Die Plagen sind zurück: Warum sich Scharlach, Krätze und Co. immer weiter ausbreiten

Immer häufiger liest man Meldungen, in denen verkündet wird, dass Infektionskrankheiten wie Krätze, Scharlach oder Windpocken wieder auf dem Vormarsch sind. Doch was bedeutet das? Warum kehren diese Plagen zurück? Oder waren sie gar noch nie fort?


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Darum sind Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch

Krätze, Scharlach, Windpocken: Keine Erscheinungen der Vergangenheit


© iStock
Vor allem Eltern von Kindergartenkindern haben mit diesem Bakterium vielleicht schon Bekanntschaft gemacht: Streptococcus pyogenes. Stellt der Kinderarzt Scharlach fest, sind genau diese Bakterien am Werk. Aber auch hinter einer Wundrose oder einer Hirnhautentzündung oder Lungenentzündung können Streptokokken stecken: Es gibt über 100 verschiedene genetische Varianten dieser Bakterienart. Manche Menschen beherbergen Streptokokken ohne irgendwelche Symptome zu zeigen. Ob und welche Symptome sie auslösen können, hängt vom Bakterientyp und dem Alter, der Lebenssituation und dem Impfstatus des Infizierten ab. Seit Ende der 1980er Jahre nehmen die Streptokokken-Infektionen zu. Jedes Jahr treten weltweit ungefähr 663.000 Fälle auf, rund 163.000 davon enden tödlich. Damit zusammenhängend: Auch die Scharlach-Erkrankungen nehmen immer mehr zu. Laut einer Studie erkrankten in England 2014 dreimal so viele Menschen an Scharlach wie im Vorjahr. 2016 gab es in England 19.000 Scharlach-Erkrankungsfälle. Für Deutschland gibt es keine exakten Angaben, da Scharlach hierzulande nicht meldepflichtig ist, aber auch bei uns geht die Tendenz stetig nach oben.


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"Der Mensch lebt trotz Bakterien"


Doch warum ist das so? Gibt es einen neuen gefährlichen Bakterienstamm, mit welchem sich die Leute anstecken? Nein. Vielmehr isolierten die Forscher viele verschiedene Bakterienstämme. Der Streptokokken-Experte Mark van der Linden erklärt in einem Gespräch mit Spektrum: "Der moderne Mensch lebt, was Infektionskrankheiten anbetrifft, in einem selbstbetrügerischen Zustand" und fügt hinzu: "Bakterien sind überall, und der Mensch lebt trotz der Bakterien."

Denn warum können wir trotz Bakterien leben? Vor allem wegen drei Gründen: Hygiene, Antibiotika und Impfungen. So kann das Risiko für Ansteckungen minimiert werden, doch Aussterben werden die Bakterien so nicht. Gerät einer dieser Faktoren ins Wanken – verringert sich etwa die Herdenimmunität – so können die Bakterien wieder angreifen. Van der Linden erklärt: "Wir ändern die Welt durch unser Verhalten, aber die Bakterien ändern sich mit und passen sich an." 

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Auch Krätze breitet sich mehr aus

Ein weiteres Beispiel für das Fortschreiten von Infektionskrankheiten ist die Krätze. Dabei ist es ganz typisch, dass die Krätze (lat. Scabies) in ihrer Häufigkeit wellenförmig auftritt. Forscher vermuten, dass dies daran liegt, dass (manche) Menschen eine Art Immunität gegen gewisse Antigene der Milbe besitzen. Diese schützen sie eine Zeit lang vor einer Ansteckung und hemmen damit auch die Weiterverbreitung. Kommt es dann zu Umständen, die eine Weiterverbreitung unterstützen, wie beengte räumliche Verhältnisse, denen Menschen zum Beispiel während Migrationsbewegungen ausgesetzt sind, kann sich die Krätze schneller verbreiten. Denn die Skabiesmilbe wird durch Hautkontakt übertragen, außerhalb des Körpers sind die Milben nur wenige Tage überlebensfähig. Das Fatale: Krätze lässt sich oft schwer erkennen. Doch wird die Infektion nicht behandelt, können gefährliche Komplikationen auftreten. So können beispielsweise Streptokokken die aufgekratzte Haut infizieren.

Infektionskrankheiten stellen nach wie vor also eine Bedrohung für die Gesundheit da. Mark van der Linden gibt an, dass in den Top Ten der weltweit häufigsten Todesursachen sieben Positionen von Infektionserkrankungen besetzt sind. Deshalb ist Prophylaxe (auch in der Form von Impfungen) so wichtig: Denn die Verursacher früherer Plagen sind immer noch da, sie warten nur auf ihre Chance, wieder anzugreifen.

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von Nicole Metz




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