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Verbraucherzentrale warnt: Pille bei prio.one online bestellen sei unseriös

Verbraucherzentrale warnt: Pille bei prio.one online bestellen sei unseriös

Ohne Arztbesuch?

Ein neues Gesundheitsunternehmen mit Sitz in Dublin wirbt aktuell auf Instagram mit Rabattcodes für die Pille – ohne dass dafür eine medizinische Untersuchung notwendig sei. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt jedoch in einer aktuellen Pressemitteilung für dieses Angebot der Pille ohne Rezept.

Kritisches Geschäftsmodell einer "Online-Pille"

Seit ein paar Tagen wirbt eine Gesundheitsapp namens prio.one auf Instagram mit Rabattcodes für hormonelle Verhütung. Frauen ab 18 Jahren können sich via Prio.one online nach ein paar Gesundheitsfragen die Pille aus einer lange Liste von Präparaten auswählen und für ein halbes Jahr und länger zuschicken lassen. Das Unternehmen mit Sitz in Irland möchte durch seinen telemedizinischen Service "die Gesundheit der Frauen langfristig verbessern". Das sieht die Verbraucherzentrale Schleswig Holstein e.V. kritisch.

"Der Shop wirbt mit innovativen Lösungen für Frauengesundheit. Doch die Pille ist ein verschreibungspflichtiges Medikament mit möglichen heftigen Nebenwirkungen."

Lenia Baga, Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein

Die Pille ist kein Lifestyle-Produkt

Mehrere Frauen hätten sich in den letzten Tagen bei der Verbraucherzentrale gemeldet und nachgefragt, wie diese das Online-Angebot für die Pille ohne Arztbesuch bewerten. Denn in Deutschland setzt die Verschreibung hormoneller Verhütung eigentlich eine Untersuchung bei einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin voraus und das aus gutem Grund. Doch weil der Sitz der Firma außerhalb Deutschlands liegt, kann das Unternehmen diese Pille auch ohne Arztbesuch online verkaufen.

Die Juristin Lenia Baga von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein weist darauf hin, dass viele Fragen zu gesundheitlichen Details von den Frauen gar nicht ohne weitere vorherige Untersuchung beantwortet werden könnten. So werden Frauen nicht umfänglich über etwaige Nebenwirkungen oder Kontraindikationen beraten, die eine regelmäßige Pilleneinnahme notwendig machen würde.

"Besser und sicherer ist es, sich Verhütungsmittel bei einer Frauenärztin verschreiben zu lassen."

Lenia Baga

Pille online bestellen ersetzt keine medizinische Untersuchung

Im Shop von prio.one kann man sich nach ein paar gesundheitlichen Fragen aus einer Vielzahl von Präparaten eine Pille mit bestimmter Hormondosis aussuchen. Doch eine intensive Beratung, welches Präparat für einen persönlich geeignet sein könnte, gibt es nicht. Die Bestellung verläuft auf eigene Gefahr und darauf verweist der Gesundheitsdienst auch. Man muss beim Bestellen folgendem zustimmen:

"Ich bestätige, dass ich ein Verhütungsmittel für mich persönlich verschrieben bekommen möchte, und dass ich mir bewusst bin, dass eine telemedizinische Behandlung aufgrund des ausbleibenden persönlichen Kontakts ein vollständiges Arztgespräch im Zweifel nicht ersetzt und daher Erkenntnissdefizite auftreten können, wodurch die Wahl der verschriebenen Arzneimittel beeinflusst werden könnte."

Die Verbraucherzentrale vermutet, das Geschäftsmodell ziele auf jüngere Frauen, die sich die Pille als Mittel gegen Regelbeschwerden und Verhütung auf diese unkomplizierte Weise holen möchten. Doch was man auch wissen muss: Frauen unter 22 Jahren können sich die Pille von ihrem Arzt oder der Ärztin zum Großteil auf Kosten der Krankenkassen verschreiben lassen, wenn eine medizinische Notwendigkeit dafür festgestellt wird. Doch bei prio.one würden sie diese vollständig selbst zahlen müssen.

Hormonelle Nebenwirkungen nicht unterschätzen

Grundsätzlich sollten Frauen sich umfänglich zur Wirkungen und Nutzen der Pille ärztlich beraten lassen. Daher setzt die Verschreibung auch eine regelmäßige Untersuchung voraus, denn im Körper einer Frau könnten sich Dinge ändern, die eine Einnahme der Pille riskant machen könnten. Letztlich sollten Frauen daher vorsichtig sein, solche Online-Angebote unkritisch anzunehmen und sich besser an ihrem behandelnden Gynäkologen oder die Gynäkologin wenden.

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Meine Meinung

Dass sich junge Frauen überhaupt mit kritischen Nachfragen an die Verbraucherzentrale wenden, ist schon ein gutes Zeichen. Das heißt, dass sie wissen, dass die Pille ein Medikament mit möglichen Risiken und kein Lifestyle-Produkt ist. Die Warnung der Verbraucherzentrale halte ich für nötig und wichtig. Auch wenn es sicherlich Vorteile haben kann, telemedizinische digitale Beratung in Anspruch zu nehmen, scheint es hier in erster Linie um ein Geschäft zu gehen. Nicht umsonst setzt hormonelle Verhütung intensive Beratung voraus, denn diese wirkt sich auf den Körper, Psyche und Zyklus der Frau aus und darüber sollte man sich ärztlich aufklären lassen.

Bildquelle: Getty Images/AntonioGuillem

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