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Internationale Weihnachts­spezialitäten: Das essen unsere europäischen Nachbarn

Internationale Weihnachts­spezialitäten: Das essen unsere europäischen Nachbarn

Alle zu Tisch

Weihnachten ist die Zeit der besinnlichen Schlemmerei und das nicht nur in deutschen Familien. In ganz Europa wird in der Weihnachtszeit gefuttert, was die Kochtöpfe und Backöfen hergeben. Wir finden es super spannend, was in unseren Nachbarländern so alles an Weihnachtsspezialitäten auf den Tisch kommt und vielleicht findet sich dabei ja auch noch die ein oder andere Inspiration für das eigene Weihnachtsessen.

Diese Weihnachtsspezialitäten isst Europa

Bei den einen gibt es das große Weihnachtsessen an Heiligabend, bei den anderen erst am ersten Weihnachtsfeiertag. Die einen tischen Braten auf, die anderen traditionell Fisch und bei manchen Deutschen gibt es ganz bodenständig Würstchen und Kartoffelsalat. Natürlich hat jede Familie ihre ganz eigene Weihnachtsspezialität, schließlich sind die Essengeschmäcker und Kochfertigkeiten verschieden. Aber dennoch lassen sich jedem Land bestimmt Weihnachtsspezalitäten zurechnen.

Großbritannien reitet mit dem Teufel

Beim Weihnachts-Dinner auf der grünen Insel muss vor allem ein gehaltvoller Braten (roast) auf dem Tisch stehen: Truthahn, Rind, Huhn oder Gans, gerne auch deftig gefüllt. Neben reichlich Bratensoße (gravy) wird zu den Beilagen gern Preiselbeergelee serviert. Beliebt sind auch Gerichte mit so lustigen Namen wie Pigs in blankets, also Würstchen im Schlafrock, womit mit Teig oder Speck umwickelte Würstchen gemeint sind. Oder wie wäre es mit Devils on horseback, dt. Reitende Teufel, was man bei uns als Datteln im Speckmantel kennt.

Auf gar keinen Fall vergessen werden darf das klassischste aller klassischen britischen Desserts: der berühmte Plumpudding, der Weihnachtspudding. Er wird teilweise bereits im Oktober hergestellt, damit er bis Weihnachten gut durchziehen kann. Dann wird der Christmaspudding mit Brandy oder Cognac übergossen, flambiert und mit Orangensauce serviert. Überhaupt fließt zu allen an Weihnachten reichlich Alkohol. Ein britisches Weihnachtsfest ist ohnehin eher eine Party als ein besinnliches kirchliches Fest.

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Irland heizt dem Rindvieh ein

In Irland wird gern Spiced beef (dünn geschnittenes gekochtes Rindfleisch, scharf gewürzt) serviert, oder Räucherlachs mit Sodabrot und Garnelencocktail. Zutaten des traditionellen Sodabrotes sind Mehl, Backpulver, Salz und Buttermilch, als Backtriebmittel wird anstatt Hefe Natriumbicarbonat verwendet. Oder es gibt Turkey, also Truthahn, der dann als fetter Braten auf dem Familiebtisch thront.

Und auch die Iren essen traditionell Pumpudding - ohne ist es kein richtiges Weihnachtsfest. Und ein Gläschen Whiskey darf für die Erwachsenen natürlich auch nicht fehlen.

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Plumpudding - der klassische englische Weihnachtskuchen

Frankreich sammelt viele Kastanien

Wer hätte es gedacht, auch die Franzosen mögen Truthahn. Im Land der Gourments wird dieser als Dinde aux Marrons mit Maronen (Esskastanien) garniert. Schon das Jahr hindurch essen die Franzosen bekanntlich gern und gut, an Weihnachten natürlich erst recht. Mit der ganzen Familie genießt man am 24. Dezember ein langes Réveillon, also ein üppiges Menü, das den ganzen Abend dauern kann. Auf dem Tisch stehen auch Austern, Hummer, Muscheln, Schnecken, Gänseleber oder Pasteten und oftmals geröstete Maronen. Also nichts für Veganer*innen und Vegetarier*innen. Dazu wird natürlich Champagner getrunken.

