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Schul- und Kitaöffnung: Ist uns Eltern damit wirklich geholfen?

Zwiespalt

Schul- und Kitaöffnung: Ist uns Eltern damit wirklich geholfen?

Schul- und Kitaöffnung, jetzt also doch. Einige Familien atmen erleichtert auf, in anderen macht sich Panik breit. Das liegt auch daran, dass unklar ist, was genau nun auf uns Eltern zukommt.

Ist alles wieder normal?

Laufe ich mit meinen drei Kindern durch Berlin, auf der Suche nach einem einsamen Spielplatz, bekomme ich öfter das Gefühl, es hätte Corona nie gegeben. Als hätte ich das alles nur geträumt, aber irgendwie hat jemand vergessen, mich aufzuwecken. Denn für so viele Menschen scheint das Leben weiterzugehen wie bisher. Der obligatorische Mund-Nasenschutz baumelt lässig am Kinn, es wird einander umarmt und die besten drei Freunde sind mit am Start. Die Parks und Spielplätze sind voll mit Menschen, alle sitzen  wieder dicht an dicht. Also alles wie immer, wie vor Corona (na gut, bis auf die Masken).

Schul- und Kitaöffnung: Stundenweise Normalität

Und auch die Schulen und Kitas öffnen wieder, wenigstens ein bisschen. Stundenweise sollen Kinder zurück in den Normalbetrieb. Eine allgemein gültige Aussage kann es an der Stelle nicht geben, weil das von Bundesland zu Bundesland, teilweise sogar von Gemeinde zu Gemeinde ganz verschieden ist. Die einen dürfen ihre Kinder einmal die Woche für zwei Stunden bringen, die anderen von Montag bis Freitag für jeweils fünf Stunden. Bei einigen ging die Schule schon wieder los, andere müssen noch bis Pfingsten warten. Manche Kinder dürfen in die erweiterte Kita-Notbetreuung, andere finden keinen Platz mehr, weil die Gruppe schon voll ist.

Wie viel Normalität ist da?

Aber, kleine Randnotiz: Wie viel Normalität gibt es denn, wenn Mundschutz mindestens für den Pausenhof Pflicht ist, wenn weiterhin Abstand gehalten werden muss und Schulklassen in Gruppen aufgeteilt werden? An manchen Schulen wurde schon angekündigt, dass der wenige Unterricht, der nun stattfindet, benotet wird. Andere Schulen bieten an, dass die Halbjahresnote beibehalten werden kann, wer eine Verbesserung anstrebt muss die Aufgabenblätter im Homeschooling einreichen. Manche Lehrer*innen finden individuelle Lösungen für Schüler*innen, bei anderen wird streng nach Vorschrift verfahren. In den Kitas sieht es noch mal anders aus. Da bestehen die einen auf Abstand und erklären, dass sie die Kinder nicht mehr trösten können, andere versuchen aufzufangen und zu begleiten. Mundschutz ist nicht Pflicht, Abstand halten geht oft nicht, weil die Kinder viel zu klein sind. Ob alle Eltern sich im Alltag an die Abstandsregeln halten, ist fraglich und kann nicht nachvollzogen werden.

Schul- und Kitaöffnung: Viele Familien sind erleichtert

Viele Familien fühlen sich entlastet, weil sie in der Zeit, in der die Kinder nicht im Haus sind, mal wieder konzentriert durcharbeiten können. Weil der Nachwuchs die schmerzlich vermissten Freund*innen wieder sieht und endlich mal jemand anderes als man selbst den Kindern etwas beibringt. Weil auch Lehrer*innen und Erzieher*innen stark vermisst wurden und die Freunde über das Wiedersehen so groß ist. Manche schicken ihre Kinder nur deswegen dorthin, damit die Kinder voneinander Abschied nehmen können. Es geht mit großen Schritten auf die Sommerferien zu, das bedeutet für viele Kinder auch Veränderung in Form von Einschulung, weiterführender Schule oder sogar den Schulabschluss.

Zwiespalt bei Schul- und Kitaöffnung

Ich bin zwiegespalten. Einerseits würde ich es mir für meine Kinder so sehr wünschen, dass sie zurück in die Kita gehen. Dass sie mit ihren Freund*innen spielen, dass ein Stück weit Normalität in ihren Alltag zurückkehrt. Für meine Sechsjährige ist dieses Jahr ihr Vorschuljahr, es waren noch jede Menge Ausflüge und Unternehmungen geplant, die nun so oder so ins Wasser fallen. Deswegen würde ich es ihr wünschen, dass sie sich wenigstens persönlich von allen verabschieden kann, bevor Mitte August die Schule startet.

Angst vor Schul- und Kitaöffnungen

Andererseits habe ich Angst. Ich sorge mich um das Wohl meiner Familie und um das Wohl der Erzieher*innen. Denn Corona ist nach wie vor gefährlich. Wir alle können uns nach wie vor anstecken, es gibt keinen Impfstoff und kein Medikament. Wir alle sind, zugespitzt formuliert, Teil eines großes Experiments. Und der Ausgang ist ungewiss. Wir wissen, allen aktuellen Forschungen zum Trotz, noch nicht genug über das Virus. Und es gibt keine Garantie, dass eine Infektion bei meinen (oder euren) Kindern nun einen milden Verlauf nimmt. Mit meinem Zwiespalt bin ich nicht allein, vielen Eltern geht es so, dass sie ratlos vor dem stehen, was uns als Lösung präsentiert wird. Aber es ist eben keine Lösung, sondern ein Ausprobieren und auf das Beste hoffen.

