Stiftung Warentest schlägt Alarm: Jedes 4. Produkt für Kinder fällt durch

Für unsere Kinder nur das Beste ist sicher das Motto bei Eltern, offensichtlich aber nicht bei Herstellern von Spielzeug und anderen Produkten für Kinder. Stiftung Warentest hat zum Jahresende 2018 Bilanz ihrer Tests gezogen – und schlägt Alarm.
 


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Ausgerechnet Produkte für Kinder sind in Deutschland von mangelhafter Qualität. Mit diesem erschreckenden Ergebnis schlägt Stiftung Warentest Alarm. In 15 Testreihen der vergangenen zwei Jahre wurden von der gemeinnützigen Verbraucherorganisation insgesamt 278 Produkte für Kinder untersucht – 79 davon fielen wegen schwerwiegender Mängel durch. Damit schneiden Kinderprodukte, seien es Kinderwagen, Laufräder, Babyspielzeug oder Buntstifte, in Sachen Sicherheit noch deutlich schlechter ab als andere getestete Produkte.

Schadstoffe und Sicherheitsprobleme auch bei Kinderwagen: Jeder dritte fiel durch


© Getty Images


Jedes 4. Testergebnis lautet "mangelhaft"


Spielzeug für die Kleinsten, das eigentlich besonders sicher sein sollte, ist es nicht - im Gegenteil. Kinder­produkte haben viermal häufiger Sicher­heits­mängel als Produkte für Erwachsene, "weil die betroffenen Anbieter offenbar die Qualitätskontrollen vernachlässigt haben", so Stiftung Warentest.

Auf der Gefahrenliste: Schadstoffe und Sicherheitsmängel

In beinahe einem Fünftel der Produkte, seien es Buggys, Laufräder, Bunt­stifte, Spiel­schleim oder Spielzeug, fanden die Tester gefährliche Schadstoffe wie Bor, Naphthalin oder Formaldehyd, die Reizungen von Haut und Schleimhäuten auslösen und schon für Erwachsene gefährlich sein können. Einige der Produkte übersteigen die zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches und hätten gar nicht verkauft werden dürfen. Im Griff eines Kinder­wagens waren zu hohe Mengen eines Flamm­schutz­mittels, ebenso in den Bezügen von Kinder­sitzen. Noch nicht einmal Babyspielzeug ist schadstofffrei. Ein Greifling und eine Wagenkette enthielten Schad­stoffe, die sich im Körper zu krebs­erzeugenden Stoffen umwandeln können.
 
Andere Produkte wie einige Kinder­hoch­stühle sind falsch konstruiert: die Kinder können heraus­rutschen und mit dem Kopf im Stuhl hängen bleiben. Bei bestimmten Fahr­radkinder­sitzen sind die Gurte so locker gesichert, dass Kinder sie spielend aufbekommen können. Jede zweite der getesteten Kinder­matratzen erfüllt eine Norm nicht, die das Kind vor dem Ersti­cken schützen soll.
 
Das Problem ist seit langem bekannt
 
Das Problem mit unsicheren und schädlichen Kinder­produkten sei seit Jahren bekannt, sagt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest, und fordert neben besserer Produktqualität eine stärkere Marktüberwachung. Ein Problem sieht er auch darin, dass einige Produkte, die Kinder intensiv nutzen, nicht unter die EU-Spiel­zeug­richt­linie fallen. So gelten Auto- und Fahr­radkinder­sitze, aber auch Schultinten nicht als Spielzeug – obwohl auch schon die Allerjüngsten daran herum­knabbern oder Teile in den Mund nehmen. "Hier ist der europäische Gesetz­geber gefordert", so Hubertus Primus.
 
Die schlimmsten "Durchfaller"

• Kinderhochstühle
Kürzlich hat die Stiftung Warentest 20 Kinderhochstühle getestet: 12 mitwachsende Treppenhochstühle, 8 Hoch- und Klappstühle. Mehr als die Hälfte davon ist mangelhaft.
 
• Kinderlaufräder
Besonders beliebt – und besonders gefährlich. Nur 3 Modelle schafften im Test von Kinderlaufrädern die Note Gut. 11 von 15 Laufrädern sind mangelhaft.
 
• Kinderwagen
Schadstoffe und Sicherheitsprobleme führten dazu, dass 4 von 12 Modellen aus dem letzten Kinderwagen-Test mangelhaft abschneiden. Schon bei der Vorgängeruntersuchung (2/2015) waren zwei Kombi-Kinderwagen negativ aufgefallen.
 
• Schulbedarf
Buntstifte, Fasermaler, Tintenpatronen – überall fanden die Tester Schadstoffe.
 
• Smartes Spielzeug
Wie vernetzte Spielkameraden Kinder aushorchen offenbart der Test von Smart Toys. Bei drei Produkten lautete das Testurteil "sehr kritisch" – durchgefallen.

• Spielschleim
Alle fünf Slimes im Test sind bedenklich. Sie setzen zu viel Borsäure frei.

Weitere Informationen und Einzelheiten zu den Testergebnissen sind nachzulesen auf der Internetseite derStiftung Warentest.

Dass Kinder zur Gruppe der gefähr­deten Verbraucher gehören betonte auch schon das europäische Schnell­warn­system Rapex, das Verbraucher vor Gesund­heits­gefahren warnt. Fast 30 Prozent aller dort im Jahr 2017 bean­standeten Produkte waren Spielzeuge.