Internetsucht: Wenn das Smartphone zur Droge wird

Mach doch mal das Ding aus!

Internetsucht: Wenn das Smartphone zur Droge wird

Das Handy ist heutzutage bei den meisten Menschen in Dauerbetrieb. Ist ja auch enorm praktisch! Doch beim ständigen Blick auf das Smartphone besteht auch Suchtgefahr. Wir klären auf.

Etwa drei Stunden am Tag schauen Kinder- und Jugendliche auf ihr Smartphone. Wo beginnt die Internetsucht?

Ob WhatsApp, Instagram, die Nachrichten-App unseres Vertrauens oder einfach nur ein kleines Spiel zum Entspannen: Egal wo wir sind, ständig wandert unser Blick aufs Smartphone. In der Bahn, im Wartezimmer, zuhause auf der Couch oder im Café. Mittlerweile ist es einfach Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens geworden und haben wir es einmal zuhause vergessen, werden wir so nervös, als hätten wir den Schlüssel liegen lassen. Und ist das Handy mal nicht in Reichweite, läuft zumeist immerhin das Tablet oder der Laptop. Vor allem für den Nachwuchs geht es gar nicht mehr ohne: Schließlich werden die Themen, die auf dem Schulhof besprochen werden, maßgeblich von sozialen Medien bestimmt und alle Absprachen online getätigt.

Generation Smartphone

Jedes Jahr befragt der "Medienpädagogische Forschungsverband Südwest" für die sogenannte JIM-Studie 1.200 Teenager in Deutschland zu ihrem Medienverhalten. Das zentrale Ergebnis für 2018: Praktisch alle Teenager in Deutschland (97 %) besitzen ein Smartphone. Kein Wunder, schließlich sind sie heutzutage eine Art Alltagsassistent: sie sind Wecker, Terminkalender, Busplan, Tagebuch, Mittel zur Selbstverwirklichung und Kommunikationsmittel Nummer 1. Jugendliche, die mit dem Internet als etwas Selbstverständliches aufgewachsen sind, organisieren damit ihren kompletten Alltag. Eine gewisse Abhängigkeit zum Smartphone ist da nur die logische Konsequenz. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK nutzen Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren rund 3 Stunden am Tag ihr Smartphone. Bei so intensiven Nutzungszeiten kommt die Frage nach dem Suchtpotenzial auf: Ab wann läuft ein Mensch Gefahr, ein ernsthaftes Internetsuchtproblem zu entwickeln?

Internet: Leidenschaft oder Sucht?

Auch eine exzessive Nutzung des Smartphones darf nicht von vornherein mit einer ernsthaften Sucht gleichgesetzt werden. Oft ist die intensive Nutzung und eine emotionale Bindung zu dem Smartphone nur eine vorübergehende Phase. Schließlich bedeutet ein eigenes Handy für Jugendliche auch ein Stück Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Es ist ein sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zu ihrer Altersgruppe. Auffällig heißt nicht krankhaft, aber Jugendliche, die dauerhaft an ihrem Smartphone, Tablet oder Laptop kleben, sind durchaus gefährdet, in eine Sucht abzurutschen. Woran können Eltern also erkennen, dass ihr Kind suchtgefährdet ist? Ein paar eindeutige Hinweise gibt es.

Anzeichen für eine Internetsucht:

  • Die Nutzung des Internets ist nicht mehr kontrollierbar. Die Zeit gerät aus dem Blick und Termine werden vergessen.
  • Kein Interesse mehr an anderen Lebensbereichen: Hobbys oder Freundschaften werden vergessen oder gar aufgegeben, um mehr Zeit im Netz zu verbringen.
  • Obwohl Probleme wie Streit mit Freunden oder Familie, Schlafmangel und Konzentrationsschwierigkeiten aufgrund der ständigen Internetpräsenz entstehen, wird an der exzessiven Nutzung festgehalten.
  • Unruhe, Aggression und Stress, wenn es keine Möglichkeit gibt, online zu gehen.
  • Lügen bezüglich der tatsächlichen Nutzungsdauer.

