Die Fontanelle - was tun, wenn sie gewölbt oder eingesunken ist?

Dass es am Köpfchen ihres Babys einen Bereich gibt, der nicht von Knochen geschützt wird, die so genannten Fontanellen, macht vielen Eltern Angst. Doch die Sorgen müssen nicht sein - die Fontanellen dagegen schon, denn sie sind eminent wichtig.
 

 


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Jedes Baby kommt unfertig zur Welt. Am deutlichsten merkt man das an seinem Kopf. Da gibt es vier Stellen, an denen die Schädeldecke noch nicht geschlossen ist:
 
• die rautenförmige große Fontanelle am Oberkopf
• die dreieckige kleine Fontanelle am Hinterkopf
• die vorderen Seitenfontanellen
• und die hinteren Seitenfontanellen
 
Die kleineren Seitenfontanellen werden oft gar nicht bemerkt; sie schließen sich nach ungefähr einem Jahr. Als erstes, bereits nach etwa zwei Monaten, geht die kleine Fontanelle zu. Die wichtigste ist die große Fontanelle, die sich auch als letzte schließt. Bei der Hälfte der Kinder zwischen dem 9. und 18. Lebensmonat. Es ist aber auch möglich, dass sie bereits mit 6 Monaten oder erst mit 27 Monaten verschlossen ist. In diesem Zeitrahmen ist alles normal. Zur Absicherung hilft immer ein Besuch beim Kinderarzt.

Die Fontanelle, eine geniale Erfindung der Natur


© Getty Images

Die Fontanelle hat mehrere Funktionen Der Babykopf ist bei der Geburt enormem Druck ausgesetzt, wenn er durch den Geburtskanal nach außen gepresst wird. Damit er dabei keinen Schaden nimmt, sind die Schädelknochen in diesem Entwicklungsstadium noch nicht zusammengewachsen, sondern flexibel und anpassungsfähig. So können sie sich während des Geburtsvorganges noch verschieben und sogar einander überlappen. Eine geniale Erfindung der Natur. Und noch einen weiteren positiven Effekt dieser beweglichen Knochenplatten gibt es. Erst durch sie ist es möglich, dass Kopf und Gehirn des Säuglings in eben dem starken Tempo wachsen können, wie das in den ersten Lebensmonaten erforderlich ist. Daher das späte Schließen der Fontanellen. Nicht zu vergessen schließlich die dritte Funktion: Die Geburtshelfer können sich anhand der Fontanellen während der Geburt orientieren und so sehr gut die Lage, Stellung und Haltung des Kindes im Geburtskanal erkennen.
Mögliche Probleme mit der Fontanelle
Es gibt einige Problemfälle, die auftreten können, und bei denen man den Kinderarzt konsultieren sollte.

1. Die Fontanelle ist eingefallen
Das kann ein Zeichen für akuten Flüssigkeitsmangel sein, vor allem dann, wenn sich das Einfallen der Fontanelle schon im Liegen zeigt. Eine Dehydrierung beim Baby kann bereits nach wenigen Stunden eintreten, etwa wenn das Kleine Durchfall hat und dadurch schnell viel Flüssigkeit verliert. Wenn der Flüssigkeitsverlust sich nicht ausgleichen lässt, sollte man unbedingt zum Kinderarzt gehen. Ist die Fontanelle nur leicht eingefallen und das Baby scheint sich offensichtlich wohl zu fühlen, reicht es, das Kind zunächst nur zu beobachten.

2. Die Fontanelle ist vorgewölbt
Wenn sich die Fontanelle sehr nach außen wölbt, vor allem, wenn das Baby aufrecht sitzt, kann das auf eine Entzündung beziehungsweise auf einen erhöhten Druck im Hirnschädel hinweisen. Auch in diesem Fall sollte sich unbedingt ein Kinderarzt das Kind ansehen.

3. Die Fontanelle pulsiert sehr stark
Man kann die Fontanelle ruhig vorsichtig anfassen und dort den Puls des Kindes fühlen und vermutlich auch sehen. Dass die Fontanelle leicht pulsiert ist völlig normal, da es an dieser Stelle des Kopfes ja noch keine Schädeldecke gibt. Wenn das Baby stark schreit oder angespannt ist, verändert sich die Fontanelle auch. Dann kann es sein, dass die Fontanelle etwas stärker pulsiert. Wenn du allerdings das Gefühl hast, dass das Pulsieren zu heftig ist oder etwas mit deinem Baby nicht stimmt, solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen.
 
4. Die Fontanelle ist straff
Die Fontanelle fühlt sich nicht weich an, sondern ist straff und gespannt, und sie gibt auf leichten Druck nicht nach - auch das kann der Hinweis auf eine Entzündung sein und sollte sich ein Arzt ansehen.

5. Die Fontanelle hat sich zu früh geschlossen
Das vorzeitige Schließen der Fontanelle ist eine Fehlentwicklung, die ein ungleichmäßiges Wachsen des Schädels zur Folge hat. Bei einem solchen Verdacht sollte das Kind in einem Krankenhaus mit einer (Kinder-)Neurochirurgie-Abteilung untersucht und behandelt werden. Abhängig davon, welche Fontanellen sich zu früh geschlossen haben und nach welcher Zeit, ist möglicherweise eine interdisziplinäre Behandlung notwendig. Als sicherste Therapie gilt eine Operation.

Zusammengefasst gilt: Bei allen Unregelmäßigkeiten mit der Fontanelle sollten sich die Eltern auf ihren Instinkt verlassen, schließlich kennen sie ihr Baby am besten. Bei Bedenken kann man auch die Nachsorgehebamme um Rat fragen. Der Kinderarzt schaut sich schon bei der ersten U1-Untersuchung und bei allen weiteren routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen die Fontanelle ganz genau an.
Kein Grund zur Sorge besteht in folgenden drei Situationen:
• Die Fontanelle ist flach oder leicht eingefallen, wenn das Kind aufrecht sitzt oder auf dem Arm gehalten wird
• Die Fontanelle ist flach oder wölbt sich leicht nach außen, wenn das Kind liegt
• Die Fontanelle fühlt sich weich an

Selbstverständlich sollte der Kopf eines Babys immer möglichst behutsam und vorsichtig angefasst und geschützt werden. Starker Druck und Stöße sind zu vermeiden. Doch wegen der Fontanellen muss man sich keine übermäßigen Gedanken machen. Auch wenn sie sich noch nicht geschlossen haben, muss das Kind dennoch nicht in Watte gepackt oder wie ein rohes Ei behandelt werden. Der Babykopf wird an den verletzlichen Fontanellen-Stellen statt von Knochen von einer starken Bindegewebsschicht bedeckt. Das ist eine sehr widerstandsfähige Membran, die das kleine Köpfchen sehr gut schützt.