Wildkräuter sammeln: Tipps und Rezepte

Familienleben

Wildkräuter sammeln: Tipps und Rezepte

Löwenzahn-Honig, Vogelmiere-Pesto und Spitzwegerich-Sirup: Aus Wildkräutern lassen sich Köstlichkeiten für Groß und Klein zaubern. Und das Sammeln ist ein schönes Familienerlebnis.

Wildkräuter sammeln

Wer zwischen Frühling und Herbst mit offenen Augen durch Haine und Felder wandert, wundert sich, wie reich der Tisch mit wilden Kräutern gedeckt ist. Davon können Kinder gleich mehrfach profitieren: Wildkräuter-Sammeltage machen Spaß, schweißen zusammen, bringen die heimische Natur näher, sorgen für Gesprächsstoff und neue Geschmackserlebnisse. Ganz nebenbei sind die wilden Pflänzchen auch noch gesund, denn sie werden nicht gedüngt, nicht gespritzt und haben einen höheren Nährwert als Kulturpflanzen - lobt ausdrücklich die Abteilung „Landwirtschaft und Forsten“ der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Arbeit die kostenlosen Delikatessen aus Wald und Flur.

So kann der Korb nach einem Wildkräuter-Spaziergang aussehen.

Wildkräuter sammeln: Straßenränder meiden

Doch wo sammeln man am besten Wildkräuter? „Sammeln Sie nur, was Sie wirklich eindeutig kennen, und meiden Sie Straßenränder, Hundespazierwege, gespritzte Ackerflächen und private Grundstücke“, rät die Behörde.
Weiterer Tipp: Transportieren Sie Ihr Sammelgut luftig und locker in einem Korb - und nicht in der Plastiktüte, denn da verderben Kräuter schnell. Lange aufbewahren lassen sich diese Schätze der Natur aber ohnehin nicht: Im Kühlschrank bleiben sie maximal einen Tag lang frisch.
Hilfreich beim Sammeln ist ein gutes Wildpflanzen-Bestimmungsbuch oder - noch besser - als Einstieg eine geführte Wildkräuter-Wanderung für die ganze Familie. Fragen Sie einfach einmal bei Naturschutzverbänden oder bei der Volkshochschule nach solch einer Veranstaltung. Einige der würzigen Pflanzen erkennen Sie aber auch so. Im Folgenden die zehn besten wilden Kinder-Küchen-Kräuter.

Die besten Wildkräuter zum Sammeln II

Der Spitzwegerich hilft bei Mückenstichen und Waldmeister darf nur vor der Blüte verzehrt werden. Weitere wissenswerte Infos und Tipps zum Wildkräuter sammeln, lesen Sie hier.

Die besten Wildkräuter zum Sammeln II

Auch der Spitzwegerich, der buchstäblich an jedem Wegesrand steht, ist ein Helfer in der Not. Einfach drei lange Blätter verknoten und kräftig zwischen den Händen reiben, bis der Pflanzensaft austritt. Der hilft zum Beispiel bei Mückenstichen und auch bei wunden Füßen. Ein klassisches Salat-Kraut ist Spitzwegerich zwar nicht, aber: Aus seinen Blättern lässt sich ein Sirup zur Linderung von Husten herstellen (siehe Rezept). Zwischen Mai und August können Sie sich einen Vorrat für nasskalte Herbsttage anlegen.

Waldmeister schmeckt in Wackelpeter lecker.

Eher im Verborgenen blüht der gute alte Waldmeister. Seine formschönen Stängel geben Maibowle, Eis und Götterspeise ein typisches Aroma. Er wird vor der Blüte zwischen Mai und Juni geerntet und entfaltet seinen Duft erst, nachdem er etwas welk geworden ist. Doch Vorsicht: Das enthaltene Cumarin verursacht in hohen Dosen Kopfschmerzen. Deshalb jeweils nur wenige Stängel verwenden.
Ebenfalls sehr aromatisch ist der Gundermann. Die Blätter dieses kleinen, krautigen Bodendeckers, der sich auch im Garten gern breit macht, riechen nach Minze oder Lakritze, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Wenig genügt - und schon schmecken die fein gehackten jungen Blätter und Triebe würzig in Milchprodukten, Kräuterquark, Kräuterbutter, Suppen, Gemüsegratins, Eierpfannkuchen und Salaten. Aus den langen Trieben lassen sich auch schöne Kränze winden.
Fast überall wächst die Vogelmiere, sogar im Blumentopf auf dem Balkon. Ihre winzigen weißen Sternen-Blüten blühen bis in den Oktober hinein - daher kann das Kraut fast rund ums Jahr geerntet werden. Vogelmiere ist ein perfektes Salat-Kraut, schmeckt aber auch in Suppen, Kräuterquark und Pesto (siehe Rezept). Der Geschmack erinnert an jungen Mais. Schon 50 Gramm decken den Vitamin-C-Tagesbedarf eines Erwachsenen!
Mit ähnlich hohen Vitamin-C-Werten kann auch der Sauerampfer aufwarten. Er blüht von Mai bis August und galt früher bei Seefahrern als Geheimwaffe gegen Skorbut. Sein angenehm säuerlicher Geschmack würzt Suppen und Salate. Weil in den Blättern aber Oxalsäure steckt, die die Eisen- und Kalziumaufnahme behindert, gilt für Sauerampfer: Lieber kleckern als klotzen. Wie gut, dass man auch mit wenig glücklich werden kann. Mir genügen ein paar Blätter auf einer Sommerwiese für wunderbarste Erinnerungen.