Leben in der Risikogruppe

Ich selbst gehöre zu einer Risikogruppe und das wissen inzwischen auch meine Kinder. Diverse Arztbesuche haben sie da auf die richtige Spur geschickt. Was, wenn die Kinder symptomfrei sind, aber mich infizieren? Natürlich springt da mein Kopfkino an. Was, wenn ich ins Krankenhaus muss? Was macht es mit meinen Kindern, wenn sie glauben, sie wären daran "Schuld", weil das mit dem Abstand halten in der Kita einfach illusorisch ist? Hier zu hause habe ich die Kontrolle darüber, mit wem sie in Kontakt kommen (mit niemandem, aber ich weiß eben, wo wir unterwegs sind). In der Kita wird diese Ansteckungskette für mich nicht mehr nachvollziehbar. Und natürlich vergrößert sich die Möglichkeit einer Ansteckung mit jedem neuen Kontakt, den sie in der Kita haben.

Vereint in Sorge

So wie mir geht es vielen Eltern. Wir wollten, dass sich etwas bewegt, dass die Regierung die Sorgen und Nöte von Familien wahrnimmt. Weil viele von uns am Ende sind und diesen Dreisprung aus Homeoffice, Homeschooling und Homekümmering nicht mehr hinbekommen. Wir brauchen Unterstützung, das gilt nach wie vor. Aber wir wollten nicht alle, dass nun Schul-und Kitaöffnungen durchgeführt werden, ohne, dass sich irgendwas geändert hätte. Viele von uns haben Sorge um ihre Familien und wollen die Kinder deswegen nicht hinschicken. Fraglich ist momentan, ob das gesetzlich erlaubt ist. Denn die Schulpflicht besteht ja weiterhin, theoretisch können Eltern also dazu gezwungen werden, ihre Kinder wieder zur Schule zu schicken.

Fragliche Logistik bei Schul- und Kitaöffnung

Es ist klar, dass wir nicht vom Stillstand zu kompletter Anwesenheit aller Kinder in wenigen Wochen kommen. Aber diese schrittweise Öffnung bringt neue Probleme mit sich. Denn gerade wenn mehr als ein Kind im Haushalt lebt, wird die Logistik der neuen Beschulungs- und Kitazeiten zu einer echten Herausforderung. In einer Woche an drei Tagen vormittags, in der nächsten an zwei Nachmittagen Schule, das kann man sich noch irgendwie merken. Aber bei mehreren Kindern kann es passieren, dass das falsche in der Schule auftaucht. Darüber hinaus entlastet es uns Eltern ja nur bedingt, wenn je ein Kind an einem Tag außer Haus ist. Die anderen sind weiterhin anwesend.

Verzicht aufs Homeoffice?

Außerdem bedeuten die Schul- und Kitaöffnungen auch, dass mehr und mehr Arbeitgeber auf das Homeoffice verzichten. Wie Eltern dann aber die Betreuung und ihre Arbeit unter einen Hut bekommen sollen, darauf wird nicht eingegangen. Und wie Lehrer*innen oder Erzieher*innen, die selbst Kinder haben, die Betreuung ihres Nachwuchses regeln sollen, weil sie andere Kinder betreuen müssen, ist vollkommen unklar. Für mich wird mit den Schul- und Kitaöffnungen nur einmal mehr deutlich, dass es für Familien bis jetzt noch keine Konzepte gibt, die uns unterstützen.

Wie lange bleibt alles anders?

Und dann ist da ja auch noch die große Frage nach dem "wie lange". Wie lange wird es überhaupt Öffnungen geben? Kann es passieren, dass sich die Kinder wieder an neue Voraussetzungen gewöhnen und dann wird, weil die Neuinfektionszahlen so hoch sind, alles wieder dicht gemacht? Und wieso gibt es eigentlich für Eltern nicht eine andere Form der Unterstützung als die Schul- und Kitaöffnungen?

Ich habe deutlich mehr Fragen, als ich Antworten hätte. Das ist frustrierend und macht müde. Ich weiß, dass gerade vieles im Unklaren ist, aber ich bin der Meinung, dass sich nach wie vor mehr um uns Familien gekümmert werden muss.

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Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Mein Fazit

Meine Kinder sind sechs, vier und ein Jahr alt. Ich wünsche ihnen, dass sie wieder mit ihren Freund*innen spielen können, dass ihr Alltag nicht nur aus Papa und Mama und Computer und Arbeit und "warte mal, gleich" besteht. Aber noch ist es so. Und wir als Familie haben auch noch nicht beschlossen, wie es weiter geht, selbst wenn unsere Kita wieder öffnet. Noch gibt es da keine Neuigkeiten, aber ich bin unsicher, was wir tun werden. Klar ist, wir Eltern schaffen das dauerhaft nicht, Homeoffice und drei Kinder. Aber meiner Meinung nach müsste auch über andere Unterstützung nachgedacht werden, als nur die Schul- und Kitaöffnung.

Bildquelle: getty images / gpointstudio

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