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"Hör auf zu heulen!" 11 Sätze, die wir Eltern nicht mehr sagen sollten (und die Alternativen)

Wir schaffen das

"Hör auf zu heulen!" 11 Sätze, die wir Eltern nicht mehr sagen sollten (und die Alternativen)

Es gibt so Sätze, die sagen wir Eltern immer wieder. Und sind oft genug schon genervt von uns selbst. Eigentlich wollen wir ja gar nicht so mit unseren Kindern sprechen, wollen lieber zugewandt und freundlich sein, offen und aufmerksam. Aber all der Alltagsstress und die manchmal ermüdenden Diskussionen sorgen dafür, dass wir doch immer wieder auf die gleichen Phrasen zurückgreifen. Das tut weder uns, noch unseren Kindern gut.

Oft werten wir unseren Nachwuchs mit unseren Aussagen ab, was dann für schlechte Stimmung und ein schlechtes Selbstwertgefühl bei unseren Kindern sorgt. Weil wir aber mit unseren Kindern wachsen, können wir auch eingefahrene Kommunikationsmuster überarbeiten und so achtsamer miteinander umgehen. Hier kommen die häufigsten Sätze, die wir Eltern vermeiden sollten und Alternativen, die uns allen ein besseres Gefühl geben:

"Trödel nicht so"/ "Beeile dich bitte!" oder "Wir kommen wegen dir noch zu spät!"

Besser: "Wir brauchen Jaguar-Geschwindigkeit heute morgen!"

Unser Leben ist stressig. Wir haben oft Zeitdruck, weil wir pünktlich irgendwo sein müssen. Das beginnt bei der Übergabe in Kita und Schule, zieht sich allzu oft aber auch ins Private. Also treiben wir auch die Kinder, die kein Konzept von Zeit haben, zur Eile an. Das sorgt für schlechte Stimmung. Um die gar nicht erst aufkommen zu lassen, könnt ihr euch verschiedene Zeitzonen (Windhund, Löwe ... was immer eure Kinder kennen) überlegen. So erreicht ihr, dass euer Nachwuchs sich beeilt, sprecht das aber in positiver Art an. Und denkt dran, wir alle brauchen manchmal auch das Schneckentempo.

"Ich habs doch schon fünf Mal gesagt, mach es jetzt endlich!"

Besser: "Soll ich dir helfen oder schaffst du es allein?"

Wir wollen, dass alles wie am Schnürchen klappt. Aber unsere Kinder sind keine Maschine. Sie sind so offen und neugierig, dass sie immer wieder vom eigentlichen Weg abkommen, weil es noch sooo viele andere spannende Dinge gibt. Da ständig zu Ermahnen führt zu Frust auf beiden Seiten. Wir wollen, dass eine Aufgabe erledigt wird, unsere Kinder wollen nicht ständig neu angemeckert werden. Sie haben im Spiel die Aufgabe schon wieder vergessen. Hilfe anbieten verschafft zunächst Aufmerksamkeit, unser Nachwuchs wird sich eingehender mit der Bitte beschäftigten. Und durch das Hilfsangebot steht die Option offen, sie auch anzunehmen. Oder, wie es öfter der Fall sein wird, es alleinzutun. Weil die Kinder merken, dass wir ihnen das schon zutrauen.

"Pass doch auf!"

Besser: "Woran musst du denken?"

Wie oft habt ihr als Kind selbst diese Warnung gehört, ihr sollt aufpassen, dass ihr euch nicht schmutzig macht / nichts fallen lasst / nichts kaputt geht ... Habt ihr immer zugehört? Vermutlich nicht. Weil die immer gleiche Warnung dafür sorgt, dass wir nicht mehr richtig hinhören. Und weil es für Kinder 50 Gründe geben kann, warum sie auf etwas achten sollen. Wenn wir unsere Kinder fragen, woran sie in dieser bestimmten Situation denken müssen, ohne die Antwort vorwegzunehmen, dann müssen sie nachdenken, was passieren könnte oder was sie aus der Erfahrung bereits gelernt haben. Sie werden selbst aktiv.

