Shell Studie 2019: Trotz Umweltängsten positiv in die Zukunft

So denken die Kids

Shell Studie 2019: Trotz Umweltängsten positiv in die Zukunft

Die Shell Studie 2019 gibt wieder Einblicke in die Wünsche, Ängste und Ansichten unserer Kinder. Dabei fürchtet sich die Mehrheit vor Umweltschäden und sucht Geborgenheit bei Familie und Freunden.

Von wegen die Jugend von heute interessiert sich nur noch für Instagram und Selfies. Die Shell Studie 2019  kommt da zu einem ganz anderen Ergebnis: unsere Kinder sind engagiert, interessiert und leider auch verängstigt. Sie nehmen Anteil an dem, was an Positivem, aber leider auch an Negativem um sie herum passiert und würden sich wünschen, dass die Erwachsenen, insbesondere die Politiker, sich mehr für ihre Bedürfnisse interessieren und einsetzten.

Die Ergebnisse der Shell Studie 2019

Ganz oben auf der Agenda der Jugendlichen steht die Umweltzerstörung – sie macht den jungen Menschen richtig Angst. Die Jugendlichen nutzen die Fridays for Future-Bewegung also tatsächlich nicht nur, um Blau zu machen (wie viele Hater ihnen unterstellen), sondern sind wirklich besorgt um den Zustand unseres Planeten.
Des Weiteren versucht unser Nachwuchs sich lauter und deutlicher zu Wort zu melden – auch oder besonders gegenüber der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Man will sich nichts mehr gefallen und vorsagen lassen, sondern selbst aktiv mitbestimmen. Trotz der Umweltmisere schauen die Kinder 2019 immer noch eher positiv in die Zukunft und sind zufrieden mit unserer Demokratie. Was uns besonders freut zu hören: Die Jugendlichen sind laut der Shell Studie 2019 überwiegend tolerant und gesellschaftlich liberal.

Die Shell Studie 2019 im Detail

Bei der Shell Studie wird untersucht, wie Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren in Deutschland aufwachsen, wie sie sich fühlen, was sie interessiert, wovor sie sich fürchten und was sie sich wünschen. Dabei geht es um die Bereiche Schule & Beruf, Familie & Freunde, Digitalisierung & Freizeit, aber auch Politik, Gesellschaft, Religion und Umwelt.

Interesse an Politik

Das Interesse der Jugendlichen ist seit dem Jahr 2000 stark gestiegen und ist laut der Shell Studie 2019 auch weiterhin vorhanden. Besonders Mädchen wollen sich vermehrt politisch engagieren. Allerdings kommt die Gruppe der politisch Interessieren überwiegend aus einer höher gebildeten Gesellschaftsschicht.

Ängste und Sorgen

Die Ängste der Jugendlichen werden von aktuellen Themen bestimmt: Umweltbedrohung und Migration. Ersteres treibt besonders die höher Gebildeten um, während die Angst vor Zuwanderung tendenziell eher die niedriger Gebildeten zu finden ist.

Zuversicht und Gerechtigkeit

Die Jugendlichen lassen sich durch die heutigen Probleme aber nicht die Lust auf ihre Zukunft nehmen. Mehr als die Hälfte der Befragten blickt positiv in sein zukünftiges Leben. Auch finden 59%, dass es in Deutschland insgesamt gerecht zugeht. Das betrifft Ost und West gleichermaßen.

Europäische Union

EU? Sehr gerne. Nur 8 % der Jugendlichen sehen die EU als etwas Negatives, während 50 % sie als positiv bewerten und der Staatengemeinschaft Vertrauen schenken. Besonders gut an der EU finden die Befragten die Freizügigkeit, kulturelle Vielfalt und den Frieden.

Populismus

Rechtspopulistische Gedanken machen auch vor unserer Jugend nicht halt. So stimmen mehr als zwei Drittel der Aussage zu, dass man nichts Negatives über Ausländer sagen darf, ohne als Rassist zu gelten. Hier zeigt sich leider auch, dass die die Weltoffenheit bei den Jugendlichen von West nach Ost und mit absteigendem Bildungsgrad abnimmt.

