Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Endlich! Der Sudan schafft die weibliche Genital­verstümmelung ab

Endlich! Der Sudan schafft die weibliche Genital­verstümmelung ab

Wichtiges Zeichen

Der 7. Mai gilt als weltweiter Aktionstag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Endlich gibt es in dieser Sache eine positive Nachricht zu vermelden: Der Sudan ist kurz davor, die Genitalverstümmelung von Frauen und Kindern unter Strafe zu stellen. Doch die sudanesischen Frauen jubeln noch leise, denn über FGM, wie man die grausame Praxis auch nennt, darf nicht öffentlich geredet werden.

87 % der Frauen im Sudan sind genital verstümmelt

Bei der traditionellen genitalen Verstümmelung werden junge Frauen und kleine Mädchen ohne Betäubung gewaltsam an ihren Genitalorganen beschnitten, damit sie keine sexuelle Lust empfinden können. Die Praxis soll den Übergangsritus zur Weiblichkeit darstellen und wird häufig auch weiterhin aus religiösen Gründen durchgeführt. Die Familien erhalten für ihre beschnittenen Töchter oft einen höheren Brautpreis bei der Verheiratung. Hauptsächlich durchgeführt wird sie in Nordost-, Ost- und Westafrika sowie im Nahen Osten, kommt durch die Migration jedoch auch in Europa, den USA, Australien und Kanada vor.

Im Sudan sind laut UN 87 % aller Frauen zwischen 14 und 49 Jahren verstümmelt. Es kommt auch zu brutalen Beschneidungen von Säuglingen oder kleinen Mädchen. Am häufigsten kommt es laut Desert Flower Foundation dabei zum Ausschneiden der Klitoris-Vorhaut, der Klitoris bzw. der inneren Schamlippen oder Teilen davon. Durchgeführt wird die Verstümmelung von älteren Frauen mit einer Rasierklinge oder stumpfem Messer, oft ohne Betäubung. Nicht selten kommt es zu schweren Blutungen, Entzündungen oder Blutvergiftungen, die tödlich enden. Neben den jahrelangen physischen Schmerzen des brutalen Eingriffs leiden die Mädchen an einem psychischen Trauma und dem Verlust jeglicher sexuellen Empfindung. Nicht selten werden sie unfruchtbar oder haben bei der Geburt ihres Kindes starke Schmerzen.

Können die sudanesischen Frauen aufatmen?

Obwohl der Eingriff in vielen afrikanischen Ländern bereits verboten ist, wird er vielerorts leider als religiöser Ritus immer noch als notwendig erachtet. Der sudanesische Minister für Religion, Nasr al-Din Mufre erklärte jedoch, der Islam hätte keine Rechtfertigung für die Verstümmelung und unterstützt eine Kampagne, die diese Praxis bis 2030 weltweit verbieten will. Mittlerweile haben sechs von achtzehn Bundesstaaten im Sudan die FGM verboten. Durch die vermehrten Proteste vieler Organisationen und der sudanesischen Frauen konnte eine Regierung gestürzt werden, die sich dagegen wehrte die Verstümmelung zu verbieten. Nun soll ein Gesetz angenommen werden, dass die Beschneidung mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestrafen soll.

Dieses Gesetz wird Mädchen vor einer barbarischen Praxis schützen und gibt ihnen die Chance, in Würde zu leben. (...) Es hilft Müttern, die ihre Töchter davor schützen wollen, aber keine Wahl hatten, jetzt Nein sagen zu können

Salma Ismail, Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks Unicef im Sudan

Leider wird man auf den Straßen Sudans keine jubelnden Frauen antreffen, denn niemand spricht über die Genitalverstümmelung und das Gesetz wurde noch nicht verabschiedet. Zudem warnen Aktivistinnen, dass die Strafbarkeit ein wichtiger Schritt sei und abschrecke, doch auch umgesetzt werden müsse. Wer aus Religion oder Tradition davon überzeugt sei, werde die Praxis wohl noch weiter durchführen.

Die unabhängige Stiftung Desert Flower Foundation, gegründet von der selbst betroffenen Autorin Waris Dirie, setzt sich dafür ein, über die weltweite Praxis der grausamen Genitalverstümmelung zu informieren, kämpft für ein weltweites Verbot und unterstützt betroffenen Frauen. Auf der desertflowerfoundation.org könnt ihr euch über die Arbeit informieren und spenden.

Mulan, Rosa Parks, Malala Yousafzai und Simone de Beauvoir – was weißt du über starke Frauen aus der Geschichte?
Mulan, Rosa Parks, Malala Yousafzai und Simone de Beauvoir – was weißt du über starke Frauen aus der Geschichte?
Quiz starten

Unfassbar grausam

Es ist unglaublich, dass diese furchtbare Praxis aus Tradition oder Religion immer noch durchgeführt wird. Man kann sich gar nicht vorstellen, was Kinder und junge Frauen dabei erleiden müssen. Und das nicht nur in afrikanischen Ländern, sondern auch in Europa. Die Dunkelziffer der Betroffenen auch in Deutschland ist enorm hoch. Auch wenn die Genitalverstümmelung bei uns unter Strafe gestellt ist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter verschlossenen Türen durchgeführt wird. Daher ist es so wichtig, dass an so einem Aktionstag wie heute darüber gesprochen wird und sich Organisationen dafür einsetzen, den Frauen zu helfen und das Problem sichtbar zu machen, das vertuscht und verschwiegen wird.

Bildquelle: Getty Images/Freier Fotograf
Galerien
Lies auch
Teste dich