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Krankenschwester wütend: Spart euch das Klatschen!

Krankenschwester wütend: Spart euch das Klatschen!

Wir sind sauer!

In der Corona-Krise kämpfen sie an vorderster Front: Krankenschwestern und -pfleger! Von der Politik werden sie jetzt mit Lob und netten Worten, aber nicht mit Geld und Unterstützung überschüttet. Da platzte am Wochenende einer Krankenschwester aus Berlin Kragen und sie machte sich mit einem wütenden Facebook-Post Luft: “Euer Klatschen könnt ihr euch sonstwohin stecken!”

Plötzlich sind sie systemrelevant: das Krankenhauspersonal und die Supermarktmitarbeiter*innen! Das waren sie natürlich zuvor auch schon, aber da hat es keinen so wirklich interessiert. Erst in der Corona-Krise wird vielen Politikern und Mitbürgern klar, wie wichtig diese Jobs sind und wie ungerecht die Bezahlung im Gegenzug ist.

In den letzten Wochen gingen unzählige Social Media-Postings und Messenger-Nachrichten herum. Darin stand: Um xx Uhr treten wir alle auf den Balkon, Terasse, vor die Tür und klatschen vereint für Krankenschwestern und Ärzte! (Für das Supermarktpersonal wollte noch niemand klatschen. Warum eigentlich?) Selbst die süßen britischen Nachwuchsroyals klatschen auf ihrem Instagram-Account für das Gesundheitspersonal!

Genug ist genug, dachte sich da eine Berliner Krankenschwester und machte ihrem Unmut über die aktuelle (scheinheilige) Situation mit einem emotionalen Facebook post Luft, der bis dato von über 71.000 Mal geteilt und 84.000 Mal geliked wurde.

Konkret prangert Magdalena B. an:

“Erst sollen wir einen Mundschutz und Schutzkittel für mehrere Patienten benutzen. Wir sollen weiter arbeiten, wenn wir Kontakt zu einem Corona/Covid-19 Patienten hatten. Dann werden Personaluntergrenzen ausgesetzt für die lange gekämpft wurde. Das heißt, Scheiß egal, es könnten eine Pflegekraft 50 Patienten betreuen.”

Krankenschwester Magdalena B. auf Facebook

Das ist alles schon schlimm genug, aber ein Schlag ins Gesicht war für die Krankenschwester (und vermutlich viele ihrer Kollegen*innen) auch dies hier:

“Dann sagt Herr Spahn es geht gar nicht um die Bezahlung in dem Beruf, es ist nur wichtig den Job attraktiver zu machen.”

Krankenschwester Magdalena B. auf Facebook

Da fühlt man sich richtig wertgeschätzt, oder?

Die Bedingungen für das Krankenhauspersonal in Deutschland ist bereits jetzt unglaublich schlecht – und wir haben den wirklich Höhepunkt der Corona-Krise noch nicht einmal erreicht – wie die Krankenschwester aus Berlin weiter berichtet:

“Und jetzt müssen wir nicht mehr in Quarantäne nach Kontakt, wir können schon früher zur Arbeit gerufen werden, sagt das RKI! Diejenigen die hier empfehlen das am besten Alle zu Hause bleiben sollen wegen dem gefährlichen Virus! Schämt euch, diejenigen, die das RKI hoch in den Himmel heben!”

Facebook-Post von Magdalena B. aus Berlin

Und in der Pflege ist die Lage nicht erst seit Corona prekär – das weiß auch Herr Spahn. Dennoch wird jetzt immer noch mehr und noch mehr verlangt:

“In einem Beruf der jahrelang unterbezahlt ist...wo alle am Limit arbeiten...wir sollen jetzt die Helden sein und werden so behandelt?”

Facebook

Magdalena sieht nur eine Lösung:

“Eigentlich sollten genau jetzt alle Pflegekräfte ihren Job kündigen!”

Facebook Magdalena B.

