Hodenhochstand: Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig!

Bei einem Hodenhochstand befinden sich bei Neugeborenen ein oder beide Hoden nicht im Hodensack. Weil bei einem Hodenhochstand das Risiko für Unfruchtbarkeit und einen Hodentumor steigt, ist es wichtig, dass der Hodenhochstand noch im Babyalter behandelt wird.


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Was ist ein Hodenhochstand?


Ein Hodenhochstand (Maldescensus, Kryptorchismus) ist bei neugeborenen Jungen nichts Ungewöhnliches, ungefähr drei Prozent der Jungen kommen mit einem Hodenhochstand, das heißt einem leeren Hodensack, zur Welt. Bei einem Hodenhochstand befinden sich ein oder auch beide Hoden nicht im Hodensack, sondern im Leistenkanal oder Bauchraum. Vor allem Frühchen sind von der genitalen Fehlbildung betroffen.

Bei männlichen Embryos bilden sich die Hoden in der Bauchhöhle - im Zuge der Entwicklung im Mutterleib wandern sie allmählich dorthin, wo sie hingehören: In den Hodensack. Bei der Geburt sollten dann beide Hoden im Hodensack tastbar sein. Ist das nicht der Fall, ist das erstmal kein Grund zur Sorge. Manchmal bewegen sich die Hoden nach der Geburt ohne weiteres Zutun von selbst in den Hodensack. Eine Behandlung ist dann nicht nötig.

So wird der Hodenhochstand erkannt
Ein Hodenhochstand wird in aller Regel frühzeitig erkannt. Der Kinderarzt überprüft die Lage der Hoden bereits bei der Neugeborenen-Untersuchung (U1) durch Tasten, und auch bei den späteren U-Untersuchungen wird bei Jungs die Lage der Hoden kontrolliert. Für die weitere Untersuchung und um die genaue Lage der Hoden zu bestimmen, stehen Ultraschall, Kernspintomographie oder eine Bauchspiegelung zur Verfügung. Mit einem Hormonstimulationstest kann überprüft werden, ob überhaupt Hodengewebe vorhanden ist.
Auch Eltern können beim Wickeln oder Baden ganz einfach selbst überprüfen, ob beide Hoden dort sind, wo sie hingehören: Bei einem Hodenhochstand fühlt sich der betroffene Hoden klein und leer an.
Wichtig zu wissen: Ein Hodenhochstand ist für die betroffenen Kinder nicht schmerzhaft.
Wann muss ein Hodenhochstand behandelt werden?
Ein Hodenhochstand muss, wenn sich die Fehllage bis zum sechsten Lebensmonat nicht von alleine normalisiert hat, behandelt werden. Bei einem nicht behandelten Hodenhochstand steigt das Risiko für eine spätere Unfruchtbarkeit und für Hodenkrebs. Die Lage der Hoden im Hodensack ist wichtig - denn für die spätere Spermienproduktion muss die Temperatur deutlich niedriger liegen als die allgemeine Körpertemperatur. Im Hodensack liegt die Temperatur bei 33 °C, im Bauchraum bei 37 °Grad. Außerdem steigt bei einem Hodenhochstand (Leistenhoden) das Risiko für einen Leistenbruch stark an:

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Es gibt verschiedene Formen des Hodenhochstands



© Shutterstock/VisionNet AG
Leistenhoden: Die Hoden befinden sich in der Leistengegend. Sie sind dort tastbar, lassen sich aber nicht in den Hodensack verschieben. 

Bauchhoden: Die Hoden befinden sich in der Bauchhöhle. Da sie dort kaum tastbar sind, wird ein Bauchhoden meist per Ultraschall oder Kernspintomographie festgestellt.

Gleithoden: Ein Gleithoden befindet sich nicht im Hodensack, er lässt sich aber in den Hodensack hinunterziehen, er rutscht dann aber wieder - weil der Samenstrang, an dem aufgehängt ist, zu kurz ist - von selbst nach oben in den Leistenkanal. Hier ist eine Operation nötig. Bei Gleit- und Leistenhoden besteht außerdem die Gefahr, dass sich die Hoden verdrehen (Hodentorsion). Dabei können Blutgefäße abgeklemmt werden und der Hoden kann im schlimmsten Fall absterben.

Pendelhoden: Bei Pendelhoden befinden sich die Hoden zeitweise im Hodensack, sie können aber durch Muskeln in den Leistenkanal zurück gezogen werden. Ein Pendelhoden ist keine Erkrankung und damit auch nicht behandlungsbedürftig.
Behandlung eines Hodenhochstands
Eine frühe Behandlung ist wichtig, damit die Hoden keinen Schaden nehmen. Zuerst wird allermeist eine unkomplizierte Hormontherapie (Hormonersatztherapie) probiert:

Hormontherapie bei Hodenhochstand
Durch die Gabe von Hormonen (meist GnRH) sollen die Hoden zum Herabwandern angeregt werden. Außerdem regen sie die Reifung der Keimzellen an, damit soll das Risiko für eine spätere Unfruchtbarkeit reduziert werden. Die Hormone werden als Nasenspray verabreicht, die Behandlung ist ab dem dritten Lebensmonat möglich. Eine Hormonbehandlung kann eine Operation verhindern.

Operation bei Hodenhochstand
Wenn die Hormonbehandlung nicht wirksam war oder wenn die Hoden an einer ganz ungünstigen Stelle liegen, wird der Hodensack bei einem operativen Eingriff an die richtige Stelle verlegt und dort festgenäht. Das klingt schlimmer als es ist: Bei der minimal-invasiven Operation reicht allermeist eine örtliche Betäubung.
Wie kommt es zu einem Hodenhochstand?

Ursache für einen Hodenhochstand können sein:
● anatomische Besonderheit (kurzer Samenstrang oder zu enger Leistenkanal)
● Störung im Hormonhaushalt bei Mutter oder Kind (Mangel an HCG oder Testosteron)
● Umweltgifte
● Frühgeburt
● erbliche Veranlagung
● Alkoholkonsum oder Rauchen der Mutter

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