben; sieben Jahre sollst du mir dienen, hernach bist du wieder frei. Aber eins sag ich dir, du darfst dich nicht waschen, nicht kämmen, nicht schnippen, keine Nägel und Haare abschneiden und kein Wasser aus den Augen wischen.“

Der Soldat sprach: „Frisch dran, wenn’s nicht anders sein kann“ und ging mit dem Männchen fort, das führte ihn geradewegs in die Hölle hinein. Dann sagte es ihm, was er zu tun habe: er müsse das Feuer schüren unter den Kesseln, wo die Höllenbraten drinsitzen, das Haus rein halten, den Kehrdreck hinter die Türe tragen und überall auf Ordnung sehen; aber gucke er ein einziges Mal in den Kessel hinein, so würde es ihm schlimm ergehen. Der Soldat sprach: „Es ist gut, ich will’s schon besorgen.“ Da ging nun der alte Teufel wieder hinaus auf seine Wanderung, und der Soldat trat seinen Dienst an, schürte das Feuer, kehrte und trug den Kehrdreck hinter die Türe, alles, wie es befohlen war.

Als der alte Teufel wiederkam, sah er nach, ob alles geschehen war, zeigte sich zufrieden und ging zum zweiten mal fort. Der Soldat schaute sich nun einmal recht um, da standen die Kessel ringsherum in der Hölle, und brannte ein gewaltiges Feuer darunter, und es kochte und brutzelte darin. Er hätte für sein Leben gerne hineingeschaut, wenn es ihm der Teufel nicht so streng verboten hätte; endlich konnte er sich nicht mehr anhalten, hob vom ersten Kessel ein klein bisschen den Deckel auf und guckte hinein. Da sah er seinen ehemaligen Unteroffizier darin sitzen. „Aha, Vogel“, sprach er, „treff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jetzt hab ich dich.” Er ließ geschwind den Deckel fallen, schürte das Feuer und legte noch frisch zu.

Danach ging er zum zweiten Kessel, hob ihn auch ein wenig auf und guckte, da saß sein Fähnrich darin. „Aha, Vogel, treff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jetzt hab ich dich.” Machte den Deckel wieder zu und trug noch einen Klotz herbei, der sollte ihm recht heiß machen. Nun wollte er auch sehen, wer im dritten Kessel säße; da war’s gar ein General. „Aha, Vogel, treff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jetzt hab ich dich.” Holte den Blasebalg und ließ das Höllenfeuer recht unter ihm flackern.
Also tat er sieben Jahr seinen Dienst in der Hölle, wusch sich nicht, kämmte sich nicht, schnippte sich nicht, schnitt sich die Nägel und Haare nicht und wischte sich kein Wasser aus den Augen; und die sieben Jahre waren ihm so kurz, dass er meinte, es wäre nur ein halbes Jahr gewesen.

Als nun die Zeit vollends herum war, kam der Teufel und sagte: „Nun, Hans, was hast du gemacht?“ – „Ich habe das Feuer unter den Kesseln geschürt, ich habe gekehrt und den Kehrdreck hinter die Türe getragen.“ – „Aber du hast auch in die Kessel geguckt; dein Glück ist aber, dass du noch Holz zugelegt hast, sonst wäre dein Leben verloren. Jetzt ist deine Zeit herum. Willst du wieder heim?“ – „Ja“, sagte der Soldat, „ich wollt auch gerne sehen, was mein Vater daheim macht.“ Sprach der Teufel: „Damit du deinen verdienten Lohn kriegst, geh und raffe dir einen Ranzen voll Kehrdreck und nimm’s mit nach Haus. Du sollst auch gehen ungewaschen und ungekämmt, mit langen Haaren am Kopf und am Bart, mit ungeschnittenen Nägeln und mit trüben Augen.

Und wenn du gefragt wirst, woher du kommst, sollst du sagen: ,aus der Hölle.’ Und wenn du gefragt wirst, wer du seiest, sollst du sagen: ,des Teufels rußiger Bruder und mein König auch.” Der Soldat schwieg still und tat, was der Teufel sagte, aber er war mit seinem Lohn gar nicht zufrieden. Sobald er nun wieder oben im Wald war, hob er seinen Ranzen vom Rücken und wollte ihn ausschütten. Als er ihn aber öffnete, so war der Kehrdreck pures Gold geworden. „Das hätte ich mir nicht gedacht“, sprach er, war vergnügt und ging in die Stadt hinein. Vor dem Wirtshaus stand der Wirt, und als ihn der herankommen sah, erschrak er, weil Hans so entsetzlich aussah, ärger als eine Vogelscheuche. Er rief ihn an und fragte: „Woher kommst du?“ – „Aus der Hölle!“ – „Wer bist du?” – „Des Teufel rußiger Bruder und mein König auch!“ Nun wollte der Wirt ihn nicht einlassen, als er ihm aber das Gold zeigte, ging er und klinkte selber die Türe auf. Da ließ sich Hans die beste Stube geben und köstlich aufwarten, aß und trank sich satt, wusch sich aber nicht und kämmte sich nicht, wie ihm der Teufel geheißen hatte und legte sich endlich schlafen. Dem Wirt aber stand der Ranzen voll Gold vor Augen und ließ ihm keine Ruhe, bis er in der Nacht hinschlich und ihn stahl.

Als nun Hans am nächsten Morgen aufstand, den Wirt bezahlen und weitergehen wollte, da war sein Ranzen weg. Er fasste sich aber kurz, dachte: „Du bist ohne Schuld unglücklich geworden“ und kehrte wieder um, geradewegs in die Hölle. Da klagte er dem alten Teufel seine Not und bat ihn um Hilfe. Der Teufel sagte: „Setz dich, ich will dich waschen, kämmen, schnippen, die Haare und Nägel schneiden und die Augen auswischen.“ Und als er mit ihm fertig war, gab er ihm den Ranzen wieder voll Kehrdreck und sprach: „Geh hin und sage dem Wirt, er solle dir dein Gold wieder herausgeben, sonst würde ich kommen und ihn abholen, und er würde an deinem Platz das Feuer schüren.“ Hans ging hinauf und sprach zum Wirt: „Du hast mein Gold gestohlen, gibst du es nicht wieder, so kommst du in die Hölle an meinen Platz und sollst aussehen so grauenhaft wie ich.“ Da gab ihm der Wirt das Gold und noch mehr dazu und bat ihn, nur still davon zu sein; und Hans war nun ein reicher Mann.

Hans machte sich auf den Weg heim zu seinem Vater, kaufte sich einen schlechten Linnenkittel auf den Leib, ging herum und machte Musik, denn das hatte er beim Teufel in der Hölle gelernt. Es war ein alter König im Land, vor dem musste er spielen, und der geriet darüber in solche Freude, dass er dem Hans seine älteste Tochter zur Ehe versprach. Als die aber hörte, dass sie so einen gemeinen Kerl im weißen Kittel heiraten sollte, sprach sie: „Ehe ich das tue, würde ich lieber ins tiefste Wasser gehen!“ Da gab ihm der König die Jüngste, die wollte es ihrem Vater zuliebe gerne tun; und also bekam des Teufels rußiger Bruder die Königstochter und, als der alte König gestorben war, auch das ganze Reich.




Entnommen aus: Kinder und Hausmärchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm. Verlegt bei Eugen Diederichs. Jena 1912.

Angepasst an die zeitgemäße deutsche Sprache

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