Ein Höhepunkt in jedem Jahr ist der Bûche de Noël, übersetzt "Weihnachtsholzscheit", aus gelbem Biskuit mit einer Schokoladen-Buttercreme-Füllung. Mit einer Gabel wird in die Glasur eine rindenartige Struktur geritzt. Dieses spezielle Weihnachtsdessert geht darauf zurück, dass an Weihnachten früher oft tagelang ein Holzscheit im Kamin brannte. In früheren Jahrhunderten war das ein symbolischer Dank an die Sonne, wenn die Tage wieder länger werden. Die Asche des Holzscheits wurde später auf dem Feld verteilt und sollte im nächsten Jahr für eine gute Ernte sorgen. Als die Kamine aus den Häusern verschwanden, entwickelte sich in Frankreich aus diesem Brauch diese süße Weihnachtsspezialität.

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Italien isst erst kein Fleisch und dann ganz viel

Die Italiener lieben ihr Dolce vita, ihr süßes Leben, auch zu Weihnachten und bringen jede Menge Süßes und Kuchen auf den Festtagstisch. Da gibt es vor allem einen besonderen Kuchen, der der ganze Stolz der Italiener ist und bei keinem Weihnachtsfest fehlen darf: der Panettone. Die charakteristischen Zutaten für diese Kuchenspezialität sind kandierte Früchte und Rosinen. Und das Allerschönste: Den Panettone kann man auch noch 6 Wochen später genießen, denn so lange hält er sich.

Ansonsten isst man in Italien am 24. Dezember traditionell kein Fleisch. Das Weihnachtsessen Pranzo della Vigilia besteht aus Meeresfrüchten und Fisch in allen Variationen. Was am Heiligabend an Fleisch verzichtet wurde, wird dafür am 1. Weihnachtsfeiertag mit dem üppigen Pranzo della Natale doppelt und dreifach aufgefahren: Gemüsesuppe, Huhn, Lamm und frischen Würstchen. Zum Abschluss wird natürlich der starke italienische Kaffee serviert, für die Erwachsenen zusammen mit einem Amaro (Magenbitter), Limoncello (Zitronenlikör) oder dem Nocino (Walnusslikör). Und die Kinder bekommen einfach noch eine Scheibe Panettone.

20 Zentimeter hohes Kuchenglück - der italienische Panettone

Portugal tischt meer auf

In Portugal kommt am Weihnachtsabend die ganze Familie zusammen. Das Traditionsgericht hier ist der Eintopf Cozido à Portuguesa (Gekochtes nach portugiesischer Art). Gerne wird auch Bacalhau serviert, also Stockfisch mit Kartoffeln und Kohl oder Oktopus mit Gemüse. Zum Nachtisch kommt süßer Reis, der Milchreis Arroz doce, auf den Tisch sowie weitere Süßspeisen mit Zitrone und Zimt. Der portugiesische Weihnachtsklassiker ist Bolo rei, der Dreikönigskuchen, mit kandierten Früchten und Nüssen, ähnlich unserem Weihnachtsstollen. Im Bolo rei versteckt man gern eine Saubohne. Wer sie findet, muss den nächsten Königskuchen kaufen. Oft ist auch noch ein kleines Geschenk im Kuchen eingebacken. Es soll dem, der es in seinem Kuchenstück findet, Glück bringen und ist eine Erinnerung an die drei Weisen und ihre Gaben, die sie dem Jesuskind gebracht haben. Also Vorsicht beim Reinbeißen und wenn kleine Kinder mitessen.