Was sie aber aus Verantwortungsbewusstsein niemals tun würde – und genau darauf vertraut die Politik (schon seit Jahren).

Die Krankenschwester beschreibt ihr Gefühle und die können wir nur zu gut nachvollziehen:

“Ich bin richtig doll traurig und enttäuscht, ich fühle mich verarscht und ich kann es nicht fassen. Ich bin ernsthaft sprachlos. Vielleicht kann man jetzt meine Posts verstehen...ich bin sauer.”

Facebook

Und sie wird noch deutlicher und schließt ihren Facebook-Post mit:

“Und euer Klatschen könnt ihr euch sonst wo hinstecken ehrlich gesagt...Tut mir leid es so zu sagen aber wenn ihr helfen wollt oder zeigen wollt wie viel wir Wert sind dann helft uns für bessere Bedingungen zu kämpfen! ♡”

Krankenschwester Magdalena B. auf Facebook

Wir können den Gefühlsausbruch der Berliner Krankenschwester absolut nachvollziehen, auch weil wir von Freunden und Verwandten, die im Krankenhaus arbeiten, genau die gleichen Töne hören! Lasst uns auch nach der Krise nicht vergessen, wer in diesen schlimmen Zeiten für uns da war und lasst uns dann gemeinsam für diese Menschen kämpfen – für bessere Arbeitsbedingungen UND mehr Gehalt! Nicht nur für das Krankenhauspersonal, auch für andere unterbezahlte und für uns so wichtige Berufe wie Supermarktangestellte, Erzieherinnen, Hebammen und, und, und!

Es ist kaum zum Aushalten

Auch ich habe viele Krankenschwestern und pfleger in meinem Freundeskreis und der Verwandtschaft und kann nur bestätigen, was die Berliner Krankenschwester auf Facebook gesagt hat. Als ich meine Freundin, ebenfalls Krankenschwester in Berlin, am Wochenende fragte, wie es ihr und ihrer Familie ginge, bekam ich diese Antwort: “Die Arbeitsbedingungen werden zunehmend zur Katastrophe. In den Kliniken werden Hygiene-Pläne für ungültig erklärt. Ich bekomme pro Schicht nur 1 Mundschutz, obwohl das Einmalartikel sind und mit jedem erneuten Gebrauch vor allem für mich die Gefahr einer Schmierinfektion steigt. Handschuhe sollen desinfiziert werden, obwohl bekannt ist, dass die Desinfektionsmittel so gar nicht wirken. Schutzkittel und Hauben sollen mehrfach benutzt werden (alles Einmalartikel). Bei positivem Covid-Abstrich wird versäumt, Kollegen zu informieren, die im Urlaub oder frei sind, trotzdem der oder diejenige Patientenkontakt hatte. Und wir sollen trotz direktem Kontakt weiterarbeiten, bis wir Symptome haben. Die Liste ist noch viel länger…”

Was schreibt man da als Antwort? Mir fehlten ehrlich gesagt die Worte. Ich hoffe wirklich, dass bei der Politik endlich ankommt, wo es in unserem Gesundheitssystem unabhängig von Corona krankt. Und dass all diesem Lob und den schönen Worte von Herrn Spahn und seinen Kolleg*innen nach dieser Krise auch Taten folgen!

Der Mann meiner Freundin arbeitet als Frachtpilot übrigens auch in einem systemrelevanten Beruf. Falls einer glaubt, da wäre die Situation besser … sein Copilot wurde gerade positiv getestet, doch für den Mann heißt es – schön weiterfliegen!

Die beiden haben übrigens auch ein Kind, das durch dieses Verhalten des Systems ebenfalls gefährdet wird. Verdammt, wir müssen einfach besser aufeinander aufpassen! Was ihr jetzt tun könnt? BLEIBT ZUHAUSE – für meine Freundin, ihren Mann und ihr Kind und alle anderen da draußen, auf die wir jetzt mehr denn je angewiesen sind!

Bildquelle: Getty Images/ gpointstudio

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