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Oxford-Studie: So geht es Eltern und Kindern in der Corona-Zeit wirklich

Besorgniserregend

Oxford-Studie: So geht es Eltern und Kindern in der Corona-Zeit wirklich

In der aktuellen Situation hat man als Eltern immer wieder das Gefühl, die Doppelbelastung für Familien sei noch nicht richtig von den Verantwortlichen verstanden worden. Eine aktuelle noch laufende Studie der Universität Oxford untersucht, wo die Hauptstressquellen für Eltern aktuell liegen und zeigt, wie besorgniserregend sich die Corona-Krise auf die Psyche von Familien auswirkt.

Hier sind Familien an ihren Grenzen

Für eine Studie der psychiatrischen Abteilung der renommierten Oxford Universität zu Auswirkungen der Corona-Krise auf die Situation in den Familien, ermittelten Forscher erste Zwischenergebnisse. Die berufliche Arbeit und die Sorge um das Wohlbefinden der Kinder werden von bisher 5000 befragten Teilnehmern als die Hauptquellen für psychischen Stress genannt. Zudem gaben ca. 80 % der befragten Eltern an, dass alle Dienstleistungen, die bisher im Zusammenhang mit der Betreuung der Kinder standen aktuell fehlen. Besonders betroffen sind Eltern deren Kinder einen erhöhten bzw. sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Bei ihnen ist das Stresslevel außerordentlich hoch.

Unsere Ergebnisse zeigen einige Brennpunkte der Besorgnis auf, insbesondere für Eltern von Kindern mit sonderpädagogischen Bedürfnissen und Störungen der neurologischen Entwicklung. Diese Eltern berichten von erhöhtem Stress in allen Bereichen, einschließlich des Umgangs mit dem Verhalten ihrer Kinder, und sie äußern auch den Wunsch nach persönlicher Unterstützung durch Fachleute

Cathy Creswell, Abteilung für Psychiatrie und Experimentalpsychologie

Eltern wünschen sich mehr Unterstützung

Das Anliegen der Studie sei es, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Krisensituation zu verstehen und zu daraus zu schlussfolgern, wie man Eltern entlasten könne. Denn die Mehrzahl der befragten Eltern würde sich vor allem mehr Hilfe im Hinblick auf die emotionale Gesundheit des Kindes sowie die Erziehung und sozialen Kontakte wünschen. Zudem gab die Hälfte der Befragten an, das Kind mache sich Sorgen, dass Eltern und Freunde sich mit dem Virus anstecken. Vielen Kindern fehlte vor allem der Schulbesuch. Die Umfrageergebnisse sollen den Forschern helfen, herauszufinden, was Kinder in dieser Situation brauchen, um psychisch gesund zu bleiben und wie das in den einzelnen Familien variiert.

Ohne Kitas, Schulen und Pädagogen geht es nicht

Auch wenn die Studie noch läuft, zeigen schon die Zwischenergebnisse einmal mehr, dass es ohne pädagogische Angebote, Schulen sowie Kitas nicht funktioniert. Vor allem dann nicht, wenn Eltern weiterhin ihrem Beruf nachgehen müssen und während des Homeschooling und der Kleinkindbetreuung gleichzeitig arbeiten. Die wenigsten Eltern schaffen es über mehrere Monate von nur einem Gehalt zu leben. Davon abgesehen ist der Kontakt zu anderen Kindern und ein Herauskommen aus dem Elternhaus für die psychische Gesundheit und die Weiterentwicklung essentiell. Eine solche umfassende Studie kann hoffentlich in dieser Sache einmal mehr verdeutlichen, dass ein groß angelegter Lockdown über mehrere Monate für Familien untragbar ist. Wie sich die Psyche der Kinder wirklich durch die Krise verändert hat, ist wohl erst in ein paar Monaten absehbar. Die Leidtragenden sind am Ende hier die Eltern und die Kinder, die sich in der Krise befinden. Interessierte können sich die Studienergebnisse und Zwischenberichte über die Website www.emergingminds.org.uk ansehen.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Am Limit

Es ist schon eine Herausforderung, ein Kleinkind zu Hause zu beschäftigen und sich im Homeoffice stundenweise abzuwechseln. Da will ich mich gar nicht beschweren, wenn ich daran denke, dass manche Familien ein Kleinkind beschäftigen und die größeren Kinder noch unterrichten sollen. Geschweige denn von der unmöglich schaffbaren Situation Alleinerziehender bzw. all jener, deren Kind pflege- oder förderbedürftig ist. Ob der neue Kitaöffnungsfahrplan da eine Hilfe ist, bezweifle ich ein wenig. Denn so richtig ist immer noch nicht klar, für wen es wo weitergehen wird mit der Betreuung. Jetzt dürfen die Länder entscheiden und ich bin gespannt,  wie sich Berlin dazu positioniert.

Bildquelle: Getty Images/Geber86

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