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Wie soll das gehen? Bei Corona-Verdacht sollen Kinder in die Isolation

Ganz sicher nicht

Wie soll das gehen? Bei Corona-Verdacht sollen Kinder in die Isolation

Wer positiv auf Corona getestet wird, muss sich in die Isolation begeben. Das war seit Beginn der Pandemie klar. Jetzt fordern Gesundheitsämter: Kinder sollen von ihren Eltern isoliert werden.

Wer infiziert ist, muss sich isolieren

Eigentlich war immer klar: Wer sich mit Covid-19 infiziert hat, der muss nicht nur in die heimische Quarantäne, sondern sich auch von Familienmitgliedern, die noch nicht angesteckt wurden, isolieren. Einigen Familien gelang das leicht, da haben Mama oder Papa dann zwei Woche im Gästezimmer gewohnt und sich kaum gesehen. Der Großteil aller betroffenen Familien wird dieser Aufforderung aber aufgrund von beengten Wohnverhältnissen niemals nachgekommen sein.

Jetzt sollen auch Kinder isoliert werden

Nun kommt aber Bewegung in diese Regelung. Und die hat es in sich. Die Gesundheitsämter der Landkreise Offenbach (Hessen) und Karlsruhe (Baden-Württemberg) sollen laut "Neue Westfälische" die Anordnung herausgegeben haben, dass Kinder, auch wenn es nur einen Corona-Verdacht gibt, isoliert werden sollen.

Kein Kontakt oder Maskenpflicht Zuhause

Im Klartext heißt es in dem Schreiben, dass auf gemeinsam Mahlzeiten verzichtet werden soll. Das Kind soll sich möglichst allein in einem Raum getrennt von anderen Haushaltsmitgliedern aufhalten. Die Eltern haben für eine zeitliche und räumliche Trennung zu sorgen. Und wenn der Kontakt nicht vermieden werden kann, dann gilt Maskenpflicht in den eigenen vier Wänden.

Drohende Konsequenzen

Eltern, die dieser Anordnung nicht nachkommen, und ihre Kinder nicht im eigenen Haushalt isolieren, drohten die Gesundheitsämter mit massiven Konsequenzen. Es wurde in Aussicht gestellt, dass bei Zuwiderhandlung das betroffene Kind für die Dauer der Quarantäne in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden wird.

Wie soll das gehen?

Diese Schreiben erhielten Haushalte, in denen Kinder zwischen drei und elf Jahren wohnen. Es ist schon für Erwachsene nicht leicht, in dieser Isolation zurechtzukommen, für Kinder ist das aber schlicht unmöglich. Welches Elternteil schiebt seinem Dreijährigen schon das Essen unter der Tür durch? Welches achtjährige Kind kann ohne körperlichen Kontakt zu den Eltern tage- oder schlimmstenfalls wochenlang allein in einem Zimmer wohnen? Und wie sollen Familien in beengten Wohnverhältnissen das überhaupt leisten können?

Auf den Einzelfall schauen

Inzwischen sind die Gesundheitsämter zurückgerudert. Es würde immer auf den Einzelfall geschaut und nach Möglichkeiten gesucht, die angegebene Maßnahmen mit der Lebenswirklichkeit der Betroffenen in Einklang zu bringen. Allerdings besteht weiterhin die Anweisung, übermäßigen Kontakt zum Beispiel unter Geschwisterkindern zu verhindern. Für mich ist auch das nicht realistisch, Kinder sorgen sich immer auch um ihre Geschwister. Da zu sagen, dass der kleine Bruder oder die Schwester jetzt nicht mehr in den Arm genommen werden darf, wird sich in der Praxis nur begrenzt umsetzen lassen.

Ist das der richtige Weg?

Meiner Meinung nach sollten gerade bei solchen offiziellen Anweisungen immer die Lebenswelten von Familien im Auge behalten werden. Sicherlich schafft es ein Paar leichter, sich für eine gewisse Zeit räumlich voneinander zu distanzieren, als das Eltern und Kinder schaffen. Hier aber eine Drohkulisse aufzubauen ist der vollkommen falsche Weg. Denn genau das wird in der Konsequenz dazu führen, dass Eltern ihre Kinder gar nicht erst testen lassen, aus Angst vor einer möglichen Trennung.

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Ehrlich gesagt fand ich die Anweisung, Infizierte mögen sich in der häuslichen Isolation von anderen Familienmitgliedern fern halten schon ziemlich gewagt. Wie soll das gehen, in den beengten Wohnverhältnissen, in denen vielen Familien wohnen? Also ich habe kein freies Zimmer, das für solche Fälle genutzt werden kann.

Dass Eltern sich in einigen Gegenden nun von ihren Kinder isolieren sollen, halte ich für lebensfern. Gerade in diesen Zeiten, in denen unser Nachwuchs jede Menge Sorgen hat, ist Nähe so wichtig. Natürlich kann es dann zu einer Infektion bei einem weiteren Familienmitglied kommen. Das ist furchtbar, auch weil niemand weiß, wie der eigene Körper mit dem Virus fertig wird. Aber wenn ich mir überlege, was das mit meinen Kindern machen würde, wenn ich sie von uns Eltern isoliere, dann glaube ich, dass das ein Trauma fürs Leben hervorrufen könnte.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus/ ijeab

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