Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Brustkrebs bei Männern sollte kein Tabuthema sein

Mehr Aufklärung

Brustkrebs bei Männern sollte kein Tabuthema sein

Brustkrebs bei Männern ist ein Tabu. Das kriegen doch nur Frauen, heißt es oft! Das stimmt aber leider nicht. Auch wenn Männer vergleichsweise selten daran erkranken, sie können ebenfalls Brustkrebs bekommen. Weil nur etwa 1% aller Krebserkrankungen beim Mann auf Brustkrebs zurückzuführen sind, gibt es hier aber auch ganz wenig Forschung und Hilfsangebote.

Jährlich gibt es zwischen 600 und 700 Neuerkrankungen bei Brustkrebs bei Männern. Das klingt als Zahl nicht besonders viel und doch hängt ja, wie beim Brustkrebs bei Frauen, an jeder Zahl ein Betroffener mit einer eigenen Geschichte. Und die können Männer oft gar nicht teilen, weil es kaum Hilfsangebote gibt, die sich speziell an Brustkrebs erkrankte Männer richten. Die Quote für Männer an Brustkrebs zu erkranken im Vergleich zu Frauen liegt bei 1:100.

Wie sieht Brustkrebs beim Mann aus?

Das unterscheidet sich kaum von Brustkrebs bei Frauen. Es handelt sich um tastbare Knoten oder Verhärtungen im Brustgewebe oder hinter der Brustwarze. Weitere Alarmzeichen können vergrößerte Lymphknoten in den Achselhöhlen oder Flüssigkeitsabsonderungen aus der Brustwarze sein. Bei jeder Form von Auffälligkeiten solltet ihr zu einem Arzt gehen und es abklären lassen. Und ja, auch Männer sollten ihre Brust ab und zu abtasten.

Brustkrebs bei Männern: Welcher Arzt kann helfen?

Die erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt, der dann an einen Facharzt für Männerkrankheiten, also einen Urologen oder Andrologen überweist. Auch die Überweisung an ein Brustkrebszentrum ist möglich. Leider gibt es nur sehr wenige Spezialisten, die sich mit dieser speziellen Krebserkrankung auskennen.

Es gibt auch kaum Forschung zu Brustkrebs bei Männern. Weil Brustkrebs bei Frauen eine der häufigsten Krebsformen ist, wird hier sehr intensiv geforscht. Und diese Ergebnisse werden dann auf die Männer übertragen.

Wie entsteht Brustkrebs bei Männern?

Bis in die Pubertät ist die Brust von Jungen und Mädchen sehr ähnlich. Beide haben kaum Brustgewebe. Bei den Frauen ändert sich das in der Pubertät, die weiblichen Sexualhormone sorgen für das Wachsen von Binde- und Fettgewebe, Milchgänge und Drüsengewebe werden ausgebildet. Das passiert bei Männern nicht. Aber auch sie haben eben ein wenig Brustgewebe und die Anlagen der Milchgänge. Hier haben ca. 80 % aller Brustkrebserkrankungen beim Mann ihren Ursprung.

Was sind die Ursachen für Brustkrebs bei Männern?

Männer und Frauen haben das weibliche Sexualhormon Östrogen in ihrem Körper, bei Frauen ist das aber viel stärker vorhanden. Brustkrebs entwickelt sich aber da, wo Östrogen ist. Wenn Männer über einen erhöhten Östrogenspiegel verfügen, kann dies sie anfälliger für Brustkrebs machen.

Ein Grund für den erhöhten Spiegel können starkes Übergewicht, Lebererkrankungen oder die Einnahme von Hormonen sein. Auch eine erhöhte Strahlungsexposition oder vermehrter Alkoholkonsum können das Risiko für Brustkrebs bei Männern steigern.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Neben dem erhöhten Alkoholkonsum kann auch eine genetische Veranlagung und wenig Bewegung das Risiko erhöhen. Ein Hodenhochstand, eine Nebenhodenentzündung oder eine Hodenentzündung bergen ebenfalls ein Risiko für Männer, an Brustkrebs zu erkranken. Das Alter spielt ebenfalls eine große Rolle. Brustkrebs bei Männern tritt, statistisch betrachtet, 10 Jahre später auf, als bei Frauen.

Wie ist bei Brustkrebs bei Männern die Prognose?

Sie ist etwas schlechter als die von Frauen. Das hat zwei Gründe: Da Männer in der Regel älter sind, wenn sie an Brustkrebs erkranken und es eben erst später entdeckt wird, kann die Prognose im Einzelfall leider deutlich schlechter ausfallen. Wird der Brustkrebs aber früh erkannt, dann haben auch Männer eine gute Heilungs- und Überlebenschance.

Sprecht auch mit euren Familien über die Erkrankung. Vergesst dabei eure Kinder nicht. Es gibt momentan nur Kinderbücher zum Thema Brustkrebs bei Müttern, aber auch die können euren Kindern beim Verstehen helfen.

Wie wird die Diagnose bei Brustkrebs bei Männern gestellt?

Wenn du deinem Arzt deine Symptome schilderst, dann wird er dich vermutlich an einen Spezialisten überweisen. Hier werden, wie bei Frauen mit Brustkrebsverdacht, bildgebende Untersuchungen durchgeführt. Ihr werdet zum Ultraschall und zur Mammographie aufgefordert.

Verlieren ist keine Option: Mein Kampf gegen den Krebs

Verlieren ist keine Option: Mein Kampf gegen den Krebs

Krebsprophylaxe für Männer: Prostatakrebs, Hodenkrebs, Peniskrebs und Genderaspekte (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

Krebsprophylaxe für Männer: Prostatakrebs, Hodenkrebs, Peniskrebs und Genderaspekte (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

Paare und Krebs: Wie Partner gut damit umgehen

Paare und Krebs: Wie Partner gut damit umgehen

Ist der Befund da, wird eine Biopsie durchgeführt, bei der eine Gewebeprobe entnommen und im Labor untersucht wird. Sollte es sich um Krebs handeln, muss das gesamte befallene Gewebe und oft auch der Lymphknoten entfernt werden. Da Männer sehr viel weniger Brustgewebe haben als Frauen, kann es passieren, dass euch die gesamte Brust entfernt werden muss.

Mit wem können Männer mit Brustkrebs sprechen?

Der Arzt oder die Ärztin sollten die erste Anlaufstelle für alle medizinischen Fragen sein. Vergesst aber nicht, dass auch emotionaler Beistand wichtig ist. Wenn ihr euch mit anderen Betroffenen austauschen wollt, gibt es das Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V. das euch Kontakte vermitteln kann.

 

Quellen: Deutsches Ärzteblatt, Krebsgesellschaft

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Ich finde es wichtig, dass mehr über dieses vermeintliche Tabuthema gesprochen wird. Denn, wenn wir alle mehr darüber reden, dann kann das im Zweifelsfall Leben retten. Wir alle denken doch: Passiert uns schon nicht. Das muss bei Männern mit Brustkrebs noch viel häufiger der Fall sein, weil viele einfach gar nicht wissen, dass Brustkrebs nicht nur ein Frauenthema ist.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus/ Srisakorn

Galerien

Lies auch

Teste dich