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Aufreger: Kitas schaffen Kinder-Fasching ab

Aufreger: Kitas schaffen Kinder-Fasching ab

Faschings-Boykott

Kleine Clowns, Superheldinnen und Prinzen, die konfettischmeißend durch die Gegend flitzen: Davon wird zur Karnevalszeit in einer Erfurter Kita und einer Einrichtung in Korntal-Münchingen nichts zu sehen sein. Die Kitas verbieten Verkleidungen in diesem Jahr – die Begründungen treffen auf Unverständnis.

In viele Familien gehört das Verkleiden zur Faschingszeit einfach dazu. In der fünften Jahreszeit lieben wir es, uns so richtig in Schale zu schmeißen, aus unserem Gesicht das eines Löwen oder Tigers zu schminken und über die bunte Kostümpracht zu staunen. Doch damit ist jetzt Schluss, zumindest in Kitas in Erfurt und Korntal-Münchingen.

Kultursensibler Umgang als Begründung

"Mitgebrachte Faschingskostüme bleiben an beiden Tagen im Fach des Kindes". So heißt es in der schriftlichen Mitteilung, die laut "Gala" an die Eltern der Erfurter Kindergarten-Kinder verteilt wurde. Die Begründung des Kitaleiters: Fasching finde in der Einrichtung am diesjährigen Rosenmontag nicht statt, weil im Rahmen eines kultursensiblen Umgangs die Feierlichkeiten nicht maximal ausgereizt werden solle. Was genau damit gemeint ist, kann man nur erraten.

Schon seit ein paar Jahren wird über vereinzelte Kostüme kontrovers diskutiert: So bat  unter anderem eine Hamburger Kindertagesstätte die Eltern im letzten Jahr, dass sich Kinder bitte nicht als Indianer verkleiden sollen. Diese Kostümierung bediene sich an Stereotypen und Klischees, die für einige Menschen diskriminierend sein könnte.

Diese Begründung scheint auch beim Fall der Erfurter Kita eine Rolle zu spielen: Auf Anfrage der "Bild" heißt es,  man möchte die Kinder für Stereotype sensibilisieren, die für die Betroffenen schmerzhaft sein können. Die rund 80 Kinder der Einrichtung stammen aus 15 verschiedenen Nationen.  Viele Eltern empören sich über das Verbot und fordern, dass diese Entscheidung im nächsten Jahr überdacht werden sollte.

Nicht vereinbar mit christlichen Werten

In der evangelischen Kita in Korntal-Münchingen (Baden-Württemberg) ist die Begründung eine andere: Hier stellt die Kita-Leitung in Frage, ob die christlichen Werte mit denen des Faschingsfestes vereinbar sind. Ein weiterer Grund für den Verzicht auf eine Karnevalsfeier sei außerdem der Personalnotstand. Auch in diesem Fall trifft das Karnevals-Verbot auf Unverständnis bei vielen Eltern.

Mein Fazit

Was die Erfurter Kita mit ihrem Verbot erreichen möchte, ist absolut unklar. Es ist gut und wichtig, dass wir unsere Kinder so früh wie möglich für Stereotype und Klischees sensibilisieren, dass wir in den Austausch miteinander treten und so manches Karnevalskostüm auch einmal hinterfragen. Doch ein Fest, das seit einer Ewigkeit Tradition ist, gänzlich zu verbannen, scheint uns absolut nicht der richtige Weg. Was spricht gegen kleine Superhelden, Tiere oder Astronautinnen? Wir sehen Karneval vielmehr als Chance, veraltete Rollenbilder einmal wegzukehren und Vielfalt zu leben: Hier dürfen Jungs auch endlich mal Prinzessin und Einhorn und Mädchen stark wie Hulk sein, ohne, dass ihnen vorgehalten wird, es wäre nicht männlich oder weiblich genug. Das wünschen wir uns natürlich auch über die Karnevalssaison hinaus!

Bildquelle: Getty Images/Siyatsky
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