Jedes Baby hat sein eigenes Entwicklungstempo

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Jedes Baby hat sein eigenes Entwicklungstempo

Die Entwicklung läuft bei jedem Baby ein wenig anders. Das eine Baby spricht früh, das andere läuft dafür eher. Wir zeigen Ihnen, wie wenig Vergleiche mit anderen Babys nutzen und wie Sie mit Ratschlägen am besten umgehen

Entwicklungstempo Baby: Die Ruhe bewahren

Es gibt Entwicklungsschritte, die ein Kind in einem bestimmten Zeitraum machen sollte. Doch innerhalb dieses Rahmens gibt es erhebliche Unterschiede. Jedes Kind entwickelt sich in seinem individuellen Tempo, das man ihm auch lassen sollte. „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“, sagt ein afrikanisches Sprichwort.
Es gibt also keinen Grund, die Kleinen mit Argusaugen zu beobachten, nur um herauszufinden, welches Baby vielleicht schon ein bisschen weiter ist als der kleine Kollege auf der Krabbeldecke nebenan. Denn auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen: Es sagt überhaupt nichts über die Intelligenz oder die Lebenstüchtigkeit eines Menschen aus, ob er zum Beispiel mit fünfzehn Monaten, zwei Jahren oder erst drei Jahren trocken geworden ist. Und wenn wirklich etwas nicht in Ordnung sein sollte, wird der Kinderarzt das in aller Regel bei der nächsten U-Untersuchung rechtzeitig feststellen. Geht es um Säuglinge und Kleinkinder, tun Vergleiche in der Regel weder Eltern noch Kindern gut, sie verursachen höchstens eines: unnötige Selbstzweifel.

Warum junge Eltern sensibel auf Ratschläge reagieren

Warum junge Eltern sensibel auf Ratschläge reagieren

Das hat vor allem drei Gründe: Frischgebackene Eltern sind einfach unsicher. Besonders beim ersten Kind. Schließlich gibt es für das Elternsein keine Trockenkurse. Und egal, wie genau die vielen Ratgeber das Leben mit einem Baby beschreiben: Um einen kleinen Realitätsschock kommt niemand herum. In solcher Gefühlslage ist man natürlich besonders empfänglich für die Meinung anderer. Das gelassene Vertrauen darauf, kompetente Eltern zu sein, wächst erst im Laufe der Zeit. Ein weiterer Grund: Hirnforscher und Psychologen erklären immer wieder, wie bedeutsam gerade die ersten Lebensjahre für die Entwicklung sind. Jetzt werden die Synapsen im Gehirn verknüpft, jetzt muss das Urvertrauen wachsen. Gerade in dieser sensiblen Phase will man natürlich auf keinen Fall etwas falsch machen. Der dritte Grund ist: Über die frühen Babyjahre wird sehr viel geforscht. Das ist an sich sehr positiv. Aber es hat auch zur Folge, dass sich die Tipps und Ratschläge der Experten an die Eltern relativ häufig ändern. Das kann verunsichern. Ganz besonders, wenn auf dem Spielplatz drei Mütter drei verschiedene Informationen zu einem Thema haben und man selbst im Internet wieder etwas anderes darüber gelesen hat.

Auch Expertenmeinungen ändern sich

In der Erforschung von Allergien etwa überholen sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse schnell, und in entsprechendem Tempo werden neue Empfehlungen zur Prävention ausgegeben. Manchmal ist es für Eltern gar nicht so leicht, zu wissen, welches nun gerade die gültige Lehrmeinung ist. Vor sechs Jahren, als meine älteste Tochter ein Baby war, riet das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund davon ab, Säuglingen unter einem Jahr Kuhmilch anzubieten. So sollte einer Allergie vorgebeugt werden. Heute lautet die Empfehlung des Instituts, für den ersten Milchgetreidebrei mit etwa sieben Monaten Kuhmilch (3,5% Fett) zu verwenden.

Eltern sollten bei Babys Entwicklung auf Bauchgefühl vertrauen

Eltern sind bei Babys Entwicklung Experten

Was tun in solchen Situationen? In der Regel kann man getrost auf die aktuellen Erkenntnisse vertrauen, die man sich am besten direkt vom Kinderarzt oder aus seriösen Quellen besorgt. Aber wenn Eltern zum Beispiel das Gefühl haben, ihr Baby verträgt die Kuhmilch nicht, spricht nichts dagegen, diese abzusetzen und etwas anderes auszuprobieren - vielleicht nach Rücksprache mit dem Kinderarzt. Die Kunst des Elternseins liegt vor allen Dingen darin, Expertenwissen sinnvoll auf die eigene Lebenssituation zu übertragen, auszuprobieren und abzuwägen, was für das eigene Baby die individuell beste Lösung ist. Denn auch wenn Mediziner, Ernährungswissenschaftler, Psychologen und Hirnforscher die Experten für ihr Fachgebiet sind: Keiner kennt ein Baby so gut wie seine Eltern. Nur sie sehen es ständig, leben mit ihm zusammen, beobachten es jeden Tag.

Bei Babys Entwicklung auf das eigene Bauchgefühl vertrauen

Die Hebamme, die unseren Vorbereitungskurs leitete, riet uns: „Informationen sind schön und gut. Aber wer nicht auch auf seinen Bauch und den gesunden Menschenverstand hört, wird zum Spielball von Tipps und Empfehlungen.“ Das meint auch der Ulmer Kinderarzt Professor Harald Bode, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V.: „Eltern sollten vor allem nicht den gelassenen, intuitiven Umgang mit ihren Kindern verlieren.“ Denn egal, was die anderen reden mögen: Sie selbst sind immer noch die allerbesten Experten für Ihr Baby.

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