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Bezugsperson: Weil Kinder mehr als nur Eltern brauchen

Wertvolle Bindungen

Bezugsperson: Weil Kinder mehr als nur Eltern brauchen

Eine Bezugsperson braucht jeder Mensch. Kinder profitieren sehr davon, dass es nicht nur eine Eltern-Kind-Bindung gibt, sondern auch andere Menschen, zu denen sie eine vertrauensvolle Bindung aufbauen können.

Eltern sind wichtigste Bezugsperson

Natürlich sind wir Eltern die wichtigsten Bezugspersonen für unsere Kinder. Wir sind die Menschen, die sie am allerbesten auf der ganzen Welt kennen. Wir erleben alle ersten Male mit ihnen und sind einfach ihr Fels in der Brandung.

Bezugsperson, was heißt das?

Eine Bezugsperson ist jemand, der eine liebevolle Verbindung zu einem anderen Menschen unterhält. Diese ist von Vertrauen und Zuneigung geprägt. Kinder entscheiden sich instinktiv für die Person, zu der sie eine gute Bindung spüren.

Ein Kind braucht, um gut wachsen zu können, aber nicht nur eine gute Bindung zu uns Eltern, sondern auch zu weiteren Personen. Das können die Großeltern sein, unsere beste Freundin oder der (Paten-) Onkel des Kindes. Die Menschen, denen wir vertrauen, vertrauen wir auch unsere Kinder an. Und unsere Kinder vertrauen meist diesen Menschen, weil sie uns vertrauen!

Bezugsperson wird nach Ähnlichkeit ausgesucht

Wonach habt ihr euch eure eigenen Bezugspersonen ausgesucht? Vermutlich nach Sympathie, ähnlichen Interessen oder weil ihr die gleichen Erfahrungen teilt. Eine alleinerziehende Mutter fühlt sich in mitten von Großfamilien vielleicht unwohl und verbringt lieber mehr Zeit mit einer anderen alleinerziehenden Mutter. Hier fühlt sie sich verstanden und aufgehoben. Wenn ihr überzeugte Veganer*innen seid, werdet ihr auch lieber mit anderen Menschen, die auf tierische Produkte verzichten grillen, als euch fürs Spanferkelessen zu verabreden.

Warum ist eine Bezugsperson wichtig?

Und so, wie wir Eltern unsere Bezugspersonen wählen, so werden auch unsere Kinder damit groß. Sie lernen, dass es mehr als nur Familienmitglieder gibt, denen sie vertrauen können. Wenn wir unsere Freundin alle zwei Wochen zum Kaffee trinken treffen und unser Nachwuchs dabei ist, dann wird auch zwischen den beiden eine Beziehung aufgebaut.

Die Mutter-Kind-Bindung

Kinder brauchen, neben der Vater-Kind- bzw. der Mutter-Kind-Bindung auch weitere Bindungen zu anderen Menschen. Sie lernen von verschiedenen Menschen unterschiedliche Dinge und begreifen, Beziehungen funktionieren nur dann, wenn sie selbst Beziehungen aufbauen können. Bei den meisten Familien werden die Großeltern wichtige Bezugspersonen, oft erfolgt auch durch und bei ihnen die erste Trennung von den Eltern. Denn wenn Großeltern Familien unterstützen, dann verbringen sie meist auch ganz allein Zeit mit ihren Enkeln. Kinder lernen so, dass sie ihrer Bezugsperson vertrauen können.

Babys sind, besonders in der Fremdelphase, sehr skeptisch neuen Bekanntschaften gegenüber. Überfordert eure Kinder in dem Zeitraum nicht. Ihr müsst eurer Kinder nicht herumreichen und es muss nicht jeder euren Nachwuchs berühren. Auch Babys haben ein Recht auf ihren eigenen Willen. Und eine Bezugsperson respektiert diesen auch.

Die Bezugsperson können sich Kinder nicht immer aussuchen

Zunächst können Kinder sich ihre Bezugsperson nicht aussuchen, das übernehmen mehr oder weniger wir für sie. Es beginnt beim persönlichen Umfeld und setzt sich natürlich mit der Eingewöhnung in die Kita oder bei der Tagesmutter fort. Wenn noch nicht bei anderen Bezugspersonen wie z. B. bei den Großeltern zuvor, dann erleben hier viele Kinder die erste Trennung von ihren Eltern. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass die Erzieherin oder der Erzieher eine Bezugsperson für Eltern und Kinder wird.

Nur wenn ihr Vertrauen habt, kann auch euer Kind Vertrauen lernen. Spürt euer Nachwuchs, dass ihr nicht bereit für die Trennung seid, oder, dass ihr glaubt, die Kita sei kein guter Ort, dann wird die Eingewöhnung in die Kita nicht gelingen.

Bedeutung der Bezugsperson

Nehmt euch deswegen Zeit, damit eure Kinder die neue Bezugsperson in ihrem Leben kennenlernen können. Sie sollen lernen, dass sie hier, wie bei euch auch, Trost und Unterstützung und ein offenes Ohr finden. Denn dafür ist eine Bezugsperson da, um eine Art erweiterte Familie für eure Kinder zu sein.

Feinfühligkeit der Bezugsperson

Wichtig ist, dass eine Bezugsperson feinfühlig auf die Bedürfnisse eurer Kinder reagiert. Und natürlich wünschen wir Eltern uns, dass jeder, der mit unseren Kindern im Kontakt ist, genauso auf unserer Kind eingeht, wie wir. Das wird aber nicht gelingen, auch, weil jeder Mensch unterschiedlich auf unterschiedliche Bedürfnisse reagiert. Das kann manchmal enttäuschend sein und ist auch für uns Eltern eine Umgewöhnung.

Bezugspersonen sind Chancen für Familien

Für unsere Kinder aber ist es eine Chance. Weil sie sich bei verschiedenen Bezugspersonen ausprobieren dürfen, weil sie lernen, dass sie manchmal zurückstecken müssen und manchmal mit Liebe überschüttet werden. So funktioniert unsere Gesellschaft und Kinder lernen auf diese Weise, dass wir nicht alle gleich sind. Eine Bezugsperson kann Kindern helfen, sich mehr und mehr in der Welt zurecht zu finden. Die Kinder begreifen: Ich bin ein wichtiger Teil in dieser Welt und es gibt (viele) Menschen, die mich sehr lieben.

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Meine Kinder haben viele Bezugspersonen. Freund*innen von uns, Eltern von ihren Freund*innen und natürlich die pädagogischen Fachkräfte aus der Kita. Alle gehen anders mit meinen Kindern um und die haben inzwischen verstanden, dass jede Familie anders ist. Manchmal ärgern sie sich, weil sie bei meiner Freundin auf den Sofa hüpfen dürfen, und bei uns Zuhause nicht. Aber das gibt uns ja auch die Gelegenheit über verschiedene Familiensituationen zu sprechen. Für mich sind andere Bezugspersonen ein Schatz. In meinem Leben und auch im Leben meiner Kinder.

Bildquelle: getty images / eclipse_images

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