Das Leben zwischen zwei ICHs

Ab sofort berichtet Carla monatlich auf familie.de über ihr Leben als Mutter und Erlebnisse mit ihrem Sohn. Im ersten Teil geht es um Veränderungen im Leben, die ein Kind mit sich bringt.

Carlas Kolumne: Das Leben zwischen zwei ICHs

Foto: Privat


Ich muss mich kurz vorstellen. Ich bin Carla. Ich bin 27 Jahre alt und seit einigen Monaten halb-alleinerziehende Mutter eines bezaubernden Sohnes.
Kindesvater ist mein NICHT-Freund. Was immer das auch sein mag. Es ist kompliziert. Er ist mein Freund und doch nicht. Klingt komisch… ist aber so. Er wohnt weiter weg, kommt aber jedes Wochenende zu uns. Aber zum NICHT-Freund ein anderes Mal mehr. Bisher lebte ich quasi nachts in einem Club und tagsüber im Pferdestall. FREIHEIT war mein Lebensmotto… doch zack… plötzlich sitzt man ratlos auf der Toilette und starrt auf einen Schwangerschaftstest auf dem sich ein Streifen hellrosa färbt. Und man überlegt ob hellrosa auch zählt oder ob das Ding doch dunkelrosa werden muss. Was ich an diesem Tag gelernt habe? Ja, hellrosa zählt auch. Nun ja… jetzt bin ich also eine Mama und mein Leben wurde mit meinem kleinen Mäusemann auf den Kopf gestellt. Und ziemlich oft habe ich mich in meiner Rolle noch nicht ganz eingefunden. Vieles sagt einem auch keiner über das Schwangersein und das Leben mit einem Kind. Man weiß also auf keinen Fall auf was MUM sich da einlässt. Darum lebe ich gerade zwischen zwei ICHs. Für mein Umfeld des Öfteren auch nicht ganz einfach. Und ich sage euch: neues ICH als MUM und altes ICH die Disco-Tussi stehen sich manchmal ganz schön im Weg…

Glucken – man nennt es wohl auch Muttergefühle

Mein altes ICH war genervt von gluckenden Müttern, die nur von ihrem Baby erzählen, ständig besorgt sind, nichts anderes im Kopf haben… einfach nur gluck-gluck-gluck. So – da war sich mein altes ICH sehr sicher – würde ich niemals nie werden falls der Fall eintreten sollte selbst mal ein Kind zu bekommen. Mein neues ICH hat gelernt: Muttergefühle hat man nicht von Anfang an, aber wenn man sie hat hauen sie einen um. Die meisten Frauen sind schwanger und freuen sich auf das ungeborene Baby welches da demnächst schlüpfen wird. Sie sind im Einklang mit sich und ihrem monströsen Bauch. Sie streicheln ihn und reden mit ihm und sind einfach nur SCHWANGER. Ich hatte ein eher kritisches Verhältnis zu dem Mietnomaden und dem neuen Volumen welches ich gerne zu verdrängen versuchte… ja, auch im 9. Monat kann man sich einbilden mit einem Schal den Bauch kaschieren zu können! Und dann die Geburt. Zwischendrin wäre ich gerne aufgestanden und nach hause gegangen. Es tat höllisch weh, ich war nur noch müde und vor dem Mann der einen eigentlich sexy finden soll war das alles ziemlich ungeil. Dann war dieses kleine, zerknautschte Wesen da – welches noch nicht sehr schön aussah – und lag auf dem Bauch. Befremdlich. Ich musste ihn die ganze Zeit anstarren. Erst Stunden später als alle ersten Besucher gegangen waren, beschnupperte ich im wahrsten Sinne des Wortes den kleinen Kerl. Ich musste einfach an ihm riechen. Immerzu. Als dann nachts eine Schwester kam, um das Baby für eine Stunde mit zu nehmen damit ich nach so vielen Stunden ohne Schlaf zur Ruhe kommen konnte, nahm ich das Angebot dankend an. Doch nach nur 10 Minuten ohne den Mäusemann rannte plötzlich mein neues ICH – wenn man das breitbeinige Gewatschel bedingt durch die Katastrophe die zwischen meinen Beinen angerichtet war so nennen kann – ins Schwesternzimmer wo ich tränenüberströmt nach meinem Baby verlangte. Zum ersten Mal in meinem Leben hätte ich auf ALLES verzichtet – inklusive meinem kostbaren Schlaf – ohne zu zögern, wenn nur mein Baby bei mir war! Und da war es geboren das neue ICH. Und das Muttergefühl. Und die Glucke in mir. Es lässt sich wohl kaum vermeiden… Gluck… gluck… gluck!