"Wir gehen jetzt los!" / "Wir müssen jetzt losgehen"

Besser: "Sollen wir jetzt losgehen oder in drei Minuten?"

Einer der Klassiker, ihr warnt euren Nachwuchs, dass der Spielplatz in fünf Minuten verlassen wird. Eurer Kind stimmt zu und wenn es soweit ist, ist das Geschrei trotzdem groß. Eine frustrierende Situation für beide Seiten. Das liegt auch daran, dass wir in dieser Situation die Bestimmer sind. Wir sagen, wann es Zeit zu gehen ist. In dem wir die Aufforderung zu gehen in eine Frage umwandeln, geben wir unserem Nachwuchs die Möglichkeit mitzuentscheiden. Dieses Einbeziehen sorgt für größere Kooperation.

"Hör auf zu heulen!"

Besser: "Ich kann dich nicht verstehen. Atme tief durch und erzähle mir, was los ist!"

Wenn unser Nachwuchs weint, weil irgendwas nicht so läuft wie geplant, dann kann das manchmal ganz schön an unseren Nerven zehren. Und wenn die Kinder dann noch, unter Tränen und Meckern mit uns sprechen, dann sind wir auch schon mal ordentlich genervt. Wegen der Situation oder weil wir einfach überhaupt nichts verstehen. Ein Hör auf zu heulen" macht in dem Moment aber überhaupt nichts besser. Wir hören ja auch nicht auf damit, nur weil uns das jemand befiehlt. Viel besser ist es, die Situation wahrzunehmen und für das Kind auch so zu kommunizieren. Mit dem Hinweis, tief durchzuatmen, verschaffen wir unseren Kinder eine Möglichkeit sich zu sammeln. Und weil das Elternleben eh oft stressig ist, können wir gleich mitatmen und etwas für unsere Achtsamkeit in der Familie tun.

Gefühle - So geht es mir!

Gefühle - So geht es mir!

"Niemand kann dich leiden, wenn du so bist, wie du gerade bist!"

Besser: "Ich habe dich immer lieb, egal was ist."

Kinder brauchen bedingungslose Liebe. Sie müssen wissen, egal was ist, meine Eltern sind für mich da, die kümmern sich, die stehen hinter mir. Es darf davon keine Ausnahme geben. Natürlich sind wir vom Verhalten unserer Kinder oft schwer genervt und fühlen in dem Moment vielleicht auch nicht mehr ganz so viel Liebe für sie. Aber das sollten wir ihnen niemals sagen. Stattdessen sollten wir betonen, dass wir immer da sind, uns aber trotzdem ärgern, wenn sie ihre Schwester hauen oder dem Freund das Spielzeug klauen.

"Nein, das kaufe ich dir nicht!" / "Das brauchst du nicht"

Besser: "Lass uns das auf deinen Wunschzettel schreiben."

Kinder haben ganz viele Wünsche. Und natürlich können wir nicht alle davon erfüllen. Das muss auch gar nicht sein, denn unser Nachwuchs sollte auch lernen, dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt wird. Unseren Kindern zu vermitteln, dass sie aus unseren Augen etwas nicht brauchen, ist aber ziemlich bevormundend. Auch wir Eltern wünschen uns doch manchmal irrationale Dinge. Das Angebot, das Objekt der Begierde auf einen Wunschzettel zu schreiben, ist zum einen kein hartes Nein von eurer Seite. Zum anderen lernen unsere Kinder auch, dass sie auf Dinge warten müssen (und dass ganz viele Wünsche plötzlich gar nicht mehr so wichtig sind).

"Hör auf damit! Lass das!"

Besser: Ich bitte dich darum...(dieses oder jenes zu tun oder zu lassen).

Wir alle reagieren sehr viel zugewandter auf Bitten, als auf Ansagen. Da geht es unseren Kindern genau wie uns. Wenn wir erklären, warum unser Nachwuchs dieses oder jenes Verhalten bitte unterlassen sollte, dann hilft es, wenn wir darum bitten. Damit werden wir nicht zum Bittsteller unser Kinder, sondern lassen unserem Kind seine Würde. Gleichzeitig senden wir Ich-Botschaften, die dafür sorgen, dass unsere Kinder offener für Ansagen werden. Immerhin stehen ja vermeintlich nicht sie im Fokus, sondern wir Eltern.

