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Darum sollten wir alle nur noch 30h pro Woche lohnarbeiten

Kühne Idee

Darum sollten wir alle nur noch 30h pro Woche lohnarbeiten

Der Vorschlag von Katja Kipping, Co-Chefin der Partei "Die Linke" klingt verlockend. Lohnarbeiten von Montag bis Donnerstag, dann drei freie Tage. Und das auch noch bei gleichem Gehalt wie bisher. Mal ehrlich: Wo müssen wir unterschreiben?

Leider ist es natürlich nicht so einfach. Expert*innen sind sich einig, dass die Idee an sich gar nicht verkehrt ist. Wenn flächendeckend in allen Berufen die 30-Stunden-Woche eingeführt werden würde, würde das für mehr Gleichberechtigung am Arbeitsplatz sorgen.

Mehr Gleichberechtigung bei 30h Woche

Mütter und Väter könnten Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren, weil sie eben beide mehr Zeit für die Familie haben. „Studien zeigen, dass Männer vergleichsweise viele Überstunden leisten, während Frauen überdurchschnittlich mit Sorgearbeit wie Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen belastet sind“, sagt Nils Backhaus, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Arbeit im Wandel der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Jede*r Zweite will weniger arbeiten

Backhaus erklärte weiter, dass Studien zeigen, dass schon jetzt jede*r Zweite seine Arbeitszeit eigentlich gern verkürzen würde. Die Linke-Politikerin erklärte, dass die Vier-Tage-Woche Beschäftigte "glücklicher, gesunder und produktiver" machen würde. Also eigentlich doch alles super. Die Frage ist nur: Wer soll das bezahlen?

Der Staat soll kurzfristig aushelfen

Die Idee von Katja Kipping: Unternehmen, die die Arbeitszeit auf eine 30-Stunden-Woche reduzieren erhalten ein Jahr lang einen staatlichen Lohnzuschuss. Anschließend soll dann aber das Unternehmen ohne staatliche Finanzierung auskommen. Firmen experimentieren schon seit längerem mit Ideen zur Arbeitszeitreduzierung. Und erleben in der Tat immer wieder, dass es den Angestellten damit deutlich besser geht.

Arbeitslast muss verringert werden

Die 30 Stunden-Wochen wird dann zum Problem, wenn die Arbeitslast nicht auch entsprechend verringert wird. Wenn also zukünftig die 40h Arbeit in die neue 30-Arbeitswoche packen. Das geschieht momentan ja schon bei einigen Arbeitnehmenden in Teilzeit und könnte dann flächendeckend nur zu einer Verschiebung von Arbeitslast führen.

Problem: Die Kosten sind zu hoch

Wenn doch aber, abgesehen von der Arbeitslast, soviel dafür spricht, warum setzen wir den Vorschlag von Katja Kipping dann nicht in die Tat um? Weil es zu hohe Kosten verursacht. Denn gleicher Lohn bei weniger Arbeit bedeutet eine Lohnerhörhung von fast einem Drittel. Und das kann nicht jedes Unternehmen mittragen. Langfristig würden mehr Menschen arbeitslos werden. Das ist besonders in der aktuellen Zeit, in der wir in einer Wirtschaftskrise stecken, fatal.

Aktuell noch Zukunftsmusik

Aktuell ist die deutschlandweite 30-Stunden-Lohnarbeitswoche also Zukunftsmusik.Auch, weil in vielen Chefetagen alte weiße Männer das Sagen haben. Und die halten gern an Traditionen fest .

Aber das hindert ja niemanden daran, in der eigenen Firma nachzufragen, ob nicht Änderungen möglich sind. Es gibt ja durchaus Unternehmen, die viel in die Zufriedenheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter*innen investieren.

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Mich überzeugt die Idee der 30h-Lohnarbeitswoche in sofern, als dass sie es für Familien einfacher macht, Beruf und Privates zu verbinden. Was für eine Chance gerade für Frauen, wenn es keine Ausreden mehr gibt, dass der Mann Überstunden machen muss und deswegen weniger im Haushalt mitarbeiten kann. Es wird möglich, den Mental Load besser zu verteilen. Und was für eine Chance für alle Väter. Väter, die heute in Teilzeit arbeiten sind ja immer noch die große Ausnahme.

Natürlich sehe ich auch die wirtschaftlichen Gefahren. Aber wenn wir es nicht sofort umsetzen, dann schwirrt die Idee hoffentlich noch ein paar Jahre im Kopf herum und ist dann irgendwann reif für die Realität. Denn Leben ist mehr als Arbeiten. Das sage ich, die ich selbst viel zu oft mehr als 40h die Woche arbeite. Ich bin allerdings auch selbstständig und kann deswegen oft flexibler auf die Bedürfnisse meiner Familie reagieren. Und mein Mann teilt sich den Mental Load mit mir.

Bildquelle: getty images / SolStock

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