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Corona-Ausbruch in Fleischfabrik: Klar, dass die Schulen geschlossen werden

Unfair

Corona-Ausbruch in Fleischfabrik: Klar, dass die Schulen geschlossen werden

Noch sind nicht alle Schulen und Kitas wieder geöffnet, da werden die ersten schon wieder geschlossen. Aktuell macht uns die Entscheidung in Rheda-Wiedenbrück ziemlich wütend. Weil klar wird: Am Ende sind die Familien die Leidtragenden.

Gerade erst wurde beschlossen, dass Schulen und Kitas spätestens nach den Sommerferien deutschlandweit wieder zum Regelbetrieb zurückkehren. Weil man ja die Familien jetzt auch mal entlasten müsste. Schöne Worte, aber die Taten sehen irgendwie anders aus. Die aktuellen Corona-Infektionen in der Fleischfabrik Tönnies zeigen einmal mehr, dass Familien immer hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen.

Mehr als 400 positive Corona-Tests bei Tönnies

In Rheda-Wiedenbrück haben sich beim Schlachtbetrieb Tönnies mehrere Menschen mit Corona infiziert. Getestet wurden über 1050 Mitarbeiter*innen, bei mindestens 400 war der Test auf Covid-19 positiv, es sind aber auch noch nicht alle Tests ausgewertet.

Natürlich haben einige der Infizierten Kinder. Und die gingen, bis Anfang der Woche, tageweise auch wieder in Schule und Kita. Was aber ist die Konsequenz, die aus den positiv getesteten Mitarbeiter*innen gezogen wurde? Fabrik dichtmachen? Abstandsregeln einhalten, die Arbeitssituation der Mitarbeiter*innen verbessern? Natürlich nicht, jedenfalls nicht im ersten Schritt.

1. Handlung: Kitas und Schulen schließen

Stattdessen beschloss die Stadt: Schulen und Kitas dicht. Weil man ja irgendwo anfangen muss, das Infektionsrisiko einzudämmen. Warum man da dann nicht am Infektionsherd anfängt, ist für mich unverständlich. Soweit ich weiß, ist Kinderarbeit in Deutschland verboten. Folglich wird kein Kind das Virus in den Schlachtbetrieb geschleppt haben.

Das gesamte öffentliche Leben geht nach wie vor weiter, also für alle, die keine Kinder haben oder selbst in Quarantäne geschickt wurden. Die Schließung von Betreuungseinrichtungen trifft nicht nur die Mitarbeiter*innen vom Fleischverarbeitungsbetrieb, sondern alle Eltern in der Umgebung. Viele Eltern müssen sehen, wie sie ihre bezahlten Arbeit und die Betreuungsarbeit der Kinder unter einen Hut bekommen. Und fühlen sich, zurecht, wieder allein gelassen.

Nur Einschränkungen für Familien

Eigentlich war ja, auch der Fairness halber von der Bundesrepublik beschlossen worden dass Städte oder Gemeinden dann in den Lockdown gehen müssen, wenn die es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen gibt. Das ist in Rheda-Wiedenbrück der Fall. Der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, sieht nach Informationen der Zeit trotzdem keine Veranlassung dafür, mehr Einschränkungen anzuordnen, als die Schließungen von Kitas und Schulen.

Wie sehr werden Familien in Deutschland unterstützt?

An diesem Beispiel zeigt sich ein Mal mehr, welchen geringen Stellenwert Familien in Deutschland haben. Denn während alles seinen geregelten Gang geht, sind Eltern und Kinder weiterhin sich selbst überlassen. Uns macht das unglaublich wütend!

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Ich finde es skandalös, dass zuerst über die Schließungen von Schulen und Kitas gesprochen wird. Das stellt Kinder unter einen Generalverdacht, dabei hat die Studie der Uni Heidelberg doch gerade mit diesem Vorurteil aufgeräumt.

Es zeigt sich bei diesem Vorgehen mal wieder: Familien werden nicht mit gedacht. Eltern müssen schauen, wie sie das alles hinbekommen. Dabei sind wir Teil der Wirtschaft. Was würde wohl passieren, wenn wir Eltern geschlossen in den Streik treten und uns nur um unsere Kinder kümmern. Die verdienen nämlich unsere volle Aufmerksamkeit und nicht nur abgehetzte Eltern, die sich zwischen den Ansprüchen von Erwerbs-und Carearbeit zerreißen.

Bildquelle: getty images/ SanyaSM

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