Multitasking: Sind Frauen wirklich besser als Männer?

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Multitasking: Sind Frauen wirklich besser als Männer?

Ob Beruf oder Privatleben: Während Frauen oft von Kindesalter an die Erwartung gewöhnt sind, sich um viele Dinge gleichzeitig kümmern zu müssen, bekommen Männer in Job und Alltag oft zu hören, sie sollten besser eins nach dem anderen machen, denn sie wären von Natur aus nicht Multitasking-fähig. Ganz im Sinne des Multitaskings hat sich eine neue Studie nun mit beiden Annahmen gleichzeitig beschäftigt.

Beruf, Baby, Arztbesuche: Wir alle sind geübt im Multitasking, egal welche Rollen wir im Leben einnehmen. Aber fällt es irgendjemandem leicht?

Alle Geschlechterrollen und Stereotypen beiseite: Frauen sind aufgrund ihrer biologischen Veranlagung dafür bekannt, dass sie besser im Multitasking sind als Männer, richtig? Anscheinend doch nicht. Natürlich gibt es viele Menschen in vielen Rollen, egal ob Frauen, Männer, Eltern, Vorgesetzte, Praktikanten, Schüler ...denen es leichter fällt als anderen, viele Dinge auf einmal zu machen und die vielen sprichwörtlichen Bälle in der Luft zu halten. Dabei ist es mittlerweile in den meisten Jobs und auch Alltagssituationen gefragt, dass man an einer Sache arbeitet, schnell einen Kaffee trinkt und gleichzeitig telefoniert, während man auf eine wichtige E-Mail wartet und in den Kalender schielt, um eine gute Zeit für einen Arzt-Termin zu finden. 

Multitasking biologisch unmöglich

Ganz ohne Kopfschwirren und leichte Panik, doch etwas zu vergessen, geht das Multitasking für viele aber doch nicht. So haben mehrere Studien bisher belegt, dass uns das Multitasking biologisch bedingt unglaublich schwer fällt. Das menschliche Gehirn ist so aufgebaut, dass es sich nicht auf zwei Dinge gleichzeitig fokussieren kann. Vielmehr bearbeitet es die Aufgaben schnell aufeinanderfolgend, sodass es es uns so vorkommt, als würden wir sie gleichzeitig angehen. Für unser Gehirn ist das aber eine echte Herausforderung, besonders, wenn sich beide Aufgaben ähneln und so denselben Teilbereich des Gehirns beanspruchen. 

Trotzdem scheint es selbstverständlich, dass wenn überhaupt, Frauen viel besser im Multitasking sind, als Männer: 80 % von uns sind davon überzeugt. Beispiele hierfür sehen wir von klein auf jeden Tag, sei es in der Familie, im direkten Umfeld oder in unseren Vorbildern aus Kunst, Gesellschaft und Politik: Kinder, Haushalt, Job - auf den ersten Blick scheint es Frauen leichter zu fallen als Männern, diese hochexplosive Mischung im Alltag zu schaukeln und über Männer, die es “probieren”, wird gelächelt oder gestaunt.

Frauen sind besser im Multitasking als Männer? Von wegen!

Diese Theorie hat nun ein Forschungsteam der RWTH Aachen infrage gestellt - und dabei gleich einmal einen der größten Mythen unserer Zeit widerlegt: In der Studie wurden 48 Frauen und 48 Männer gebeten, gezeigte Buchstaben und Zahlen zu benennen. Dabei sollten sie manchmal zwei Aufgaben auf einmal erfüllen, andere Male schnell zwischen Aufgaben wechseln. Zum Vergleich wurden Aufgaben nacheinander erfüllt. Frauen und Männer schnitten in der Studie nicht nur gleich ab, sondern auch gleich schlecht: Das Multitasking hatte einen negativen Einfluss auf benötigte Zeit und Richtigkeit der Lösungen. 

Multitasking für alle!

Heißt das, Frauen sind schlecht im Multitasking? Die Frage beantwortet sich spätestens beim nächsten Besuch im Supermarkt von selbst. Natürlich ist so ziemlich jeder, der Teil unserer Gesellschaft ist, gefühlt den halben Tag mit kaum etwas anderem beschäftigt. Weil Frauen dabei traditionell neben dem Job auch in ihrem privaten Leben viele Verantwortungen tragen, die Multitasking erfordern, haben sie manchmal (und oft ungewollt) mehr Übung darin. Das heißt aber nicht, dass sie deshalb besser oder Männer schlechter für diese Aufgaben qualifiziert wären. Es ist vielmehr ein Zeichen, wie hart wir alle arbeiten, um unseren Alltag zu schaukeln. Und ein Symptom der ungleichen Erwartungen an die Geschlechter, die sich immer noch im öffentlichen Denken halten, auch wenn viele Familien ihren Alltag so schon lange nicht mehr leben. Aber das ist ein Thema für sich.

Quellen: 
Putting a stereotype to the test: The case of gender differences in multitasking costs in task-switching and dual-task situations

Bildquelle:

Getty Images

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