Der Wut-Anfall

NEIN sagen ist ein wichtiger Lernprozess für junge Menschen. Ein NEIN akzeptieren allerdings auch. Für diesen Schritt müssen Eltern große Geduld aufbringen. Die steht einem aber nicht immer grenzenlos zur Verfügung.

Zuweilen ist der liebe Mäusemann in einer Trotzphase. Sein liebstes Wort ist NEIN! Zu den meisten Aufforderungen höre ich 'nicht magen!' oder der Mäusi macht nach Herzenslust, was er möchte, was meist das komplette Gegenteil von dem ist, was Mum gerade wollte. Bekommt mein Spross dann mal von mir das Wort 'Nein' zu hören, ist aber was los. Es wird gebrüllt, getobt, gestrampelt und um sich gehauen. Und dies passiert häufig in Situationen, in denen man so etwas am wenigsten brauchen kann. Beim Einkaufen oder auf dem Spielplatz, wo man von anderen Müttern angesehen wird, als wäre man die Versager-Mutter schlecht hin, weil das Kind zornig und wild strampelnd auf dem Boden liegt. Hallo?! In dieser Phase ist jedes Kind mal. Ich würde jedes Mal am liebsten sagen: 'Das ist ein normaler Entwicklungsschritt, also schau nicht so blöd!' Aber es gibt noch andere Orte, an denen man einen gepflegten Trotzanfall lieber vermeiden und auf später dann zu Hause verschieben möchte:

Zum Beispiel bei Schwiegermutter

Bekanntlich ist das Verhältnis zum Schwieger-Tiger eh schon angespannt. So bin ich also froh, das Haus nach dem sonntäglichen Besuch wieder zu verlassen und zum Auto zu hasten. Es ist warm, die Türen des Autos sind geöffnet, um etwas durch zu lüften. Da denkt sich der Mäusemann, es wäre doch fein, sich hinters Steuer zu setzen. Gut und schön, der Mäusi spielt Autofahren. Nach einigen Minuten möchte Mum dann doch endlich wirklich weg fahren – nicht nur im Spiel – und bittet den jungen Rennfahrer, doch nach hinten umzusteigen. In seinen eigenen Kindersitz. Damit der Papa fahren kann. Zja … davon hält der Junior leider gar nichts. Also wird noch etwas diskutiert, gebeten, argumentiert, erklärt, energisch angeordnet, bestochen … nichts. Der Mäusemann will Autofahren spielen. Also hilft nur eins: die Zwangsräumung! Mum packt also den lauthals zeternden Mäusemann und verfrachtet ihn wild strampelnd in den Kindersitz. Das Anschnallen ist natürlich unter diesen Umständen so gut wie unmöglich. Die ganze Nachbarschaft weiß mittlerweile, wie 'böse' die Mama ist, die das arme Kind einfach aus dem Spiel reißt. Dafür sorgt der Mäusemann lauthals. Und der Schwieger-Tiger schaut kritisch zu. Mir platzt also irgendwann der Kragen und ich presse den Mäusemann in den Sitz, schnalle ihn mit letzter Kraft an und gegen alle Prinzipien schreie ich ihn auch noch an. Dies bewirkt natürlich nur das Gegenteil. Der Mäusi brüllt noch lauter, mein Schwieger-Tiger schaut noch kritischer und ich will nur noch flüchten. Jetzt schaltet sich zu allem Verdruss noch mein Freund ein, der natürlich möchte, dass ich mich herzlichst von seiner Familie verabschiede … was ich ja eigentlich schon getan habe …

Kompletter Familien-Wut-Anfall

Na toll … wieder ein Minuspunkt auf der roten Liste der Schwiegermutter. Darf ich mich bitte auch auf den Boden legen und strampeln? Nein, ich weiß es besser und entschuldige mich nach 2 Minuten im Auto bei meiner großen Liebe, welche da schluchzend im Kindersitz kauert. Der Mäusemann wird dadurch plötzlich wieder ruhig, grabscht nach Mums Hand und stammelt auch mit Tränchen in den Augen 'Tschuldigung'.

Nur blöd, dass der Schwieger-Tiger das Happy End nicht miterlebt hat.

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