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Antikörpertests zeigen: Viel mehr mit Corona infizierte Kinder als gedacht

Hohe Dunkelziffer

Antikörpertests zeigen: Viel mehr mit Corona infizierte Kinder als gedacht

Zu Beginn der Corona-Pandemie im März war bei Kindern noch immer von "Superspreadern" die Rede. Dann stellte man dies wieder infrage, nachdem nur wenige Kinder positiv getestet wurden. Bayerische Antikörpertests offenbaren jetzt jedoch: Es waren weitaus mehr Kinder erkrankt als gedacht und diese hatten häufig keine Symptome.

Sechsmal mehr mit Corona infizierte Kinder in Bayern als gedacht

Antikörpertests können eine vergangene Infektion mit dem Coronavirus nachweisen, die mindestens einen Monat zurückliegt. So kann festgestellt werden, wie sehr sich das Virus in der Bevölkerung verbreitet hat. In einer groß angelegten Studie vom Helmholtz-Zentrum München wurden jetzt Blutproben von 12.000 Kindern zwischen 0 und 18 Jahren ausgewertet. Die Blutproben von April bis Juli 2020 sollen eigentlich zur Erkennung von Diabetes Typ 1 untersucht werden.

Jetzt testeten die Münchener Forschenden die Proben auf zwei verschiedene Antikörper. Das erstaunliche Ergebnis: Ca. 0,87 % der Kinder wiesen SARS-CoV-2-Antikörper auf. Diese Zahl ist sechsmal so hoch als die offiziell in Bayern gemeldeten Fälle von Corona bei Kindern. Zudem fand man heraus, dass die meisten davon im Süden Bayerns lebten.

Diabetes Typ 1 und Covid-19 nicht miteinander assoziiert

Da die Blutgruppen der Kinder auch auf Diabetes-Typ 1 getestet wurden, kam heraus, dass diese Krankheiten nicht miteinander verbunden sind. Die Wissenschaftler konnten keine Zunahme der Typ-1-Antikörper im Blut der Kinder feststellen und damit keine Verbindung zu Covid-19 herstellen. Diese Tests dienen bei Kindern schon der Früherkennung von Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, die durch eine Autoimmunerkrankung hervorgerufen wird.

Viele Infizierte ohne Symptome

Fast die Hälfte der Kinder hatte noch dazu gar keine Symptome. Wobei ca. 35 % mit einem Familienmitglied zusammenlebten, dass auch positiv auf Corona getestet wurde. Bei den Geschlechtern wiederum gab es keine sichtbaren Unterschiede. Dass so wenige Kinder jedoch asymptomatisch waren, deutet darauf hin, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher ausfallen könnte. Daran sähe man, dass nur das Testen von Patienten mit Symptomen nicht ausreiche, um Infizierte zu ermitteln. Denn auch diese verbreiten das Virus weiter.

Unsere Studie liefert wichtige Ergebnisse, die die Diskrepanz zwischen gemeldeten Virusinfektionen und Antikörperaufkommen offenlegen. Um verlässliche Daten über die Ausbreitung des Virus zu bekommen, reicht es also nicht aus, nur auf das Virus selbst zu testen.

Markus Hippich, Helmholtz Zentrum München

Quelle: Helmholtz-Zentrum München

 

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Antikörpertests für alle!?

Diese Antikörpertests bestätigen das, was auch ich schon befürchtete: Es sind viel mehr Personen am Coronavirus erkrankt gewesen und haben es mit sich herumgetragen, als gedacht. Da das Virus nicht bei jedem Symptome hervorruft und man auch Schwierigkeiten hat eine starke Grippe vom Coronavirus zweifelsfrei zu unterscheiden, ist man einfach unsicher.

Eigentlich müsste sich jeder von uns mal einem Antikörpertest unterziehen. Dann könnte man ermitteln, wie viel Personen in ganz Deutschland tatsächlich infiziert waren. Dann hätte man spannende Zahlen, die vielleicht die Lockdownmaßnahmen wieder in ganz anderem Licht erscheinen ließen. Doch so einfach ist das ja sicherlich nicht zu organisieren, dass jeder sich jetzt auf Antikörper testen lässt. Oder könnte man dies mit einer "Antikörpertestpflicht" durchsetzen, ähnlich unserer Impfpflicht? Nur mal so am Rande gedacht ...

Bildquelle: Getty Images/Tom Merton

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