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Jugend auf dem Dorf: 10 Dinge, die ich einfach nur gehasst habe!

Meine Kindheit auf dem Dorf war idyllisch und familiär, aber irgendwann kam die Teenagerzeit und aus dem heimeligen "Alle passen auf mich auf"-Gefühl wurde ein "Alle mischen sich ein"-Hate. Und beim Stichwort Öffentlicher Nahverkehr möchte ich heute noch weinen. Warum ich meine Jugend auf dem Dorf schrecklich fand und so schnell wie möglich weg wollte.

Es gibt ein schönes Sprichwort: "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen". Als Kind, das in einem Dorf aufgewachsen ist, weiß ich, dass es zu diesem Spruch noch eine von tausenden Dorfteenager*innen unausgesprochene Fortsetzung gibt: "Das ganze Dorf kann mich mal!" Denn so eine Jugend auf dem Dorf kann ganz schön hart sein, wenn man nur ein bisschen anders ist und mehr und weiter denkt, fragt und will.

10 Dinge, die ich an meiner Jugend auf dem Dorf gehasst habe

Folgende Punkte haben meine Jugend auf dem Dorf zu einer Zeit gemacht, in der ich mir immer sicherer wurde: Ein Dorf ist zu klein für mich. Ich will hier weg!

1. Everybody is watching you

Das jede*r jede*n kennt, war in meine Kindheit auf dem Dorf großartig. Aber mit steigendem Alter fand ich die Dauerbeobachtung immer unangenehmer. Hatte das "Das ganze Dorf erzieht die Kinder"-Prinzip als Kind noch die unangenehme, aber erträgliche Konsequenz, dass bei den Eltern gepetzt wurde, wenn man beim Vorbeilaufen mal nicht freundlich gegrüßt hat (hey, auch Kinder haben mal einen schlechten Tag), wurde die "Alle Augen auf mich"-Situation als Teenager durchaus unangenehmer – man konnte wirklich fast nichts machen, ohne dass es zum Dorfgespräch wurde (besonders peinliche Sachen wurden gerne mal in der "lustigen" Rede bei der Kerwe (= Kirchweihe = Dorfkirmes) verwurstet oder gelangten früher oder später über die (gar nicht so) stille Dorfpost zu den Eltern (mit den entsprechenden Ausschmückungen).

2. Löcher? Schlampe!

Zugegeben liegt mein Dorf weit weg von den Mode-Metropolen Mailand, Paris und Berlin. Dennoch ist es keine Entschuldigung, dass jede modische Andersartigkeit, die ich in meiner Jugend zur Schau stellte, zum absoluten Dorfgespräch wurde - gerade bei den sehr alten Generationen. Ich rede hier nicht von abgefahren Prêt-A-Porter-Looks á la Jean-Paul Gaultier (Das Dorf fragt: Wer?), sondern einfachen Fashiontrends der 90er wie Jeans mit Löchern. Dafür wurde ich damals von einer Oma (nicht meiner) wortwörtlich als "Schlampe" bezeichnet.

3. Das ist uns zu bunt

Selbstfindung auf dem Kopf, sprich das probieren verschiedener Haarstyles und -farben gehört zur natürlichen Entwicklung von Teenagern. Wenn du deine Jugend auf dem Dorf verbringst, ist der Rahmen für diese Selbstfindung jedoch sehr eng gesteckt. Ich färbte meine Haare damals in nicht natürlichen Farben. Warum? Weil ich es cool fand. Das kam nur semi gut an und war gleich doppelt schlimm, weil meine Mama ein Friseurgeschäfte hatte. Da bekam ich von allen Seiten den Kopf gewaschen, dass Schwarz, Lila, Blau und Grün keine Haarfarben seien. Von meiner Mama vermutlich eher, weil sie Angst hatte, was die Leute dazu sagen. Vom Rest des Dorfes einfach nur, weil es nicht der Norm und dem persönlichen Schönheitsideal entsprach.

Neue Trends wurden im Dorf nur sehr langsam und mit viel Wiederwillen angenommen. Meist hielt man Neues einfach nur für überflüssigen Quatsch. Genau so wurde meinen ersten Inlineskates von den älteren Dorfbewohner*innen aufgenommen. Rollen hintereinander? Neumodischer Schnickschnack, wozu gibt es Rollschuhe?!? Sowas Unnötiges wird sich niemals durchsetzen!

5. Was? Die mit dem?

Die erste Liebe gehört zur Jugend, wie die ersten Pickel. Und wenn man seine Jugend auf dem Dorf verbringt wird diese erste zarte Liaison der Liebe genauso kritisch beobachtet wie ein sprießender Eiterpickel. Ist die nicht noch zu jung für einen Freund? Ist der nicht zu alt für sie? Was will der denn mit der? Und das ist nur das Getuschel, wenn sich heterosexuelle Paare finden. Homosexuelle Liebe und LGTBQ gab es in meiner Jugend auf dem Dorf (offiziell) gar nicht.

6. Jeder Schwips wird gezählt

Das Ausprobieren von Alkohol ist Teil der Jugend. Ich komme aus einer Weinbauregion, die nächste etwas größere Stadt 25 km entfernt, da waren Weinfeste am Wochenende das einzige Vergnügen für uns Teenies. Und natürlich haben wir da auch Wein getrunken – auch unter 18! Ich habe mich damals glücklicherweise nie so richtig fies besoffen, denn ich erinnere mich noch gut wie detailliert die peinlichsten Suffgeschichten anderen Jugendlicher im Dorf die Runde machten. Ich bin froh, dass dieser Kelch an mir vorüber ging.