"Ich mach das schon, dann geht es schneller"

Besser: "Ich warte auf dich, bist du fertig bist."

Wir Eltern wollen, dass Dinge sofort erledigt werden. Weil wir genau wissen, wie viel noch auf unserer To Do Liste steht. Und weil wir ja eine Ansage gemacht haben, dass das Aufräumen bitte jetzt sofort erfolgen muss. Wenn unser Nachwuchs dann nicht mit macht, sind wir genervt, treiben unsere Kinder zur Eile an und nehmen ihnen dann Zähne knirschend doch die Aufgabe ab. Ein entspannteres Familienumfeld schaffen wir aber, wenn wir unseren Kindern Zeit einräumen, die Dinge allein zu tun. Wir setzen uns also daneben und erklären, dass wir auch zwei oder fünf Minuten warten können, bis das (gemeinsame) Aufräumen beginnt. Ganz ohne Druck. Denn oft müssen Kinder sich erst von einem Spiel lösen, bevor sie bereit sind, Aufgaben zu erledigen.

"Du bist dafür zu klein / zu jung!"

Besser: "Ich mache mir noch große Sorgen um dich."

Kinder finden immer, dass sie schon alt genug für jede Menge Abenteuer sind. Während wir uns Sorgen machen, dass sie sich verletzen könnten oder sich selbst überschätzen. Und das können wir ihnen genauso auch mitteilen. Aus der Du- wird eine Ich-Botschaft, mit der unsere Kinder sehr viel besser umgehen können. Sie denken vermutlich immer noch, dass sie sie Allergrößten sind und nichts auf der Welt sie stoppen kann. Aber weil Mama oder Papa sich große Sorgen machen, bestehen sie weniger auf jede gefährliche Situation.

"Kein Grund jetzt sauer zu sein / zu weinen / zu motzen!"

Besser: "Wie fühlst du dich gerade?"

Wir alle sollten viel mehr über unsere Gefühle sprechen. Es ist wichtig auszudrücken, was einen gerade bewegt. Genau das sollten wir mit unseren Kindern trainieren, statt ihnen die eigenen Gefühle zu verbieten. Wir finden den Grund für das Weinen vielleicht gerade winzig und die Tränen ungerechtfertigt. Aber es sind nicht unsere Gefühle, die da verletzt wurden, sondern die unserer Kinder. Wir wissen auch nicht, was den ganzen Tag über schon passiert ist. Niemand kann nachempfinden, wie es jemand anderem geht. Wenn wir unsere Kinder immer wieder auffordern, ihre Gefühle zu benennen, schaffen wir eine wichtige Grundlage fürs weitere Leben. Denn Menschen, die ihre eigenen Gefühle gut benennen können, können sich auch besser in andere hineinversetzen. Wir stärken so die Empathie in unseren Kindern.

Weitere 10 Sätze, die besser nicht verwenden sollten, findest du hier.

Tokophobie, oder was?! 21 skurrile Ängste, die fast alle Eltern kennen
Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Bei uns ist der Hinweis, dass wir uns immer lieb haben ganz wichtig. Meine Kinder haben das mittlerweile auch für sich übernommen, auch im Streit und bei Gemotze sagen sie oft unvermittelt: "Mama, ich hab dich lieb, auch wenn wir gerade streiten." Das tut gut zu hören, denn gerade in solchen, für alle Beteiligten doofen Situationen, kann man sich schon mal ganz schön allein und ungeliebt fühlen.

Das Wissen, dass meinen Kindern klar ist, dass kein Streit uns auseinanderbringen kann, und dass Meinungsverschiedenheiten in Ordnung sind, das hilft mir oft dabei, die wirklich stressigen Zeiten als Dreifachmama durchzustehen.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / evgenyatamanenko

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