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Unsere Kinder bewegen sich zu wenig: Sind nur die digitalen Medien schuld?

Laut Studie

Unsere Kinder bewegen sich zu wenig: Sind nur die digitalen Medien schuld?

Der vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht attestiert unseren Kindern einen großen Bewegungsmangel. Zudem würden sich immer weniger Kinder in Sportvereinen dem Leistungssport widmen. Obwohl dies vielfältige Ursachen haben kann, wird der verstärkte Konsum digitaler Medien als Hauptgrund genannt.

80 % unserer Kinder bewegen sich zu wenig

Laut WHO sollte sich ein Kind mindestens 45 Minuten am Tag bewegen. Laut Umfragen kommen die meisten Kinder heutzutage nicht mal mehr auf diese gar nicht mal so lange Bewegungszeit. Besonders davon betroffen seien vor allem Mädchen. Die Ursachen für die mangelnde Bewegung ist vielfältiger als man denken könnte.

Angeführt wird im Vierten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht als häufigster Grund auch hier wieder der Umgang der Jugendlichen mit den digitalen Medien. Zudem verzeichnen die Leistungsportvereine immer weniger Mitgliederzahlen und der Anteil des Sport-und Schwimmunterrichts in den Schulen habe ebenfalls über die Jahre stärker abgenommen.

Wer sich im Kindesalter schon nicht bewegt, da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er sich im Jugendalter und im Erwachsenenalter auch nicht bewegt. Die Prognose liegt etwa bei 80 %.

Werner Schmidt, Sportpädagoge

E-Sports als Einstieg in den Sportverein?

Doch nicht jeder sieht das gewachsene Interesse der Jugendlichen am E-Sport negativ. Tim Reichert, der Manager des E-Sports bei Schalke 04, sieht den digitalen Sport auch als Sprungbrett. Er erwähnt auf der Pressekonferenz, dass sich einige Jugendliche davon animieren lassen, selbst auf den Fußballplatz zu gehen. Zudem müssen die E-Sport-Spieler auch körperlich fit sein und würden da den Vereinskickern nicht nach stehen. Beweise bzw. Untersuchungen gibt es jedoch für den Bereich E-Sport weniger.

Weniger Nachwuchs im Leistungssport

Vor allem der Leistungssport hat ein Nachwuchsproblem: Nur noch ein Drittel der Sportvereine würden sich dem Leistungssport widmen. Christoph Breuer, Sportsoziologe und Leiter der Studie, bemerkte kritisch, dass "die Leistungsperspektive sukzessive an Bedeutung verliert".

Wenn jetzt anstelle von Bundesjugendspielen eine Hüpfburg aufgestellt wird, dann trägt dies nicht in dem Maße zu einer Persönlichkeitsentwicklung bei wie ein leistungsorientiertes Sportkonzept.

Christoph Breuer, Sportsoziologe

Wichtige Gründe, warum immer weniger Kinder in Sportvereine gehen

Obwohl es diese rückläufigen Zahlen für sportliche Aktivitäten gibt, sei Sport immer noch die Hauptfreizeitaktivität Nr. 1 bei Jugendlichen. Einer der Gründe, warum weniger Kinder in Sportvereine gehen, ist auch ganz pragmatisch: Sportaktivitäten würden immer teurer werden. Sei es der Vereinsbeitrag oder z. B. der Eintritt zu Schwimmbädern und Tennisanlagen.

Das hält viele Eltern davon ab, ihre Kinder in einem Verein anmelden zu können. Des weiteren zeigt der Bericht, dass viele Eltern ihre Kinder bewusst von Sportvereinen fernhalten, weil ein erheblicher Anteil der Jugendlichen Erfahrung mit emotionaler, körperlicher oder sexueller Gewalt machen mussten.

Kinder sozial schwacher Familien machen seltener Vereinssport

Der Bericht weist zudem darauf hin, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien auch seltener in einem Sportverein aktiv wären. Dies hat sicherlich auch Gründe in den Kosten und dass Sport in einer Familie eben gefördert werden und organisiert werden muss. Nicht in jeder Familie ist es möglich, dass alle Kinder in einen Verein gehen können, sei es aus Kosten- oder Zeitgründen.

Da ist es dann klar, dass die Kinder dann ihre Freizeit eher vor dem Smartphone verbringen. Dann fehlen häufig auch gut ausgebaute Spielplätze oder andere Sportplätze, damit die Kinder in ihrem Kiez herumtoben und sich bewegen können. Es ist also nicht nur mit der Digitalisierung zu erklären.

Untersuchungen zeigen, dass Kinder aus sozial schwachen Familien weniger aktiv, gesundheitlich stärker beeinträchtigt (z.B. durch Übergewicht/Adipositas und chronische Erkrankungen) und weniger häufig Vereinsmitglied sind, sowohl im Sport als auch im Bereich Kultur.

Zitat, Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht

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Quelle: Tagesspiegel

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Mehr Bewegung im Alltag

Wie der Bericht zeigt, sind die Gründe für die fehlende Bewegung sehr vielfältig. Der Konsum von digitalen Medien wird immer sehr schnell als starker Grund angeführt. Doch wie auch die Studie zeigt, ist es lange nicht der einzige Grund. Vielleicht sollte es auch für Familien mit weniger Einkommen und mehreren Kindern eine Möglichkeit geben, dass Kinder kostengünstiger in einen Verein gehen können.

Natürlich sind auch wir Eltern in Sachen Bewegung immer Vorbilder. Ich selbst war z. B. auch nie in einem Sportverein, weil meine Eltern nicht viel davon hielten. Dafür haben wir uns früher auch mehr im Alltag bewegt und allein deswegen bin ich schon täglich auf diese 45 Minuten Bewegung gekommen. Meiner Meinung nach muss ein Kind nicht in einen Verein gehen, um sich täglich zu bewegen. Doch dann müssen wir Eltern natürlich mitmachen und das Kind zur Fahrradtour oder anderen Outdooraktivitäten animieren bzw. es nicht von überall mit dem Auto abholen.

Social Media kann übrigens auch tatsächlich zur Bewegung animieren: Ich sehe auf den Spielplätzen vermehrt Mädels, die z. B. Tik-Tok-Tanzvideos drehen. Ist das nicht auch eine Art von Sport?

Bildquelle: Getty Images/JackF

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