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Corona-Konjunkturpaket: So viel springt für Familien, Kitas und Schulen raus

Kinderbonus

Corona-Konjunkturpaket: So viel springt für Familien, Kitas und Schulen raus

Über zwei Tage debattierte die Große Koalition über das Corona-Konjunkturpaket. 120 Milliarden Euro stellt der Bund zur Verfügung, um das Land in der Corona-Krise zu unterstützen. Verhandelt wurden über 57 Punkte, sechs davon betreffen Familien und Kinder. Besonders intensiv wurde u.a. über den geplanten Familienbonus debattiert. Dieser wurde nun beschlossen, doch er hat einen Haken. Diese und weitere Ergebnisse des Konjunkturpakets für Familien im Überblick.

300 € pro Kind: Diese Familien profitieren davon

Im Konjunkturpaket ist vorgesehen, dass jede Familie einen "einmaligen Kinderbonus pro Kind für jedes kindergeldberechtigtes Kind" bekommt. Das heißt, ihr bekommt diesen nur, wenn ihr auch Kindergeld beantragt habt und dieses von der Familienkasse bewährt wurde. Der Bonus soll zusammen mit dem Kindergeld in den kommenden Monaten ausgezahlt werden. Der Haken daran: Er muss versteuert werden. In der jährlichen Einkommensteuererklärung muss dieses Geld also auftauchen und es wird mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag ähnlich wie das Kindergeld verrechnet. Doch es heißt weiter, dass er nicht auf die Grundsicherung angerechnet wird. Alle Familien, die Hartz IV erhalten, bekommen die 300 € pro Kind also zusätzlich und können über diesen Betrag frei verfügen.

Im Prinzip eine gute Sache für Familien mit geringem Einkommen, denkt ihr? Doch Sozialverbände kritisieren diese Einmalzahlung. Denn wer mehrere Kinder hat und Geringverdiener oder Alleinerziehender ist, weiß, welche monatlichen Kosten auf einen zukommen. Diesen Eltern würde eine schnelle gesamte Öffnung der Kitas und Schulen eher helfen, um wieder ihrer Arbeit nachgehen zu können. VdK-Präsidentin Verena Bentele befürchtet, dass dieser Bonus "wie ein Strohfeuer verbrennen wird".

Wenn der Kinderbonus im Sparschwein oder im Aktienfonds landet, verpufft der Konjunkturimpuls. Und wer echte finanzielle Sorgen hat, dem helfen 300 Euro gar nichts.

Verena Bentele, Vorsitzende VdK, Rheinische Post

Finanzielle Spritze für Kita- und Krippenausbau

Ein weiterer wichtiger Punkt im Konjunkturpaket ist die Bereitstellung von einer Milliarde Euro für "Kindergärten, Kitas und Krippen". Damit soll der Um- und Neubau gefördert und die Hygienesituation verbessert werden. Auch das ist an sich ein gutes Zeichen, doch liegt die Problematik oft ja nicht nur an den fehlenden Betreuungseinrichtungen, sondern auch am mangelnden Kitapersonal. Ob es hier auch Investitionen geben wird, steht nicht im Papier des Bundesfinanzministeriums.

Ausbau von Ganztagsschulen und -betreuung

Auch für Schulen soll es weitere Investitionen geben. Doch etwas Konkretes wird hier nicht genannt. Die Länder würden ihre Investitionsmittel für Digitalisierung in den kommenden Jahren zusätzlich erhalten, heißt es. Allgemein soll das digitale Lernen damit gefördert werden. Dass es enormen Nachholbedarf in Sachen digitale Schule gibt, ist wohl endlich deutlich geworden.

Alle Schulen müssen in die Lage versetzt werden, Präsenzunterricht in der Schule und E-Learning zu Hause miteinander zu verbinden.

Konjunkturpaket, Punkt 28, Bundesfinanzministerium.de

Das klingt jetzt so, dass Schule in Zukunft nicht mehr so stattfinden wird wie bisher. Sondern wir Eltern immer auch beteiligt sein werden am Homeschooling bzw. E-Learning? Es bleibt offen, wie man sich das zukünftig vorzustellen hat. Es klingt nach einer weiteren Doppelbelastung für Eltern.

Entlastung für Alleinerziehende

Jeder bzw. jede Alleinerziehende hat für ein Kind bisher einen Entlastungsbetrag bzw. Freibetrag von 1.908 €, der nicht versteuert werden muss (Steuerfreibetrag). Dieser wird angesichts der aktuellen extremen Belastung von Eltern, die ihre Kinder allein betreuen mussten, auf 4000 € erhöht. Er gilt für das Jahr 2020 und 2021. Dies hilft alleinerziehenden Eltern sicherlich finanziell ein wenig, doch die Betreuungsfrage ihrer Kinder, die nur teilweise in Schule bzw. Kita gehen können, klärt es leider nicht.

Wer sich für die weiteren Punkte des Konjunkturpakets interessiert, kann den gesamten Beschluss beim Bundesfinanzministerium nachlesen.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Tropfen auf den heißen Stein

Dass es eine finanzielle Unterstützung für Familien geben wird, ist gut. Auch der Ausbau der Betreuungsangebote und die Investition in Digitales Lernen ist sehr wichtig und ein guter Schritt. Doch insgesamt ist das Ergebnis des großen Konjunkturpakets für Familien eher ernüchternd. Ich gebe Frau Bentele vom VdK recht, dass der Kinderbonus zwar eine nette Unterstützung ist, vor allem für kinderreiche geringverdienende Familien. Doch würde es mehr helfen, wenn wir wüssten, dass die Situationen der Kitas und Schulen sich verbessert und unsere Kinder jetzt alle bald wieder halbwegs regelmäßig betreut werden. Man hat nicht das Gefühl, dass die Lage von Familien so wirklich wahrgenommen wird bzw. verstanden wird, was im Alltag fehlt.

Bildquelle: Getty Images/Morsa Images

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