Liegen in der Schwangerschaft

Oft kommt die Diagnose beim Routine-Check beim Frauenarzt: „Sie sollten sich unbedingt schonen!“ Wer in der Schwangerschaft liegen muss, spürt statt Vorfreude plötzlich nur noch Sorgen und Langeweile. Hier erfahren Sie, warum das Liegen in der Schwangerschaft so wichtig ist und wie Sie die Auszeit auf dem Sofa oder im Krankenhausbett am besten hinter sich bringen.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Wenn man in der Schwangerschaft liegen muss




© iStock
Vorzeitige Wehen, Blutungen oder eine Schwäche des Gebärmutterhalses, bzw. des Muttermunds (Cervixinsuffizienz) – Gynäkologen verordnen da schnell eine Auszeit auf dem Sofa, um eine Frühgeburt zu verhindern. Denn so wird die Gefahr reduziert, dass sich der Gebärmutterhals verkürzt und sich der Muttermund zu früh öffnet. Die vorzeitigen Wehen sind ein Signal des Körpers, das besagt 'Bitte kürzer treten!' – das auf gar keinen Fall ignoriert werden darf. Wenn Sie das Signal aber ernst nehmen, müssen Sie sich in aller Regel keine Sorgen um Ihr Baby machen: Das Schonen ist allermeist eine effektive Maßnahme, und der Gebärmutterhals verlängert sich durch die Auszeit wieder oder verkürzt sich nicht weiter. Häufig ist die Schonfrist, bzw. die Bettruhe nur eine kurze Pause. Manchmal dauert die Liegezeit aber auch über Wochen oder sogar Monate an. Auch wenn das qualvoll ist: Für Ihr Baby ist die Schonung jetzt ganz wichtig! Und was sind schon ein paar Wochen Liegen im Vergleich zu einem wunderbaren, langen Leben mit dem Wunschkind? 

 Das könnte Sie interessieren: Gebärmutterhalsschwäche

Bei einer Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz) ist der Muttermund weicher und kürzer als üblich. Wie Sie das Risiko einer Frühgeburt reduzieren können.


Wichtig zu wissen

➤ Blutungen in der Schwangerschaft sind immer ein Alarmzeichen und Grund für einen schnellen Termin beim Frauenarzt.

➤ Auf unter 2,5 cm sollte sich der Gebärmutterhals nicht verkürzen, da sind sich Gynäkologen einig.

➤ Wenn Sie schon vorzeitige Wehen haben, ist das zwar in jedem Fall ein Grund, sich zu schonen – so lange die Wehen nicht muttermundswirksam sind, müssen Sie sich jedoch keine Sorgen machen.

Gründe für die Diagnose gibt es viele: Wer generell ein schwaches Bindegewebe hat oder bereits eine Operation hatte, hat ein höheres Risiko, in der Schwangerschaft Probleme zu bekommen und liegen zu müssen. Ein zu geringer Eisenwert gehört ebenfalls zu den Ko-Faktoren für Frühgeburten und vorzeitige Wehen. Und auch Stress kann gefährlich werden, das haben Studien inzwischen bewiesen. Machen Sie sich keine Vorwürfe, dass Sie selbst etwas falsch gemacht haben - das ist nicht der Fall! Wichtig ist jetzt nur, dass Sie den ärztlichen Rat ernst nehmen und sich wirklich schonen.
Was hilft bei frühzeitigen Wehen und einem verkürzten Muttermund?
Liegen, Liegen, Liegen. So viel wie möglich! "Das Liegen hilft, den Druck auf den Muttermund zu lindern", erklärt Dr. Martina Rauchfuß, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Die Organe werden entlastet und der Blutdruck sinkt, dadurch gehen Blutungen zurück. Häufig bekommen Schwangere zusätzlich Magnesium verschrieben, das hilft die Muskulatur zu entspannen.
Was heißt „sich schonen“, was bedeutet Bettruhe?
Es gibt verschiedene Arten der Schonung in der Schwangerschaft:

1. Stufe: Anstrengende Tätigkeiten vermeiden, nichts Schweres heben
2. Stufe: Bettruhe in den eigenen vier Wänden
3. Stufe: Bettruhe in der Klinik

Wenn der Arzt Ihnen den Rat gibt, sich zu schonen, bedeutet das erstmal nur, dass Sie auf alle körperlich anstrengenden Tätigkeiten verzichten sollten: Kein Sport, kein schweres Heben, kein Werkeln im Garten, kein andauerndes Tragen des Geschwisterkindes. Davon abgesehen darf der Alltag ganz normal weitergehen. Horchen Sie in sich rein und gönnen Sie sich öfter mal ein Päuschen - wenn nicht sogar eine Pause. Auch wenn das im hektischen Alltag nicht immer leicht zu bewerkstelligen ist.

Wenn der Arzt Ihnen Bettruhe verordnet, heißt das nicht, dass Sie von nun an das Bett nicht mehr verlassen dürfen. Kurz aufs Klo gehen, Duschen oder sich etwas zu essen aus dem Kühlschrank holen, sind erlaubt! Aber nicht nur der Körper soll jetzt zur Ruhe kommen, auch der Kopf muss runtergefahren werden. Denn die Komponente Stress ist bei vielen Schwangeren mit ein Grund für die Diagnose Liegen.