Die besten Wildkräuter zum Sammeln I

Löwenzahn, Gänseblümchen und Co.: Wir stellen die besten Wildkräuter zum Sammeln vor und geben Tipps für leckere Gerichte.

Die besten Wildkräuter zum Sammeln I

Das bekannteste Kraut ist der Löwenzahn, auch Pusteblume genannt. Seine dottergelben Blüten zieren zwischen April und Mai Wiesen, Äcker und Wegesränder. Auch im heimischen Garten fühlt er sich wohl. Am besten schmecken seine zarten, jungen Blätter vor der Blüte in Blattsalaten, geschlossene Blüten in Butter geschwenkt. Später werden die Blätter immer bitterer - und treffen damit weniger den Geschmack kleiner Feinschmecker. Aber bestimmt begeistern sie sich für Löwenzahn-Honig. Er wird aus den gelben Blüten gemacht und versüßt jedes Frühstück. Die Stängel der Pflanze sollten für Kinder aber tabu sein, denn der Milchsaft darin verursacht Bauchschmerzen und Durchfall.

Gänseblümchen sehen nicht nur schön aus, die kann man auch essen.

Auch Gänseblümchen sind ein Kinder-Klassiker. Aus ihnen lassen sich nicht nur schmucke Kränze binden, ihre zarten Blätter und Blüten schmecken auch angenehm nussig im Salat oder auf einem Butterbrot. Am köstlichsten sind die Knospen oder die halb geöffneten Blüten. Die beste Sammelzeit liegt zwischen April und September. Doch Achtung: Gerade für kleine Kinder ist weniger mehr, denn in größeren Mengen gelten Gänseblümchen als schwach giftig!
Die Brennnessel kennt ebenfalls jedes Kind. Und die kann man essen? Tatsächlich - und das lohnt sich sogar! Der Geschmack ist fein säuerlich und erinnert an Spinat. Die beste Sammelzeit für junge Blätter und Triebe sind die Monate von März bis August. Zum Ernten sollten Sie Handschuhe tragen, denn die Blattränder enthalten Ameisensäure, die auf der Haut schmerzt. Um sie verzehrfertig zu machen, werden die Blätter in ein feuchtes Tuch gewickelt und ordentlich gewrungen oder kurz in kochendem Wasser blanchiert. Brennnessel schmeckt in Suppe und Salat oder gekocht wie Spinat.
Als Delikatesse unter den Wildkräutern gilt der seit geraumer Zeit schwer angesagte Bärlauch. Deshalb gibt es ihn in der Saison in fast jedem Supermarkt, beim Gemüsehändler und auf dem Wochenmarkt zu kaufen. Selber suchen geht aber auch. Doch Vorsicht: Die Blätter sind denen des giftigen Maiglöckchens nicht ganz unähnlich. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist der Geruch: Wenn ein Bärlauch-Blatt zwischen den Fingern zerrieben wird, riecht es knoblauchähnlich. Das Wildkraut wächst an schattig-feuchten Plätzen, gerne im Mischwald. Die beste Erntezeit ist von März bis Mitte Juni. Seine fein gehackten Blätter würzen Kräuterquark, Salate, Suppen und Pesto mit einem zarten Knoblauch-Aroma.
Ebenfalls ein Kraut für Genießer ist der Giersch oder Geißfuß. Als Unkraut im Garten kann er einen zur Verzweiflung treiben, auf dem Teller ist er aber sehr lecker. Giersch ist eine wahre Vitamin- und Mineralstoff-Bombe, die auch viel Eisen enthält. In Geruch und Geschmack erinnert Giersch an Petersilie. Dabei haben die ganz jungen, kaum entfalteten Blätter das feinste Aroma. Giersch kann wie frischer Spinat zubereitet werden oder klein geschnitten Salate, Pesto, Suppe und Quark würzen. Der frische Saft aus den typisch dreieckigen Stängeln wirkt übrigens lindernd bei Insektenstichen.

Wildkräuter-Rezepte

Drei Rezepte für Delikatessten aus selbst gesammelten Wildkräutern: Löwenzahn-Honig, Vogelmiere-Pesto und Spitzwegerich-Sirup.

Rezept für Löwenzahn-Honig

Löwenzahn-Honig kann man selber machen.

Zutaten:
• 3 große Hände voll Blüten
• 3/4 l Wasser
• Saft einer halben Zitrone
• 500g Zucker
• 500g Gelierzucker
So geht´s:
Blüten in Wasser aufkochen, eine Stunde köcheln lassen. Anschließend filtern. Löwenzahnwasser mit Zitronensaft und Zucker etwa 30 Minuten kochen lassen, bis die Masse zähflüssig wird.
In Schraubgläser füllen.

Rezept für Vogelmiere-Pesto

Zutaten:
• 50g Vogelmiere
• 1 EL Pinienkerne
• 2 EL Haselnussöl
• 2-3 EL Gemüsebrühe
So geht´s:
Vogelmiere waschen, trocknen, klein schneiden. Die Pinienkerne in der Pfanne knusprig anrösten. Beides zusammen im Blitzhacker zerkleinern, mit Haselnussöl und Brühe vermengen - und dann ab mit der leckeren Soße auf die Nudeln.

Rezept für Spitzwegerich-Sirup

Zutaten:
• 25g Spitzwegerich-Blätter
• 1/2 l Wasser
• 180ml Waldhonig

So geht´s:

Blätter in Wasser kurz aufkochen und 30 Minuten ziehen lassen. Durch ein Sieb gießen, Flüssigkeit auf die Hälfte einkochen. Abgekühlt (handwarm) mit dem Honig mischen und in Flaschen füllen. Bei Husten dreimal täglich einen Teelöffel.

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