Second Hand für Kinder: Kleider mit Geschichte

Eltern

Second Hand für Kinder: Kleider mit Geschichte

Die Zeiten vom Flohmarktwühltisch sind vorbei. Second Hand geht heute auch online - alles bequem von zu Hause aus. Und das Angebot wird immer größer. Wie behält man da bloß den Überblick? Wir haben Experten, aber auch unsere User nach Tipps gefragt.

Frau steht vor dem Kleiderschrank, ein frustrierter Seufzer: nichts zum Anziehen. Dabei ist der Schrank doch voll. Sweatshirts, T-Shirts, Hosen: Alles ist da. Aber alles ist zu klein – schon wieder. Jede Mutter kennt das Problem. Kaum wurden neue Sachen angeschafft, sind sie auch schon wieder zu klein. Gerade in den ersten Lebensjahren wachsen Kinder unheimlich schnell. Monat für Monat strecken sie sich und auch der niedliche Babyspeck wird mehr und mehr. Aber leider wachsen Bodys, Hosen und Shirts nicht mit, so dass stetig für Nachschub gesorgt werden muss. Aber immer alles neu kaufen? Davon sind wir allmählich abgekommen: Second Hand ist wieder gefragt. Und gerade für Baby- und Kinderklamotten ist das besonders sinnvoll.

Diese Erfahrung haben auch die familie.de-User gemacht. „Ich bin einfach der Meinung, dass die Kleinen nicht alles neu brauchen. Gerade Kleidung tragen sie ja wirklich nur ein paar Wochen. Mit der Second-Hand-Ware haben wir echt ordentlich gespart“, sagt zum Beispiel Userin Stella. Sie hat mit ebay sehr gute Erfahrungen gemacht und dort neben Klamotten auch einen gebrauchten Kinderwagen und eine Wickelkommode ersteigert. Denn auch das gehört zur Erstausstattung fürs Baby, aus der es viel zu schnell wieder herauswächst.
Dass sich mit Second Hand Geld sparen lässt, liegt natürlich auf der Hand. Aber es gibt auch noch andere gute Gründe dafür. Einen hat Userin Katja im Forum gut auf den Punkt gebracht: „Gebrauchte Kleidung hat den Vorteil, dass sie mehrfach gewaschen wurde und somit alle Schadstoffe bereits raus sind.“ Denn letztendlich können wir uns nie sicher sein, mit was die Klamotten behandelt wurden, bevor sie so verführerisch auf der Stange im Laden hängen. Ein Blick aufs Etikett gibt zwar einen ersten Aufschluss darüber, wo genäht und gefärbt wurde, aber keineswegs unter welchen Bedingungen. Deshalb wird grundsätzlich empfohlen, Kleidung vor dem ersten Tragen gründlich zu waschen.
Bei Second-Hand-Teilen ist also vor dem ersten Tragen bereits nach dem x-ten Mal Waschen. Und die Schadstoffe sind beim Maschinen-Tauchgang aus den Fasern regelrecht hinausgeschleudert worden. Allerdings sollten Sie deshalb auch besonders auf die Qualität und das Material der Kleidungsstücke achten. Die Teile müssen eben „waschmaschinenresistent“ sein, wie es Userin Mara nennt. Soll heißen: Stimmt die Qualität des Materials, verziehen sich die Kleidungsstücke in der Maschine nicht so schnell und gehen nicht so leicht ein. Dann übersteht ein Shirt auch das zweite oder dritte Baby.

