Kindergrundsicherung: Mehr Unterstützung gefordert

Kinderarmut

Kindergrundsicherung: Mehr Unterstützung gefordert

Kinderarmut nimmt in Deutschland nicht ab, deshalb fordern Wohlfahrtsverbände und Parteien wie Die Grünen die Kindergrundsicherung. Was steckt dahinter?

Der Kinderschutzbund geht von 4,4 Millionen Kindern aus, die in Deutschland von Armut betroffen sind. Der Bund rechnete hier eine Dunkelziffer von 1,4 Millionen Kindern, die aus dem System herausfallen, hinzu. Drei Millionen Kinder beziehen Leistungen, aber dann gibt es noch diejenigen, denen eigentlich Zuschüsse wie dem Bildungs- und Teilhabepaket zustehen, sie aber nicht nutzen. Deshalb treten immer mehr Verbände für eine Kindergrundsicherung ein, die alle erfasst.

Kindergrundsicherung: Zusammenfassung aller Leistungen

Das Konzept ist eigentlich ganz einfach: Statt dass Eltern für ihre Kinder bei den unterschiedlichen Behörden ihre Zuschüsse beantragen, würde die Kindergrundsicherung automatisch auf ihr Konto fließen. Bis jetzt sieht es so aus, dass sie das Kindergeld und den Kinderzuschlag von der Familienkasse, Hartz IV vom Jobcenter und den Unterhaltszuschuss vom Jugendamt bekommen. Der bürokratische Aufwand ist enorm. Leistungen wie zum Beispiel das Bildungs- und Teilhabepaket müssen Eltern für ihre Kinder extra beim Jobcenter beantragen. Dieses Paket sieht 15€ im Monat als Zuschuss vor, um den Jugendlichen den Sportverein, Musikschule, aber auch Schulausflüge und Klassenfahrten zu ermöglichen.

Laut einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nutzen aber 85 % der Kinder, denen er zusteht, diesen Zuschuss nicht  Entweder wissen ihre Eltern nichts davon, sind überfordert oder schämen sich zu sehr, um ihn zu beantragen. Mit der Kindergrundsicherung blieben ihnen solche Anträge erspart und es würde ihnen mehr Geld für ihre Kinder zur Verfügung stehen als bisher. In dieser Grundsicherung würde auch der bisherige Kinderfreibetrag einfließen.

Gerechtere Verteilung

Gerade beim Kinderfreibetrag sehen Kritiker Handlungsbedarf, denn er bevorteilt besserverdienende Familien. Je mehr man verdient, desto mehr Steuern werden durch den Kinderfreibetrag gespart. Mit einer Kindergrundsicherung sollen die Familien unterstützt werden, die das Geld dringend brauchen. Aber auch die besserverdienenden Eltern bekommen nach wie vor eine Unterstützung.

Wie könnte eine Kindergrundsicherung aussehen?

Es gibt verschiedene Modelle. Die Grünen haben ihr Konzept vorgestellt.  Danach möchten sie für alle Kinder in Deutschland einen Garantiebetrag von 280  pro Monat. Dieser kann dann mit einem variablen und einkommensabhängigen Betrag auf bis zu 503 € pro Kind aufgestockt werden. Die Familienkasse soll hier die Daten der relevanten Behörden verwenden und die Kindergrundsicherung proaktiv berechnen. Alles, was die Eltern nur noch tun müssten, wäre den Antrag nach der Geburt des Kindes stellen.

Das Bündnis Kindergrundsicherung  möchte dagegen noch mehr Geld für das Kind ausgeben und zwar in der Höhe von 628 €. Damit wäre das kindliche Existenzminimum gesichert, das sich aus aus der Höhe des sächlichen Existenzminimums (408 €) und dem Freibetrag für die Betreuung und Erziehung bzw. Ausbildung (BEA) (220 €) zusammensetzt. Damit es gerecht bleibt, soll diese Leistung mit dem Grenzsteuersatz der Eltern verrechnet werden. Auch hier würde man ungefähr auf 300 € Grundbetrag im Monat für jedes Kind kommen.

Kindergrundsicherung: Was sind die Nachteile?

Natürlich kostet so etwas Geld - die Grünen berechnen dafür 10 Milliarden Euro, die der Staat jährlich an Kosten hätte, bei einigen anderen Modellen ist es auch das doppelte. Ziemlich viel, aber die Befürworter sehen darin auch eine Investition für die Zukunft. Davon abgesehen steht es einer reichen Industrienation wie Deutschland nicht gut zu Gesicht, wenn über vier Millionen Kinder von Armut betroffen sind. Laut der Langzeitstudie "Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I der AWO" bleiben über die Hälfte der Kinder auch als Jugendliche und dann Erwachsene arm und können dem Kreislauf nicht entkommen.

Die Kindergrundsicherung ist eine Maßnahme, aber um eine größere Chancengleichheit zu bekommen, muss auch in das Bildungssystem investiert werden, damit die betroffenen Jugendlichen bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt bekommen, um der Armut zu entkommen.

 

Bildquelle: kieferpix/Getty Images

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