Lieblingskind - ein Tabu-Thema

Kaum ein Elternteil mag es sich eingestehen, doch wissenschaftliche Studien beweisen: In den meisten Familien gibt es Lieblingskinder - und auch schwarze Schafe. Was beide Positionen innerhalb der Familie für Folgen haben, erfahren Sie hier.

Haben Sie ein Lieblingskind?


Die meisten Eltern streiten es ab - aber Fakt ist: Ganz still und leise gibt es sie doch, die Vorliebe für eines der Kinder. Vielleicht, weil es einem besonders ähnlich ist. Oder weil es momentan gerade in einer besonders schönen Phase ist. Die Gründe, dass ein Kind zum Lieblingskind wird, sind unterschiedlich. Und solange es um ein temporäres Ungleichgewicht handelt, ist das auch nicht dramatisch. Hält das Ungleichgewicht aber an, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Ihr Kind die ungleiche Zuneigung spürt und lebenslang an ihr zu knabbern hat. Was hilft? Machen Sie sich selbst in einer ruhige Stunde klar, ob eines Ihrer Kinder die Position des Lieblingskindes innehat. Vielleicht sogar, ohne dass Sie das bisher gemerkt haben. Und dann heißt es: Bewusst gegensteuern!

Eltern lieben alle ihre Kinder gleich viel?

Ein Großteil der Eltern zieht insgeheim ein Kind vor. Ob Erstgeborenes, Nesthäkchen oder Sandwichkind. Auch für das vermeintliche Lieblingskind kann das schlimme Folgen haben. Für die Eltern ist es nicht immer einfach, gerecht zu entscheiden.
Weltweite Studien zu diesem Thema kommen alle zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil der Eltern ein Lieblingskind hat. Martina Stotz (Expertin für Geschwisterforschung) klärt uns über diese Studien auf:
Es gibt Unterschiede in den Studien. Werden die Kinder befragt ergeben sich andere Werte als bei der Befragung der Eltern. Nach Aussagen der Kinder gibt es in 40% der Familien Lieblingskinder. Bei Studien, in denen man die Mütter befragt hat, kam heraus, dass sich in 80% der Fälle die Mütter einem Kind näher fühlen.
Für die Frage warum das so ist, gibt es unterschiedliche Antworten und Gründe. Es gibt natürlich einige Klischees. Darunter fällt beispielsweise die Auffassung, dass das Nesthäkchen immer Vorteile hat oder das mittlere Kind vernachlässigt wird. Tatsächlich aber weiß man inzwischen, dass dies nicht so viel mit der Geschwisterposition zu tun hat sondern eher mit allgemeinen Charaktermerkmalen. Passt zum Beispiel ein Kind in die familiäre Norm?Welches Merkmal macht aber nun ein Kind zum Lieblingskind? Das kann nicht verallgemeinert werden und kommt ganz auf die Eltern an. Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche der Eltern werden auf die Kinder übertragen. Erfüllt ein Kind diese Erwartungen kaum oder gar nicht, kann das dazu führen, dass dieses Kind benachteiligt wird. Sind zum Beispiel die Eltern sehr sportlich, das Kind aber musikalisch gibt es hier keine gemeinsamen Interessen. Es könnte sogar sein, dass die Eltern nicht einmal bemerken, dass ihr Kind musikalisch ist.
Diese Situation hat sowohl negative Auswirkungen auf das benachteiligte Kind als auch auf das Lieblingskind. In Studien wurden oft nur die Auswirkungen auf das benachteiligte Kind untersucht. Aber auch das Lieblingskind kann unter der Situation leiden. Lieblingskinder fühlen sich häufig verantwortlich für ihre Eltern, können sich schlecht abgrenzen und stehen unter dem Druck der Erwartungen der Eltern.
Wie sich diese Situation auf ein Kind auswirkt, hat aber auch mit dem Kind selbst zu tun. Kinder reagieren unterschiedlich. Einige sind robust und andere sehr sensibel.