Vielfalt und Toleranz

Da freuen die Antworten zu den Themen Vielfalt und Toleranz umso mehr. Egal ob Minderheiten oder verschiedene gesellschaftlichen Gruppen, die Ablehnung lag bei allen Antworten immer unter 20 %.

Zufriedenheit mit der Demokratie, Politikverdrossenheit und Vertrauen in Institutionen

Die aktuelle Shell Studie zeigt, dass die Jugendlichen zwar mit der Demokratie zufrieden sind, aber keineswegs mit den Politikern. Zwei Drittel ist verdrossen, dass sich die Politik nicht für ihre Belange interessiert bzw. sich darum wirklich kümmert.
Und wem vertrauen unsere Kinder? Der Polizei, dem Bundesverfassungsgericht und Umweltschutzgruppen. Wesentlich weniger Vertrauen bringen sie hingegen großen Unternehmen, Kirchen, Parteien und Banken entgegen.

Wertorientierungen

Bei der Werteorientierung geben die Jugendlichen mit überwältigender Mehrheit Antworten, die uns als familie-Redaktion besonders freuen: Familie, Freunde und Partnerschaft sind nämlich schwer angesagt. An Bedeutung verloren, gegenüber den Shell Studien in den letzten Jahren, haben der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard und das Durchsetzen eigener Interessen. Viel mehr stehen idealistische, sinnstiftende Werte bei unseren Kindern hoch im Kurs.

Eltern und Familie

Wie die Werteorientierung ja schon angedeutet hat, sind die Befragten recht familienorientiert. Die Jugendlichen geben an ein überwiegend gutes Verhältnis zu ihren Eltern zu haben und sehen ihre Eltern mehrheitlich sogar als Erziehungsvorbilder. Auch der Wunsch nach eigenen Kindern ist vorhanden. Leider ist das stellenweise mit der Rückkehr zu alten Familienmodellen verbunden:Besonders die Befragten aus Westdeutschland sehnen sich nach traditionellen Rollenbildern, mit dem Mann als Haupt- oder Alleinverdiener.

Religion

Und nun zur Gretchenfrage. Die Mehrheit gehört einer Religionsgemeinschaft an. Die christlichen Konfessionen haben dabei seit der Shell Studie 2002 stetig an jungen Mitgliedern verloren, während der Islam und andere nicht-christliche Religionen dazugewonnen haben. Der Anteil der Nicht-Religiösen ist gleich geblieben.

Schule und Abschluss

Unser Kinder wollen weiterkommen und etwas erreichen, zumindest legt das der Trend nach höheren Bildungsabschlüssen nahe. Am populärsten ist nach wie vor das Gymnasium und wird von weiblichen Studienteilnehmern sogar mehrheitlich besucht. Immer mehr Jugendliche streben Abitur und eine akademische Bildung an.

Was genau ist die Shell Studie?

Das Unternehmen die Deutsche Shell finanziert die Shell Jugendstudie seit 1953. 2019 wurde die Shell Studie von Prof. Dr. Mathias Albert (Leitung, Universität Bielefeld), Prof. Dr. Gudrun Quenzel (Universität Vorarlberg), Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance), sowie einem Expertenteam des Münchner Forschungsinstituts Kantar um Ulrich Schneekloth verfasst.
Die 18. Shell Jugendstudie stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.572 Jugendlichen im Alter von zwölf bis 25 Jahren, die von Interviewern zu ihrer Lebenssituation und ihren Einstellungen und Orientierungen persönlich befragt wurden. Die Erhebung fand auf Grundlage eines standardisierten Fragebogens im Zeitraum von Anfang Januar bis Mitte März 2019 statt. Im Rahmen der qualitativen Studie wurden zwei- bis dreistündige Interviews mit 20 Jugendlichen dieser Altersgruppe durchgeführt.

Mehr zur Shell Studie 2019

Die Studie ist im Beltz-Verlag erschienen und als Taschenbuch für 24,95 €* bzw. als E-Book für 22,99 € erhältlich. Der Podcast zur Shell Jugendstudie #dieseJugend ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar.

Quelle:
www.shell.de/jugendstudie

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