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Coronavirus bei Kindern: So ansteckend sind sie wirklich

Neue Studie

Coronavirus bei Kindern: So ansteckend sind sie wirklich

Die Zwischenergebnisse zu einer Studie zur Übertragung des Corona-Virus durch Kinder bestätigen, was Forscher schon von Anfang an vermuten.

Die Zahlen deuteten schon von Anfang an darauf hin: Kinder erkranken seltener an Covid-19. Es wurde immer davon ausgegangen, dass wenn sie erkranken, sie weniger schwer betroffen sind. Das scheint sich zu bestätigen.

Studie zu Ansteckungsgefahr von Kindern

In der aktuellen baden-württembergischen Studie die Forscher der Uni Heidelberg und der Uni Ulm durchgeführt haben, sollte herausgefunden werden, ob Kinder das Corona-Virus vermehrt übertragen. Im Vordergrund der Studie stand die Frage nach der Ansteckungsgefahr, die von Kindern ausgehen könnte.

Sind Kinder Superspreader?

Lange Zeit wurden Kinder ja unter den Generalverdacht gestellt, sogenannte "Superspreader" zu sein. Es hieß, gerade sie könnten alle anderen anstecken, und die Infektionen in Deutschland in die Höhe treiben.

Auch aus diesem Grund, der Angst vor massenhaft Corona-Infektionen in Kitas und Schulen, wurden diese Mitte März vorsorglich geschlossen. Die Zwischenergebnisse der Untersuchung der Unikliniken Heidelberg, Freiburg und Tübingen kommt nun zu dem Schluss: Stimmt nicht. Kinder sind diesen Erkenntnissen nach keine Infektionstreiber.

Kinder unter zehn Jahren, so berichteten die Forscher nun, erkranken seltener an Covid-19. Die Studie legt sogar den Schluss nahe, dass Kinder sich weniger als halb so häufig mit Sars-CoV-2 infizieren, wie Erwachsene.

Vorläufige Ergebnisse: Kinder infizieren sich seltener

Für die Studie wurden 2500 Kinder bis zu einem Alter von zehn Jahren und jeweils ein Elternteil, insgesamt also 5000 Personen, auf das Corona-Virus und mögliche Antikörper getestet. Die vorläufigen Ergebnisse: Es gibt bei den Kindern kaum unerkannte Infektionen.

Die untersuchten Kinder haben insgesamt auch seltener eine Corona-Infektion durchgemacht als die ebenfalls getesteten Erwachsenen. Im Klartext bedeutet das, dass sich Kinder seltener mit dem Coronavirus infizieren als Erwachsene. Es wurde auch festgestellt, dass sich Kinder in der Notbetreuung nicht häufiger ansteckten, als Kinder, die Zuhause betreut wurden.

Vorläufiges Ergebnis: Kinder erkranken weniger und weniger schwer

Die Studie fand auch heraus, dass Kinder seltener erkranken und bei einer Infektion einen tendenziell milden Verlauf haben. Das liegt daran, dass Kinder einen wichtigen Rezeptor gar nicht haben, den das Virus aber nutzt, um in die Körperzellen zu gelangen.

Ein weiterer Grund ist das angeborene Immunsystem, das bei Kindern besser funktioniert als bei Erwachsenen. Eigentlich beinahe paradox, weil viele Eltern, die ihre Kinder in die Kita geben, aus eigenen Erfahrungen berichten können, dass der erste Kitawinter mit jeder Menge Erkältungen einhergeht. Und da hören wir immer wieder, dass sich das Immunsystem erst aufbauen muss.

Weil der Sars-CoV-19-Virus aber für alle Menschen neu ist, scheint das angeborene Immunsystem der Kinder besser arbeiten zu können.

Öffnung für Eltern und Kinder

Der baden-württembergische Ministerpräsident, der die Studie für sein Bundesland sehr genau begleitet hat, hat nach den Zwischenergebnissen reagiert. Ab dem 29. Juni werden Kitas und Grundschulen für alle Kinder geöffnet werden. Die weiterführenden Schulen könnten bis nach den Sommerferien geschlossen bleiben.

Allerdings wird die Schulpflicht bis zu den Sommerferien ausgesetzt. Eltern dürfen also selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder schon zurück in die Schule geben möchten oder nicht.

Regelmäßige Tests werden durchgeführt

Für die Lehrer*innen und Erzieher*innen wird aber gesorgt. Die Kultusministerin Susanne Eisenmann erklärte auf einer Pressekonferenz: "Der Gesundheitsschutz unserer pädagogischen Fachkräfte ist uns nach wie vor ein sehr wichtiges Anliegen". Deswegen werden alle Erzieher*innen und Lehrer*innen regelmäßig auf Corona getestet. Diese Idee hatte kürzlich auch der Virologe Christian Drosten ins Rennen geschickt, als er sich für Corona-Tests als Service für Lehrende und Erzieher*innen aussprach.

Endgültige Daten fehlen noch

Die Studie soll Anfang Juli abgeschlossen sein, solange sprechen wir immer von vorläufigen Ergebnissen. Denn nachdem sie in einem Fachjournal publiziert wurde, muss sie von Expert*innen noch kritisch geprüft werden. Erst danach sind die Ergebnisse der ersten großen Studie zur Ansteckungsgefahr von Kindern final.

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Mein Fazit

Spannend an den Vorergebnissen finde ich, dass sie ausnahmslos das bestätigen, was die Wissenschaftler*innen seit Beginn der Corona-Krise angenommen haben. Ich erinnere mich, dass ich im März ein Interview mit Dr. Christian Drosten gesehen habe, in dem er das auch schon kommunizierte. Damals war es eine Annahme und die muss natürlich geprüft werden. Was ich nicht verstehen kann ist, dass sich damit soviel Zeit gelassen wurde. Wieso waren soo viele andere Themen immer wichtiger? Das macht mich nach wie vor wütend.

Bildquelle: getty images / CasarsaGuru

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