Zu schade zum Wegwerfen

Bleibt ein Problem: Woher bekommt man die beste Second Hand Mode? Logischerweise ist Second Hand erst dann aus zweiter Hand, wenn Sie irgendwer weiter verkauft.
Gut, dass viele Mütter der gleichen Meinung sind wie Userin mamabarbara: „Ich finde, das Zeug ist alles viel zu schade zum gleich wieder wegwerfen - ist doch noch gut nach ein paar Mal tragen“. Warum sollen also nicht noch andere davon profitieren? Mamabarbara schwört deshalb auf mamikreisel.de - derzeit die größte Kleiderbörse für gebrauchte Kinderklamotten.
Kaufen, verkaufen und tauschen – hier wechseln täglich Hosen, Shirts, Schuhe aber auch Kinderwagen, Maxi-Cosi oder Bettstädtchen den Besitzer. Und damit gleichzeitig auch gesammelte Erfahrungen. Denn – und das ist das Besondere an Mamikreisel – aus der Kleiderbörse ist eine Community von Mamis erwachsen. Günes Seyfarth, Gründerin von Mamikreisel: „Man bekommt mit Second Hand auch immer eine Erfahrung zu dem Produkt mit - man kauft eben ein Ding mit Geschichte. Dieser intensive Austausch untereinander macht Mamikreisel so besonders." Und diesen direkten Kontakt schätzen die Mamikreisler auch besonders. Denn heutzutage sei es einfach nicht mehr so üblich, dass die eigene Mutter um die Ecke wohnt und einem jederzeit mit einem guten Rat beiseite steht. Deswegen helfen sich Mamis auf Plattformen wie Mamikreisel gegenseitig und geben ihre Erfahrungen gerne weiter, erkärt Seyfarth.

Berechtigte Frage...

„Habt ihr keine Bedenken, dass die Sachen verschmutzt sind?“, fragt Userin di Matteo. Ein absolut berechtigter Einwand. Denn ähnlich wie auch bei der „Frischware“ aus dem Laden, kann man bei Second-Hand-Teilen oft nur bedingt nachvollziehen, woher sie kommen, beziehungsweise wie mit den Klamotten umgegangen wurde. Ein Problem, bei dem sich die Mamikreisler gegenseitig helfen.
Hier besteht immer die Möglichkeit sich bei Fragen direkt an den Verkäufer zu wenden – und die Antworten kommen in der Regel prompt. Außerdem sind die Produktbeschreibungen sehr ausführlich und vor allem ehrlich. Die Teile haben Waschspuren oder einen kleinen Fleck? Das wird alles notiert und auch auf Fotos festgehalten. „Mir persönlich ist es außerdem sehr wichtig, dass die Klamotten aus einem tierfreien und Nichtraucherhaushalt kommen. Und auch für viele unserer User scheint das so zu sein. Die schreiben das schon automatisch in die Produktbeschreibungen“, sagt Seyfarth. Grundsätzlich gilt: Fragen Sie immer nach, was Ihnen besondes wichtig ist. Auch wenn Sie drei oder viermal nachhaken müssen. Das sollten Sie auch auf Flohmärkten beachten, nutzen Sie den direkten Kontakt zum Verkäufer immer aus.

Second Hand Online-Shops: Was Sie beachten sollten

Besonders ein Problem von Second Hand Online-Shops: Sie können vorerst nur anhand der Bilder den Zustand der Kleidung beurteilen. Wie also lässt sich gute von schlechter Second-Hand-Ware unterscheiden? Und woran können Sie gute Shops erkennen?

Garantiert lupenrein

Auf Empfehlung von unserer Userin Katja haben wir uns auch den Second-Hand-Shop kiba-berlin.de einmal genauer angeschaut. Anders als Mamikreisel ist KiBa keine Tauschbörse, sondern ein richtiger Shop. Das Berliner Quintett um die Gründerinnen Claudia Nagel und Daphne Hering kaufen die Klamotten selbst ein, prüfen sie sorgfältig nach Mängeln, bessern gegebenenfalls Kleinigkeiten aus und verkaufen sie anschließend weiter. Was uns besonders überzeugt hat: Alle Second-Hand-Teile werden vor dem Verkauf nochmals gewaschen, so dass nur saubere und wohlriechende Second Hand Baby- und Kinderkleidung zu Ihnen nach Hause kommen.
Daphne Hering: „Wir versprechen unseren Kunden beim Kauf unserer Sets ein positives Lebensgefühl. Dazu gehört auch, dass sie ein Paket öffnen und die Kleidung die sie erhalten schön aussieht und gut riecht. Oft ist das beim Kauf von Second-Hand-Kleidung nicht so.“ Für Second-Hand-Skeptiker wie unsere Userin di Matteo dürften die meisten Bedenken damit auch ausgeräumt sein.
Außerdem haben Sie die Möglichkeit - wie auch bei Online-Shops, die Neuware verkaufen - die Sets wieder zurückzuschicken, wenn etwas damit nicht stimmt. Sets? Genau! KiBa verkauft hauptsächlich komplette Sets mit bis zu 25 Teilen - die sind aber natürlich sorgfältig ausgesucht und farblich aufeinander abgestimmt. „Jedes KiBa-Set wird von unseren Designerinnen, Isabelle und Mareike, liebevoll gestaltet und ist ein Unikat – Überraschung inklusive. Prinzipiell bekommt man in einem Set alles, was man grundlegend für eine Woche braucht - außer Kinderschuhe“, erklärt Hering. Ein Qualitätskriterium bei KiBa ist also ganz klar: gut kombinierbare Komplett-Sets statt vieler Einzelteile.