Polen teilt sich einen Keks

Heiligabend wird in Polen traditionell bis Mitternacht gefastet, deswegen kommt am 24. Dezember nur Vegetarisches und kein Alkohol auf den Tisch. Gegessen wird, wenn der erste Sern am Himmel erscheint, also ab 17h etwa. In Polen ist Weihnachten ein großes Familienfest. Neben jedem Teller liegt ein kleines Gebäckstück oder Oblade, die angebrochen und mit allen Familienmitgliedern geteilt wird. Durch das Teilen sollen Liebe und Güte symbolisiert werden. Danach beginnt das eigentliche Essen. Zur Erinnerung an die zwölf Apostel stehen normalerweise zwölf Gerichte auf dem Tisch. Typische polnische Weihnachtsgerichte sind Karpfen in Biersoße, Borschtsch, polnischer Gemüsesalat, Uszka (frittierte Teigtaschen mit Pilzfüllung), Krautgerichte und zum Nachtisch Mohnkuchen.

Island lässt den Rochen gammeln

Auch hoch im Norden mag man es süß. In jedem Haus wird gebacken – und verziert. Isländische Backwaren sind teilweise kleine Kunstwerke. Beim äußerst beliebten Laufabraud, dem „Laub- oder auch Schneeflockenbrot“, werden kunstvolle Muster, Ornamente und Bilder in dünnes Fladenbrot geschnitten, das dann frittiert wird. Beliebtes Weihnachtsessen der Isländer ist Hangikjöt, ein Lammgericht, Rjúpa (Alpenschneehuhn, das trotz seines irreführenden Names ind Island heimisch ist) und seit einigen Jahren steht Rentier nicht nur als Pastete, sondern auch als Hauptgericht immer öfter auf dem Speiseplan. Am Tag vor Weihnachten gibt es Pórláksmessa, leckeren Gammelrochen. Eine sogar kindgerechter spezieller Weihnachsdrink ist Malt og Appelin, Malzbier mit Orangenlimonade. Die Erwachsenen gönnen sich hingegen ein Schlückchen Svarti dauði, Schwarzen Tod (Brennivin).

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Dänemark versteckt Mandeln

Genascht wird in der Weihnachtszeit auch in Dänemark sehr gern, besonders die dänischen Weihnachtsplätzchen Klejner und Lebkuchen Pepperkager. An Heiligabend werden Gans, Ente oder Schweinebraten mit Rotkohl serviert mit in Zucker braun glasierten Kartoffeln. Der klassische Weihnachtsnachtisch ist Ris à l'amande (Mandelmilchreis), in den eine ganze Mandel untergerührt wird. Wer die Mandel in seiner Portion entdeckt, bekommt ein kleines Geschenk, Mandelgave genannt.

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Norwegen zählt Rippchen

Auch wenn es sich eher Deutsch anhört: Das traditionelle norwegische Weihnachtsmahl am Abend besteht aus Schweine- oder Lammrippchen mit Kartoffeln, norwegischem Sauerkraut und Steckrüben.

Schweden fährt ein ganzes Buffett auf

In Schweden feiert fast jede Familie an Heiligabend mit einem Smörgåsbord (dt. schwedisches Buffet), das an Weihnachten Julbord heißt. Nicht fehlen dabei darf ein besonderer Schweineschinken, der Weihnachtsschinken Julskinka. Typische Weihnachtssüßigkeiten sind Knäck, ein traditioneller schwedischer Toffee, der immer zu Weihnachten zubereitet wird, oder auch Schokolade und Nüsse sowie Orangen, Feigen und Datteln.

Finnland backt Sterne

Weihnachtsschinken gehört auch in Finnland zum traditionellen Weihnachtsessen, außerdem Kartoffel- und Steckrübenauflauf sowie Rosolli-Salat (Rote-Bete-Salat). Klassisches Weihnachtsgebäck sind Piparkakut (Pfefferkuchen) und Joulutortut, sternförmige Blätterteigtaschen, die mit Pflaumenmus gefüllt werden.

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Bildquelle: Getty Images/ SeventyFour

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