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Interpol warnt: Corona könnte Dunkelziffer bei sexualisierter Gewalt erhöht haben

Interpol warnt: Corona könnte Dunkelziffer bei sexualisierter Gewalt erhöht haben

Schwer aushaltbar

Sexualisierte Gewalt ist leider nichts, was nur während einer Pandemie auftritt. Und doch warnt Interpol, die internationale Polizeiorganisation, dass gerade in den letzten Monaten die Straftaten in diesem Bereich gestiegen sein könnten. Genau lässt sich das nicht bestimmen, denn die Dunkelziffer könnte wegen der verschiedenen Corona-Maßnahmen besonders hoch sein. 

Rückgang der Fallzahlen

Es klingt zunächst paradox. Interpol vermeldet, dass in der Corona-Pandemie weniger Fälle von (sexualisierter) Gewalt gegen Kinder gemeldet wurden als im Durchschnitt. Klingt nach einem Rückgang, über den wir uns freuen sollten. Aber das stimmt so leider nicht. Denn die niedrigen gemeldeten Fallzahlen könnten, so vermutet auch die internationale Polizeiorganisation, darauf zurückzuführen sein, dass Opfer weniger Unterstützung bekommen hätten.

Weniger Unterstützung für die Opfer

Durch Schul- und Kitaschließungen sowie Kontaktbeschränkungen, hätte Opfer eventuell kaum nach Hilfe fragen können, wurden Taten unter Umständen überhaupt nicht wahrgenommen. Denn viele Kontrollinstanzen, die sonst ein Auge auf Kinder und Jugendliche haben, hatten nun keinen Zugang mehr zu den Familien. Außerdem kann es sein, dass Taten überhaupt nicht mehr gemeldet werden, weil die Opfer glauben, sie liegen schon zu lange zurück und ließen sich nicht mehr beweisen.

Austausch im Netz nimmt zu

Was dagegen laut Interpol zugenommen hat, ist der Austausch von kinderpornographischem Material in bestimmten Onlinenetzwerken. Aber, so Jürgen Stock, Generalsekretär von Interpol, im Internet sei nur "die Spitze eines wachsenden Eisbergs" zu sehen. Das Nachrichtenmagazin Spiegel zitiert Stock weiter: "Jedes Mal, wenn ein Bild angesehen wird, werden diese Kinder erneut Opfer und ihr sehr reales Leiden wird noch weiter verlängert."

Nachfrage wird zunehmen

Die Täter sind oft gut vernetzt. Während der Kontaktbeschränkungen entstanden neue Foren, die dem Austausch und der Verbreitung von kinderpornographischem Material dienen. Es sei wahrscheinlich, so Interpol, dass die Nachfrage weiter zunehmen wird.

Quelle: Spiegel.de

Schwer aushaltbar

All das Grauen übersteigt meine Vorstellungskraft. Und ich weiß genau, viele sind müde, immer wieder darüber zu lesen. Mir ist klar, dass diese Artikel auch auf familie.de nicht die sind, die gut geklickt werden. Ist alles schrecklich, fruchtbar, will man lieber nichts drüber wissen. Das ist kein Vorwurf, auch ich kann das nicht jeden Tag lesen. Aber für viele Menschen ist das leider ihr Alltag.

Es ist schwer auszuhalten, dass Menschen weltweit Opfer sexualisierter Gewalt werden. Der Gedanke, dass es Kinder trifft, macht alles noch schlimmer. Da bin ich dankbar für all die Ermittler*innen, die sich um die Aufklärung der vielen Fälle bemühen, die Kinder und Erwachsene retten können. Aber es gibt bisher kein Happy End. Und so lange das nicht erreicht ist, müssen wir alle auch weiter diese grausame Wirklichkeit anerkennen und drüber sprechen.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / Serghei Turcanu
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