Etwa in der Mitte von Mamikreisel und KiBa liegt das Geschäftsmodell von dem Berliner Startup Kirondo . Kirondo ist im eigentlichen Sinne ebenfalls ein Online-Shop für Second-Hand-Klamotten. Allerdings können Sie das Warenangebot mitgestalten – ein bisschen wie bei Mamikreisel. Das funktioniert so: Sie können Ihre aussortierten Kinderklamotten versandkostenfrei an das Kirondo-Team schicken. Dieses prüft die Teile nach strengen Qualitätskriterien und wenn alles passt, dann kauft Ihnen Kirondo die Klamotten ab. So gelangt also Ihre Kleidung direkt in den Shop, aber Sie sind dennoch nicht selbst der Verkäufer.

Nachhaltigkeit fördern

Ein Qualitäts-Prinzip auf das Kirondo viel Wert legt: Hier wechseln ausschließlich getragene Marken-Klamotten den Besitzer. Damit soll gewährleistet werden, dass die Ware aus zweiter Hand billig und trotzdem hochwertig ist. Hendrik Schlereth, Geschäftsführer von Kirondo: „Wir wollen unseren Kunden ersparen, sich ständig Gedanken darüber zu machen, wo sie für Ihre Kinder gute Kleidung bekommen können, die auch noch nachhaltig und sozial verträglich ist.“
Discountware sei mit diesen grundlegenden Qualitätsansprüchen nicht vereinbar, vor allem was die sozial verträglichen und ökologischen Komponenten betrifft, erklärt Schlereth. Deshalb wird bei der Qualitätskontrolle auch ein sehr kritischer Blick auf das Etikett der Klamotten geworfen.
Wurde es herausgetrennt oder entspricht es nicht den Kirondo-Kriterien, wird es nicht in das Shop-Sortiment aufgenommen. Natürlich wird ebenfalls überprüft, ob die Kleidungsstücke zu große Gebrauchsspuren haben oder beschädigt sind, auch frisch gewaschen sollten sie sein.

So erkennen Sie gute Second-Hand-Klamotten

Aber egal ob Markenware oder nicht, das Angebot von Second-Hand-Ware wird immer größer. Die Gebraucht-Mode ist dem Zeitalter vom Flohmarktwühltisch entflohen und im digitalen gelandet. Startups wie kirondo.de werden nicht die letzten bleiben, die den Second-Hand-Markt erobern wollen.
Es ist zwar durchaus wünschenswert, dass wir viele schöne Einkaufsmöglichkeiten dafür haben, allerdings besteht die Gefahr, dass damit auch die Qualität und Unbedenklichkeit der Kleidungsstücke leidet. Besonders ein Problem von Online-Shops, Sie können vorerst nur anhand der Bilder den Zustand der Kleidung beurteilen. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass Sie die gekauften Second-Hand-Teile wieder zurückgeben können, falls Sie damit nicht zufrieden sind. Letztendlich ist vor allem der Eindruck entscheidend, wenn Sie die Klamotten zum ersten Mal selbst in der Hand halten. Und wie kann ich gute von schlechter Second-Hand-Ware unterscheiden?
Aus den Gesprächen mit den verschiedenen Shop- bzw. Tauschbörsengründern aber auch aus den Erfahrungen unserer User haben wir für Sie folgende Punkte zusammengetragen, was gute Second-Hand-Mode ausmacht:

Bildquelle:

Thinkstock,Mamikreisel,Kirondo

Galerien

Lies auch

Teste dich