Weltfrühgeborenentag 2017

Zum Weltfrühgeborenentag am 17. November 2017 weist die Kampagne  „Kleine Helden – große Helfer“ darauf hin, welch großen Einfluss die räumliche Umgebung auf das Wohlergehen von frühgeborenen Kindern hat.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Frühgeborenentag

Die Betreuung von Frühchen wird immer besser - aber auch das Wohlergehen der betroffenen Familien ist wichtig.


© iStock
Der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die auf die Bedürfnisse von Frühchen und deren optimale Versorgung aufmerksam machen möchte. Im Rahmen von „Kleine Helden – große Helfer“ soll verdeutlicht werden, wie wichtig es ist, entwicklungsfördernde Raumkonzepte für die Frühchenversorgung zu schaffen. Denn die Räume der Frühgeborenenstation werden für die betroffenen Familien – für eine begrenzte Zeit – zum ersten Kinderzimmer. Deshalb ist eine entsprechende Umgebung wichtig, um die beste Entwicklung der Frühgeborenen zu gewährleisten.

Zuhause auf Zeit


Barbara Mitschdörfer vom Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V betont eindringlich: „Viele Umweltfaktoren haben nachweislich einen elementaren Einfluss auf die gesunde Entwicklung von frühgeborenen Kindern.“ Für das Frühchen und dessen Familie wird die Frühchenstation zum Zuhause auf Zeit, deshalb muss eine Umgebung geschaffen werden, in der sich das Kind gemeinsam mit seiner Familie wohlfühlen kann und Raum zum Wachsen hat.

Die Kampagne betont, wie wichtig es für das Wohlergehen von Familie und Kind ist, ihnen einen geschützten Raum und Rückzugsmöglichkeiten zu gewähren. Denn neben den medizinischen Einrichtungen sind es auch die Möglichkeit auf Privatsphäre und der Schutz vor unnötigem Stress, der nicht nur den Eltern die Situation erträglicher gestaltet, sondern auch den Säuglingen einen optimalen und ruhigeren Start ins Leben ermöglicht – denn gestresste oder übermüdete Eltern geben ihre Gefühle, ohne es zu merken, auch an ihre Kinder weiter.

Besonders wichtig für Frühchen ist es auch, die Entwicklung ihrer Sinne zu fördern, um die damit verknüpfte Gehirnentwicklung anzuregen. Diese darf durch die frühe Geburt nicht unterbrochen werden. Deshalb ist es besonders wichtig, für ein entwicklungsgerechtes Ambiente in den Baby Zentren und Perinatalzentren
zu sorgen. „Wir wissen: Kranke Kinder brauchen ihre Eltern und Familien, denn Nähe hilft heilen und fördert den Entwicklungsprozess“, erklärt Prof. Dr. Matthias Keller, Chefarzt der Kinderklinik Dritter Orden Passau und fügt hinzu: „Nicht wenige Eltern und Familien leiden enorm unter den Sorgen und Ängsten, welche den Aufbau einer stabilen Eltern-Kind Beziehung nachhaltig belasten. Wir schaffen [in unserer Klinik deshalb] die Voraussetzung, dass Eltern von Beginn an eine enge Verbindung zu ihrem Kind aufbauen können."

Auch Dr. Erna Hattinger-Jürgenssen, Oberärztin des Eltern Baby Zentrums der Landeskliniken Salzburg, setzt auf Raumkonzepte, die die Familienintegration fördern:  „Als die Neonatologie geplant wurde, war uns selbst noch nicht klar, dass das Konzept der Familienintegration tatsächlich der Schlüssel zur bestmöglichen Entwicklung unserer Kinder sein wird [.] Bei der Gestaltung der Neonatologie war es unser wichtigstes Ziel, eine Atmosphäre für die Familien zu schaffen, in der sie sich wohl und entspannt fühlen, damit sie ihre neue Familienkonstellation etablieren können und ihr neu geborenes Baby sich in die Welt außerhalb der Gebärmutter entwickeln kann.“

 Das könnte Sie interessieren: Kuscheltherapie für Frühchen

Kuscheln wirkt Wunder! Vor allem bei Frühchen. So profitieren die Kleinen von Mamas und Paps Nähe, Wärme & Liebe.


Frühchen mit 21 Wochen – Die Versorgung wird immer besser

Dass Kampagnen wie „Kleine Helden – große Helfer“ von großer Bedeutung sind, zeigen die enormen Vorsprünge in der Frühchenmedizin.

Vor einigen Jahren erstaunte beispielsweise die kleine Frieda ganz Europa. Das kleine Mädchen kam im Jahr 2010 viel zu früh zur Welt. Mit 21 Wochen und fünf Tagen war Frieda das jüngste Frühchen Europas. Als sie entbunden wurde, war Frieda nur 26 Zentimeter groß und wog gerade einmal 460 Gramm.

Normalerweise haben solche extrem frühgeborenen Neugeborenen fast keine Überlebenschancen. Die Beatmungsschläuche sind meist nicht klein genug, um in die Atemwege der Frühchen zu passen und die Beatmungsgeräte geben ihren winzigen Lungen möglicherweise nicht genug Luft zum Atmen. Die Blutgefäße in ihren Gehirnen sind so zart, dass sie leicht brechen können und so Blutungen verursachen können. Auch die Langzeitprognosen bei solch jungen Frühchen sind besorgniserregend: Zerebralparese, Schwierigkeiten beim Gehen oder Laufen, der Verlust der Sehkraft und Lernbehinderungen können die Folgen einer solch frühen Geburt sein. Für den Rest ihres Lebens müssen die Frühgeborenen in der Regel mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen kämpfen.

Dennoch: Immer wieder gelingt der Natur gemeinsam mit der Medizin ein Wunder. Kleine Kämpfer, wie Frieda oder die nun dreijährigen Tochter der Texanerin Courtney Stensrud, die ebenfalls mit 21 Wochen geboren wurde, zeigen einen unglaublichen Überlebenswillen und überwinden alle Risikofaktoren.

Sie überleben nicht nur die frühe Geburt, sondern entwickeln sich auch in den Jahren darauf prächtig – nicht zuletzt dank des unaufhörlichen Kampfes ihrer Familien, die sie auf allen Schritten des Weges unterstützen und begleiten.

 Das könnte Sie interessieren: Nachsorgepass für Frühchen

Frühchen-Eltern müssen den Überblick über all die vielen Diagnosen und Untersuchungen behalten. Dabei hilft jetzt der Nachsorgepass für Frühchen.



von Nicole Metz




mehr zum Thema
Entbindung Leben mit Baby