Wo ist bitte meine Schmerzgrenze geblieben?!

Als Mum entpuppt sich der Begriff 'Ekligfinden' als dehnbar. Es schleichen sich Automatismen ein, die man selbst normal findet, Umstehende nicht unbedingt. Die sind eher irritiert.


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Mein altes ICH dachte, es gibt eine Grenze zwischen normaler zwischenmenschlicher Liebe und Ekel. Klar, man tauscht Körperflüssigkeiten mit dem Geliebten aus, man pflegt meinetwegen die alt gewordene Oma oder man wischt einem Kind natürlich auch den Popo ab. Aber dann gibt es auch eine Grenze, wo man so einiges dann einfach nur eklig findet. Jetzt bin ich Mum. Und manchmal passieren Dinge, welche ich gar nicht schlimm finde. Doch an der Reaktion von außenstehenden Menschen, welche die Situation beobachten, merke ich dann, dass da wohl doch etwas nicht ganz stimmt. Dann trete ich innerlich einen Schritt zurück, analysiere die Sache distanziert und stelle fest: Was zum Teufel habe ich da eben getan?! Fange ich mal mit herunter gefallenen Schnullern an. Die fallen auf den Boden und sind schmutzig, aber der Mäusemann will ihn unbedingt. Da geht nur eins: ablecken. Im Grunde echt pfui, denn im Normalfall stecke ich nicht alles in den Mund, was schon mal auf dem Boden lag. Oder auch sehr bekannt: am volle-Windel-Popo schnuppern! Wenn sonst jemand aus meinem engsten Kreise sein Geschäft verrichtet hat, gehe ich normalerweise nicht hinterher und schnuppere mal dezent daran.

Aber das sind Dinge, die wohl jede Mum schon einmal getan hat.

Doch es geht noch schlimmer:
  • Der Mäusemann hat Schnupfen. Wir sind unterwegs. Mitten in der Pampa. Nur Wald und Wiese um uns herum. Die Nase läuft. Mum hat natürlich die riesige Tasche am Start … Windeln, Snacks, Mini-Fernglas. Wo sind die Taschentücher? Hmmm … Mist – keine dabei! Also was machen wir?! Ich nehme wie einst unsere Vorfahren ein Blatt! Diese geniale Idee findet leider der Mäusemann überhaupt nicht so gut, also weigert er sich mit Händen und Füßen gegen das Laub-Taschentuch! Na gut, dann nimmt Mum eben die Finger. Schmier, schmier … Rotzglocke weg vom Näslein. In diesem Moment kommt natürlich Frau Nachbarin mit ihrem Hund vorbei spaziert und hat alles genau beobachtet. Mist. Nun schaut sie recht irritiert bis entsetzt.
  • Der Mäusemann isst gut und gerne. Er probiert gerne neues aus und findet seinen persönlichen Geschmack. Wird dieser von einem Snack getroffen, äußert der Mäusi dies mit einem zuckersüßen „guuuuuut“ und er reibt sich sein Bäuchlein. Wird der Geschmack nicht getroffen, verzieht er sein Gesicht, winkt Mummy mit einem „mmmh!“ heran und spuckt das, was er da doch nicht essen will, nicht auf einen Teller oder eine Serviette, sondern ausschließlich in Mutters Hände! Ja und was macht man dann nun im feinen Restaurant mit beispielsweise einer halb zerkauten Rosmarinkartoffel? Unter den Tisch fallen lassen? In eine Serviette wickeln? Naja, wenn man das Teil schon mal in der Hand hat dezent in den eigenen Mund stecken! Ups … der Kellner hat's gesehen. Sein Blick ist ab diesem Zeitpunkt dann eher bemitleidend.
  • Ich hör hier jetzt mal lieber auf …