Nervenzellen und Synapsen: Babys lernen sehr schnell

Sind erst einmal Nevrenzellen beim Embryo gebildet, suchen sie sich sofort ihren Bestimmungsort im Körper und schließen sich dort mit anderen Nervenzellen zusammen. Warum Synapsen dabei eine so wichtige Rolle spielen.

Nervenzellen suchen nach der optimalen Verbindung

Die Nervenzellen fangen sofort damit an, an ihren Bestimmungsort im Körper zu wandern, um sich dort zu strecken, zu verästeln und den Kontakt zu anderen Nervenzellen zu suchen. Vorerst aber sind sie noch so nutzlos wie nicht eingestöpselte Telefone. Damit sie tatsächlich Botschaften transportieren können, brauchen sie Verbindungsstellen, sogenannte Synapsen. Deren Produktion beginnt zwar auch schon in der 5. SSW, aber da allein in der nur zwei bis drei Millimeter dicken Großhirnrinde mehr als zehn Milliarden Nervenzellen verschaltet werden müssen, dauert dieser Prozess bis weit nach der Geburt an. Das liegt auch daran, dass die Produktion weit über das eigentliche Soll hinausgeht. Bis zum dritten Lebensjahr entstehen rund 200 Billionen Synapsen - doppelt so viele, wie einem Erwachsenen schließlich bleiben.

Gehirnentwicklung des Babys


Das Gehirn des Babys lernt besonders schnell

„Diese Überproduktion der Synapsen erlaubt es Kindern, in den ersten Jahren alles, was sie für das Überleben in ihrer Kultur benötigen, besonders schnell zu lernen“, sagt Martin Textor vom Staatsinstitut für Frühpädagogik. „Der Rest der Entwicklung besteht darin, die überzähligen Synapsen wieder abzubauen und die Kommunikationsgeschwindigkeit der verwendeten Verbindungen zu optimieren.“ Und da die Botschaften ihre optimale Strecke nicht gleich finden, haben Babys im wahrsten Sinne des Wortes oft eine „lange Leitung“.
Zur Zeit der Geburt ist aus den drei Hirnbläschen ein schön schrumpeliges Gehirn geworden, das so aussieht wie das eines Erwachsenen in Kleinformat. Doch der Anblick täuscht: Fertig ist es noch lange nicht. „Das Gehirn eines Neugeborenen ist sozusagen ein Rohling, der erst ausgeformt werden muss“, beschreibt es der Erlanger Neurobiologe Ralph Dawirs. Diese Feinabstimmung passiert erst nach der Geburt. „Genau das ist die große Chance des Menschen“, sagt Martin Textor. Denn so kann er sich genau an seine Umgebung anpassen, ganz gleich, ob es sich um die Wüste handelt oder eine technisierte Großstadt.


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