Der richtige Umgang mit High Need Babys

Wer ein Kind mit besonderen Ansprüchen hat, weiß: So lieb man seinen kleinen Schatz auch hat - das Leben mit einem High Need Baby ist unglaublich anstrengend und kräftezehrend. Mit diesen Tipps kannst du dich besser auf dein Kind einstellen.

Für Eltern ist ein High Need Baby in erster Linie eines: Sehr, sehr anstrengend. Aber: High Need ist keine Krankheit. Das heißt: Eltern müssen ihr Kind nicht anders behandeln als andere Kinder. Sie müssen nicht zum Arzt (außer: du fühlst dich überfordert) – sie müssen sich nur auf eine etwas anstrengendere Babyzeit einstellen, wohlwissend: Aus Babys werden Kinder – und die Probleme werden sich legen.

Hilfe für ein High Need Baby

Susanne Mierau hat für uns die wichtigsten Tipps für den Umgang mit einem High Need Baby zusammen gefasst:

  • Niemals das Baby schütteln, auch wenn die Nerven blank liegen. Das Baby im Notfall sicher ablegen und Hilfe holen.
  • Unterstützung durch andere (Familie, Freunde, Nachbarn) ist wichtig!
  • Eltern mit einem High Need Baby brauchen Phasen, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen.

Eine Zauberformel gibt es leider nicht – dafür aber viele Punkte, die das Leben mit einem anspruchsvollen Baby leichter und einfacher machen:

Bindungsorientierte Erziehung ist wichtig!

  • High Need Baby brauchen Unterstützung zum Schlafen - auch wenn andere Babys diese Hilfe vielleicht nicht brauchen. Es zum Schlafen zu zwingen hilft nichts.
  • Stille dein Kind, so viel du magst. Auch wenn es für dich anstrengend ist: Dein Kind tankt dabei viel Nähe (mehr als beim Fläschen geben) und beruhigt sich. Angst, dass dein Baby beim Stillen zu dick wird, musst du nicht haben.
  • Lasse dein Kind ruhig im Familienbett schlafen
  • High Need Babys sind Tragebabys, im Kinderwagen fühlen sie sich oft allein gelassen und protestieren mit lautstarkem Geschrei. Eine gute Abhilfe ist ein Tragetuch. Der enge Körperkontakt beruhigt dein Kind. Und du hast die Hände frei und kannst vielleicht noch die eine oder andere Arbeit im Haushalt erledigen.

Darüber hinaus gilt:

  • Betroffenen Eltern tut es gut, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich mit Eltern in einer ähnlichen Situation auszutauschen. So lernen sie, ihr Kind besser zu verstehen und machen die Erfahrung, dass es andere Eltern gibt, die ihre Probleme gut nachvollziehen können. Das löst zwar das eigentliche Problem nicht, aber sie fühlen sich nicht so alleine.
  • Lasse die gut gemeinten Ratschläge anderer an dir abprallen – auch wenn du aus der Haut fahren könntest. Den meisten Eltern sind die Charaktereigenschaften ihres Kindes unbekannt, sie können nicht nachvollziehen, wie schwer es ist, ein High Need Baby zufrieden zu stellen.
  • Versuche nicht, dein Baby "abzuhärten". Auch wenn es noch so anstrengend ist: Kümmere dich um dein Kind, wenn es schreit. High Need Babys brauchen mehr Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung. Da hilft es nichts, wenn du versuchst, dein Kind schreien zu lassen – in der Hoffnung, dass es lernt, selbst zur Ruhe zu kommen. Im Gegenteil: Wenn du schnell auf das Schreien deines Kindes reagierst, gibst du ihm maximale Sicherheit.
  • Wenn dein Kind größer wird, ist es deine Aufgabe, ihm Strategien zu zeigen, um sich selbst zu helfen. Beim Einschlafen sind ein Kuscheltier und ein immer gleiches Einschlafritual hilfreich.
  • Reize von Außen mögen High Need Babys gar nicht. Je eintöniger und gleichmäßiger der Alltag ist, umso besser ist das in den ersten Wochen und Monaten. Zu viele Menschen, zu viel Lärm, eine fremde Umgebung – all das sind Dinge, an die sich dein Kind erst ganz langsam und behutsam gewöhnen muss.
  • Vergleiche dein Kind nicht mit anderen Kindern!
  • Schlaf (für die Eltern) ist das Allerwichtigste und sollte priorisiert werden.
  • Wenn der Kita-Start ansteht, stehen Eltern von High Need Babys oft vor dem Problem, dass ihr Kind sich mit großen Gruppen und wechselnden Bezugspersonen schwer tut. Eine Tagesmutter, die nur wenige Kinder betreut, ist da eventuell eine gute Alternative. Für die Eingewöhnung solltest du genügend Zeit einplanen!
  • Freu dich über jeden noch so kleinen Erfolg!
  • Erkenne deine eigenen Grenzen und suche dir Hilfe.

Eines ist klar: Langweilig wird das Leben mit einem High Need Baby garantiert nicht! Dr. William Sears' Trost für betroffene Eltern lautet: "Es ist eine Phase, die vorbei geht. Ihre Kraft geht nicht verloren, sie hilft Ihrem Kind!"

High Need Babys haben viele wunderbare Seiten

Wie heißt es doch so schön? Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Das gilt für High Need Babys ganz besonders. So schwer sie es ihren Eltern anfangs auch machen – sie alle entwickeln sich zu wunderbaren Kindern mit ganz besonders wertvollen Eigenschaften. Susanne Mierau hat einen Buchtipp für alle Eltern von High Need Babys: „Sehr schön wird das beschrieben in Dr. Mary Sheedy Kurcinkas Weltbestseller "Wie anstrengende Kinder zu großartigen Erwachsenen werden" - eine etwas ungünstige deutsche Übersetzung des Titels, aber dennoch ein hilfreiches Buch für Eltern von größeren High Need Kindern."

Da High Need Babys die Nähe zu Mama und Papa so sehr brauchen und lieben, entsteht bei ihnen durch den intensiven Kontakt in den ersten Wochen und Monaten eine ganz besonders enge Bindung zu ihren Eltern. Ihre überdurchschnittliche Aktivität lässt sie die Umwelt intensiv erforschen, oft sind sie kleine "Schnell-Entwickler". High Need Babys können eines von Anfang an besonders gut: Ihre Bedürfnisse zeigen und äußern. Das verlernen sie nicht so schnell wieder und äußern auch später selbstbewusst, was ihnen gefällt und was wiederum nicht. Eine Eigenschaft, die das Leben leichter macht! Diese Menschen haben zudem gelernt, ihre Emotionen zu leben. High Need Babys entwickeln sich später häufig zu besonders empathischen Menschen, so Dr. William Sears.


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