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Vergesst die Kinder nicht! Politik-Talk über die neue Normalität

Vergesst die Kinder nicht! Politik-Talk über die neue Normalität

Die Kinder leiden

Vergesst die Kinder nicht! Bei "Maybritt Illner" sprachen unter anderem Katia Saalfrank und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey über die Situation der Kinder und Eltern in Zeiten von Corona.

Unsicherheit in den Familien

Unter der Frage "Die Politik macht auf - die Unsicherheit bleibt", diskutierten Franziska Giffey, Katia Saalfrank, Christian Lindner und Jonas Schmidt-Chanasit (Virologe am Bernhard-Nocht-Institut Universität Hamburg). Per Videocall nahm auch der Bundesverfassungsrichter a.D., Udo Di Fabio, am Gespräch teil. Der Schulleiter einer Gemeinschaftsschule in Berlin, Robert Giese, war für ein Einzelgespräch eingeladen.

Nicht alle denken an die Kinder

In der Talkrunde saßen also zumindest drei Menschen, denen die Bedürfnisse von Kindern ein großes Anliegen sind. Katia Saalfrank, vielen sicherlich noch bekannt als "Super Nanny" aus der gleichnamigen RTL-Sendung, machte sich für Familien stark. Das Arbeiten von Zuhause und die Kinderbetreuung miteinander in Einklang zu bringen sei "wie Heu zu Stroh spinnen – das funktioniert einfach nicht". Sie wünschte sich mehr finanzielle Unterstützung für Eltern in dieser Zeit. Franziska Giffey äußerte sich da sehr zurückhaltend, FDP-Chef Christian Lindner sprach von angedachten Steuervergünstigungen für diejenigen, die die Betreuung ihrer Kinder privat regeln.

Coronaelterngeld

Dabei ging es Saalfrank, so, wie so vielen Eltern auch, eher weniger um eine finanzielle Entlastung für zusätzlich entstandene Kosten, sondern eine Kompensation für ihre aktuelle Leistung. Das Coronaelterngeld, das ja einige Eltern fordern, an diesem Abend war es kein Thema. Stattdessen stritten die Familienministerin und der Parteivorsitzende der FDP lieber um Kitagebühren und darum, wie viel mehr die jeweils eigene Partei schon geleistet hätte.

Vergesst die Kinder nicht!

Ein ebenfalls wenig beachtetes Thema ist das der Notbetreuung. Diese wurde in Schulen und Kitas nun für mehr Eltern geöffnet. Allerdings sind die Bedingungen oft nicht auf das Wohl der Kinder ausgerichtet. Da werden neue Gruppen zusammengewürfelt, die Kinder verunsichern. Die vertrauten Bezugspersonen fehlen oder tragen Mundschutz, viele halten Abstand. Die zwischenmenschliche Nähe muss zwangsweise auf der Strecke bleiben, um Infektionen zu verhindern. Kinder aber brauchen diesen Kontakt. "Kinder sind keine kleinen Kätzchen, die man irgendwo abgibt", sagte Saalfrank. Und es sei für Familien mit Mitgliedern, die einer Risikogruppe angehören, zumindest unheimlich, dass sie ihre Kinder bald wieder in größere Gruppen schicken sollen. Denn dort herrscht eine große Ansteckungsgefahr.

Einzelfallentscheidungen

Es müsse, so Katia Saalfrank, möglich sein, dass Eltern sich entscheiden können, ob sie ihre Kinder in die Schule oder Kita schicken. Würden sie dies aus Angst vor Ansteckung nicht tun wollen, müsse es eine Art der Kompensation für die erbrachte Betreuungsarbeit geben. Es ist auch fraglich, ob die allgemeine Schulpflicht weiterhin Bestand hat, wenn in den Familien Menschen leben, die einer Risikogruppe angehören. Noch heißt es nur, dass Lehrer*innen, die gefährdet sind, nicht in den Dienst zurückkehren werden.

Beratung der Regierung: Vergesst die Kinder nicht!

Am 6. Mai wird die Bundesregierung erneut zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Giffey sprach von einem Vier-Stufen-Plan, der dann vorgestellt werden soll. Fraglich ist, ob und wie dabei auf viele unterschiedliche Familienmodelle eingegangen wird.

Mein Fazit

Natürlich bin auch ich, wie wir alle, von der momentanen Situation betroffen. Meine Kinder vermissen die Kita, sie vermissen ihre Freund*innen und ja, ich würde auch gern mal arbeiten, ohne nebenbei ein bis drei Kinder auf dem Schoß sitzen zu haben. Und dabei geht es mir ja noch vergleichsweise gut, denn ich kann die Kinder (noch) zuhause lassen und versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen. Andere Familien sind auf die Notbetreuung angewiesen. Das kann, insbesondere ganz kleine Kinder, sehr verunsichern, weil sich das bekannte Umfeld nicht immer herstellen lässt. Mir wird in der ganzen Debatte um Lockerungen tatsächlich zu wenig über die Auswirkungen auf die Kinder gesprochen, die das alles mittragen müssen, ohne wirklich eine eigene Stimme zu haben.

Bildquelle: getty images / Juanmonino
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