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Corona-Warn-App: Ist die Nutzung der App unbedenklich?

Datensicherheit

Corona-Warn-App: Ist die Nutzung der App unbedenklich?

Seit heute könnt ihr die Corona-Warn-App der Bundesregierung downloaden. Sie soll uns helfen, zu erfahren, ob sich in unserer Nähe infizierte Personen aufhieltten und die Bundesregierung möchte dadurch die Verbreitungswege des Virus besser nachvollziehen können. Datenschützer halten die App für unbedenklich und dennoch gibt es Kritikpunkte.

Das müsst ihr über die App wissen

Heute wurde die Corona-Warn-App der Bundesregierung gelauncht und ihr könnt sie im App Store und bei Google Play kostenlos herunterladen. Entwickelt wurde sie von Telekom und SAP und Herausgeber ist das Robert-Koch-Institut. Sie richtet sich an alle Personen ab 16 Jahren, die sich in Deutschland aufhalten. Die Nutzung der App ist vollkommen freiwillig und die Bundesregierung erhofft sich davon, die Kontaktketten infizierter Personen besser nachvollziehen zu können. Bislang mussten die Gesundheitsämter dies mühsam per Nachfrage herauszufinden und es sei fast unmöglich gewesen, alle Kontakte genau zurückzuverfolgen.

Zudem soll die App euch warnen, wenn sich eine mit dem Virus infizierte Person in eurer Nähe befand. Dies setzt jedoch voraus, dass sich möglichst viele die App herunterladen und sie nutzen. Laut einer Umfrage der ARD würden nur 42 % der Deutschen eine Corona-Tracking-App nutzen. Aktuell ist daher noch nicht abzuschätzen, wie die App im Kampf gegen das Coronavirus wirklich helfen kann.

Das ist ein sehr sinnvolles Instrument. (...) Sie ermöglicht aber auch, persönliche Vorsorge zu treffen – indem man sich bei einer entsprechenden Warnmeldung testen lassen kann.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, Zeit.de

So funktioniert die App

Die App sendet nach ihrer Installation in Minutenabständen anonymisierte Identifikationsnummern an die Umgebung, die zufällig generiert sind. Dazu müssen wir die Bluetooth- und Standortfunktion unseres Handys sowie die mobilen Daten permanent aktivieren, damit das funktioniert. Gleichzeitig empfängt die Anwendung Signale anderer Handys in der Umgebung und tauscht mit diesen selbige Identifikationsnummern aus, sobald diese eine gewisse Zeit näher kommen. Sollten wir in Kontakt zu einer infizierten Person gestanden haben, würde die App uns das dann sagen, wenn deren positiver Coronatest übermittelt wurde. Doch wir erfahren nicht, wer die betreffende Person ist, sondern nur, dass wir in deren Nähe waren.

Es sollen weder Personendaten genutzt bzw. gespeichert noch Ortsinformationen übermittelt werden. Unsere personenbezogenen Daten auf dem eigenen Smartphone sollen anonym bleiben und nicht an die Behörden weitergegeben werden. Unklar ist noch, ob ein Nutzer, der sich im Umkreis einer infizierten Person aufhielt, direkt einen Corona-Test anfordern kann bzw. ob dieser von der Krankenversicherung auch übernommen wird. Wenn ihr bereits positiv auf Corona getestet seid, könnt ihr dies in der App hinterlegen oder telefonisch mitteilen. Doch hier liegt auch die Schwachstelle.

Datenschutzexperten loben die Sicherheit, doch es gibt noch kritische Punkte

Die Bundesregierung bzw. Kanzerlamtsminister Helge Braun verwies darauf, dass die App so sicher sei, wie sie nur sein könne. Im Interview mit t-online.de stufte Henning Tillmann, Softwareentwickler und Co-Vorsitzender des Digitalvereins D64, die App als bedenkenlos ein.

Viele Experten, mich eingeschlossen, haben sich den Programmcode bereits angesehen und genau geprüft. Dadurch können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass keine unerwünschten Tracker oder Hintertüren eingebaut wurden. In der App werden weder die Namen noch andere persönliche Informationen wie zum Beispiel Standortdaten erfasst.

Henning Tillmann, t-online.de

Der schon angesprochene Datenschutz-Schwachpunkt der App liegt in der Kommunikation mit der Hotline, wenn man einen positiven Corona-Test melden möchte. Man kann telefonisch bei einer Hotline einen Bestätigungs-Code anfragen, mit dem man sich als Coronainfizierter meldet. Doch beim Hotline-Anruf ist man nicht mehr vollkommen anonym. Dadurch soll verhindert werden, dass sich ein Nicht-Infizierter als positiv meldet. Wenn das Labor die technischen Voraussetzungen hat, kann dieser QR-Code auch digital gesendet werden. Dazu muss die App auf die Smartphone-Kamera zugreifen. Hier müsse zukünftig in der Praxis noch nachgebessert werden.

Obwohl die App insgesamt in ihrer Sicherheit gelobt wird, gibt es Kritik: Der TÜV Nord merkt an, dass zu wenig Zeit zum Testen vorhanden war. Daher seien bestimmte Bereiche der App noch ungeprüft. Wissenschaftler der TU Darmstadt merkten an, dass es zwischen den Schnittstellen der Betriebssysteme von Google und Apple sowie den Behörden noch Sicherheitsrisiken gäbe und Angreifer Nutzer an der Stelle identifizieren könnten. Doch dazu müsste ein großer Aufwand betrieben werden.

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Sollte ich die Corona-Warn-App nutzen?

Die App basiert auf Freiwilligkeit. Zudem hat die Bundesregierung ein spezielles Gesetz abgelehnt, dass die Nutzung der App regelt. Daher ist es jedem einzelnen selbst überlassen, ob er sich die App herunterlädt. Wenn das Ziel jedoch sein soll, die Gesundheitsämter zu entlasten, dann macht die Anwendung nur Sinn, wenn möglichst viele von uns sie nutzen und eintragen, wenn sie mit dem Virus infiziert sind. Man darf natürlich nicht vergessen, dass wir uns immer noch an gewisse Abstands- und Hygieneregeln halten sollten, vor allem dort, wo sich viele Menschen aufhalten. Auch den Mundschutz im Supermarkt oder öffentlichen Verkehrsmitteln wird die App vorerst nicht ablösen. Experten erwarten von der App keine großen Wunder, doch was sie wirklich bringt, kann nur die Praxis zeigen.

Ihr habt Fragen zur App? Auf der Website der Bundesregierung könnt ihr euch ausführlich informieren.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Mein Fazit

Ich persönlich bin zwiegespalten, was ich von der App halten soll. Sicherheitsbedenken habe ich eher nicht, sondern verlasse mich auf den Hinweis der Sicherheitsexperten, wenn gesagt wird, die App sei unbedenklich. Doch ich frage mich: Wenn viele die App aus persönlichen Gründen nicht nutzen, was kann sie uns dann bringen? Ich bin auch unsicher, was ich davon halten soll, dass man permanent mobile Daten und Standortdaten senden muss. Auf der anderen Seite finde ich es wichtig, die Gesundheitsämter zu entlasten und ich sehe ein, dass es darum geht, schneller nachvollzuziehen zu können, mit wem Infizierte Kontakt hatten. Jeder muss selbst wissen, ob er sich für die Nutzung entscheidet und wie er dies bewertet. Ich bin sehr gespannt, wie viele Nutzer die App in wenigen Tagen haben wird.

Bildquelle: Getty Images/Sean Gallup

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