7. Das ist doch keine Hose

Mit dieser Beobachtung hatten sie damals in meiner Jugend auf dem Dorf sogar recht: Die sehr kurze Hose, die ich trug war gar keine kurze Hose, sondern eine Boxershorts meines Papas. Aber wenn ich mir keine Hotpants kaufte (bzw. es im nächsten einigermaßen modernen Klamottenladen, der immer noch jedem Trend weit hinterher lief, keine Hotpants zu kaufen gab), dann musste ich eben improvisieren. Ich kann euch verraten, so wird man garantiert zum Dorfgespräch und der Lehrer bestellt die Eltern ein.

8. Szenetreff Bushaltstelle

Noch heute sehe ich sie bei abendlichen oder nächtlichen Fahrten übers Land: Jugendliche, die sich an Bushaltestellen oder (schon eine Stufe höher) Tankstellen zusammenrotten. Für viele Jugendliche auf dem Dorf sind diese Treffpunkte das Highlight des Abends, denn es gibt sonst nichts. Zuhause steht man unter Beobachtung der Eltern, im Feld und Wald ist es zu dunkel und der Jugendclub hat schon lange zu. Wohin also, wenn man sich als Dorfteenager noch mit anderen treffen will? An der Bushaltestelle gibt es Licht, eine Sitzgelegenheit und vielleicht kommt ja zufällig das echte, aufregende Leben vorbeigefahren. Tankstellen sind da schon ein Upgrade, weil es dort auch noch Drinks und Snacks gibt. Diese Dorf-Treffpunkte waren nie so meins, da bin ich tatsächlich lieber zu Hause geblieben und habe mit 16 schon für meine Führerscheinprüfung in zwei Jahren gelernt.

9. Du bleibst hier!

Die große weite Welt war in meiner Jugend auf dem Dorf unglaublich weit weg. Wirklich unglaublich weit, denn jede Fahrt zum nächstmöglichen Ort an dem es sowas wie ein aufregendes Leben (damit meine ich Kinos, Clubs, Bars oder auch nur ein Asia-Imbiss oder eine Dönerbude) gab, dauerte mindestens eineinhalb Stunden (nur Hinweg) mit dem Bus. Der fuhr natürlich nur alle ein bis zwei Stunden, am Wochenende nur vier Mal am Tag und am späten Abend und nachts gar nicht. Da kann man als Teenagerin auf dem Dorf schon einmal auf die Idee kommen, dass die Welt einen bestrafen will – mit öffentlichem Nahverkehr!

10. Ticket in die Freiheit

Ich habe sicher schon mit 15 angefangen die Tage bis zu meinem 18ten Geburtstag zu zählen, bis zu dem Tag, an dem ich endlich selber Autofahren darf. Denn ein Auto ist auf dem Dorf keine Luxus, sondern absolut Überlebensnotwendig. Der Führerschein ist der Heilige Gral, das goldene Ticket, dass dir endlich (mehr) Freiheit schenkt. An meinem 18ten Geburtstag durfte ich sogar mit Erlaubnis meiner Eltern die Schule schwänzen, um gleich morgens zum Amt zu fahren, um meinen frisch ausgestellten Führerschein in Empfang zu nehmen. Es gibt weniger Momente in meinem Leben, die mich so stolz und glücklich gemacht haben – vielleicht noch die Geburt meiner Kinder. ;-)

Wie komm ich hier weg? Meine Jugend auf dem Dorf

Bestimmt gab es noch viele Punkte mehr, in denen mein Dorf versucht hatte mich zu "erziehen". Und natürlich ist der ein oder andere Punkt vielleicht ein klitzekleines bisschen übertrieben. Aber in jedem einzelnen steckt ein Funken Wahrheit.

Ich möchte außerdem nicht bestreiten, dass es sicher viele Jugendliche gibt, die sehr wohl eine glückliche Jugend auf dem Dorf erleben. Das freut mich sehr für euch. Für alle anderen, die wie ich, einfach ein bisschen anders waren und sich partout nicht anpassen wollten, war es nicht immer ein großes Vergnügen auf dem Land aufzuwachsen – auch wenn ich durchaus auch schöne Erinnerungen an meiner Teenagerzeit habe.

Übrigens hat weder die dorfgemeinschaftliche Erziehung noch die Zwangshaft durch den ÖPNV gefruchtet: Ich mache heute noch, was ich will und wohne (deshalb) in Berlin.

Maike Mauer

Nichts wie weg ...

Als Teenie fand ich es leider furchtbar. Ich passte in dieses Dorf einfach nicht richtig rein. Der letzte Bus zurück aus der Stadt fuhr um 21:07 Uhr (das ist bis heute so, crazy) – und dann immer dieses Gerede über Kleidung, Freunde, "Das macht man aber so" & Co. Sobald ich konnte, wurde ich Stadtmensch und fühle mich jetzt in unserer bunten Hood angekommener denn je. Unser Mini hat beides: Ein bisschen Tiere-Seen-Wald-Abenteuer und ein weltoffenes Citylife. Bin gespannt, wie er das im Rückblick sieht ;)

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Bildquelle: Unsplash/Priscilla du Preez

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