Wenn Menschen eine Internetsucht entwickeln, dann liegen meist jedoch auch vorherige Probleme vor, eine Sucht entwickelt sich selten aus dem Nichts. Bei den meisten Suchtkranken ist das Belohnungszentrum im Gehirn gestört. Auch haben Patienten oft traumatische Erlebnisse erlebt und allgemein Probleme mit einem gesunden Sozialverhalten: Sie kämpfen mit einem gestörten Selbstwertgefühl oder leiden unter Depressionen. Es müssen also mehrere Faktoren zusammenkommen, bis sich aus einer intensiven Mediennutzung wirklich eine krankhafte Sucht entwickelt.

Internetsucht ist keine offizielle Krankheit

Das Problem, wenn eine Internetsucht festgestellt wird: Obwohl Smartphones und das Internet durchaus Suchtpotenziale haben, ist die Internetsucht noch keine offiziell anerkannte Krankheit. Und das bedeutet, dass es gar nicht so leicht ist, Therapiemöglichkeiten zu finden. Ein Teufelskreis: Ohne eine offizielle Anerkennung der Krankheit, können Therapiezentren nicht finanziert und damit Patienten nicht behandelt werden. Dennoch ist es möglich, einen Psychologen aufzusuchen.

Doch meist fällt es schon schwer, mit Tochter oder Sohn über das Problem zu sprechen. Suchtkranke neigen dazu, ihre Probleme zu verneinen, zu verharmlosen oder gar aggressiv auf das Thema zu reagieren. Hilfe und Beratung findet ihr bei der kostenlosen Hotline von Internetsucht e. V. unter 0800 152 9529.

Nochmals sei erwähnt: Dass Jugendliche das Internet intensiv nutzen, ist durchaus normal und für die heutige Generation ein wichtiger Teil der Pubertät. Erst wenn Schule, Freunde oder auch der Sportverein wegen des Internets vernachlässigt werden, die Nutzungszeiten immer länger werden und Kinder trotz negativer Konsequenzen vom Handy oder Laptop keinen Abstand nehmen können, kann eine ernsthafte psychische Störung vorliegen. Zieht also zunächst keine voreiligen Schlüsse und macht euch selbst keine Angst. Auch für euch ist das Smartphone zu einem treuen Lebensbegleiter geworden, aber eben auch nicht mehr.

Internetsucht rechtzeitig vorbeugen: Das könnt ihr tun

Seid ihr gute Vorbilder? Damit sich eine so starke Abhängigkeit zum Internet und zum Smartphone erst gar nicht entwickelt, seid ihr als Eltern gefragt. Denn wie das Internet genutzt wird, ist auch eine Frage der Erziehung. Und da müsst ihr euch selbst an die Nase fassen und das eigene Nutzungsverhalten einmal kritisch hinterfragen. Seid ihr vielleicht selbst dauerhaft mit eurem Smartphone, Tablet oder Rechner beschäftigt? Na klar, es sind Dauerbegleiter und oft greifen wir ganz unbewusst danach, aber ihr könnt eurem Kind deutlich machen, dass kein Mensch dauerhaft erreichbar sein muss und sollte.

Vereinbart handyfreie Zeiten: Während des Essens, im Bett und nach 22 Uhr solltet ihr in der Regel keine Zeit mehr am Smartphone oder Computer verbringen. Am besten, ihr haltet eure Regeln schriftlich fest und pinnt sie an euren Kühlschrank, damit ihr alle immer wieder daran erinnert werdet.

Bietet eurem Kind neue Freizeitmöglichkeiten und gemeinsame Aktivitäten an. So entsteht keine Langeweile, die oft den automatischen Griff zum Smartphone der Laptop mit sich führt.

Verbietet euren Kindern das Smartphone nicht. Verbote machen erst recht neugierig und stiften zu gegenteiligem Verhalten an, außerdem ist das Handy im Leben von Kindern und Jugendlichen heute enorm wichtig. Mehr über das Thema Handyverbote erfahrt ihr hier.

Quellen:

DAK
JIM-Studie

Bildquelle:

Getty Images,Thinkstock

Galerien

Lies auch

Teste dich