 Das könnte Sie interessieren: Risikofaktor Stress

Diese Ergebnisse geben uns zu denken. Stress in der Schwangerschaft kann dem Baby mehr schaden als gedacht. Das Wichtigste kurz zusammengefasst.


Liegen in der Klinik

Manchmal sind wehenhemmende Mittel (Tokolytika) notwendig, dann muss die Schwangere stationär in die Klinik aufgenommen werden. Auch wenn eine Frühgeburt droht, ist die werdende Mutter in der Klinik am besten aufgehoben. "Im Gegensatz zu früher lassen wir die Frauen aber nicht monatelang im Bett liegen. Sobald es möglich ist, werden sie wieder mobilisiert und können nach Hause", sagt Martina Rauchfuß, die als Frauenärztin und Psychotherapeutin an der Berliner Charité arbeitet. Sollte sich wirklich eine frühzeitige Geburt anbahnen, bekommt das Baby im Mutterleib eine Spritze zur Lungenreifung. Dieses Medikament hilft dem Neugeborenen dann, selbstständig zu atmen, wenn es auf der Welt ist.

➤ Wichtig zu wissen:
Jede Stufe ist keine Diagnose für den Rest der Schwangerschaft. Wenn Sie den ärztlichen Rat ernst nehmen, dürfen Sie vielleicht schon bald wieder Ihren normalen Alltag aufnehmen.
Wie geht’s weiter?
Eine Frage, die sich Schwangere, die liegen müssen, täglich stellen: Wann darf ich endlich wieder aufstehen? Eine allgemein gültige Antwort hierauf gibt es nicht. Der Frauenarzt oder die Hebamme werden den Muttermund regelmäßig kontrollieren.

Bei Blutungen in der Frühschwangerschaft gilt die Faustregel: Wenn es drei Tage in Folge keine Blutungen gab, darf die Mama in Spe vorsichtig wieder aufstehen.

Wenn die 37. Woche erreicht ist, wird die Bettruhe aufgehoben! Von jetzt an gilt das Baby nicht mehr als Frühchen – und darf sich, wenn es möchte, auf den Weg machen, um endlich Mama und Papa kennenzulernen. 
Das hilft Schwangeren, die liegen müssen
Wer von heute auf morgen quasi ans Bett oder Sofa gefesselt ist, hat viel Zeit nachzudenken. Und viel Zeit, sich Sorgen um sein Ungeborenes zu machen. Jedes Ziepen im Unterleib wird zu Wehen umgedeutet, die Angst vor einer Frühgeburt steht immer im Raum. Ganz wichtig ist, dass Sie Ihre Sorgen jetzt nicht für sich behalten, sondern viel über Ihre Gedanken reden.
So überstehen Sie Angst, Langeweile und den Muskelabbau
Machen Sie sich frei von einem schlechten Gewissen und suchen Sie die Schuld nicht bei sich. Versuchen Sie – auch wenn es anfangs unmöglich erscheint – Ihren Kopf frei zu kriegen und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Häufig sind Projekte in der Arbeit nicht abgeschlossen, der Schreibtisch ein einziges Chaos, dazu kommt, dass weder das Babyzimmer eingerichtet noch die wichtigsten Sachen für den Nachwuchs besorgt sind. Das ist jetzt egal – es geht um das Wohl und die Gesundheit Ihres Babys, da ist alles andere nebensächlich!

➤ Autogenes Training hilft beim Entspannen.

➤ Demnächst ist es Ihre Aufgabe, ein kleines Menschenkind zu pflegen und zu umsorgen – genießen Sie die vorerst letzte Zeit, in der sich andere um Sie kümmern.

➤ Nehmen Sie jede Hilfe an, die Ihnen angeboten wird. Und scheuen Sie sich nicht, andere um Hilfe zu bitten.

➤ Wichtig ist, dass Sie viel trinken – vor allem bei der Einnahme von Magnesium, denn das kann zu einem trägen Darm führen.

➤ Kommunizieren Sie viel mit Ihem kleinen Mitbwohner. Malen Sie sich Zukunftssituationen mit Ihrem Kind aus und freuen Sie sich auf die Zeit, wenn das Baby da ist.

➤ Wer ganz plötzlich gar keine Bewegung mehr hat, baut schnell Muskeln ab. Hier können isometrische Übungen hilfreich sein: Dabei werden einzelne Muskeln gezielt angespannt, einige Sekunden gehalten und dann wieder entspannt. Ihre Hebamme erklärt Ihnen, welche Übungen gut für Sie sind.
Mir ist so langweilig!
Auch wenn Sie die Zeit im Bett ganz entspannt hinnehmen, eines wird Ihnen nicht erspart bleiben: Langeweile… Die gute Nachricht lautet: Jetzt ist Zeit für viele Dinge, die Sie schon immer mal machen wollten! Allerdings müssen Sie sich jetzt natürlich auf die beschränken, die Sie im Liegen ausüben können. Hier ein paar Ideen:

• Lesen! Alte Bücher, neue Bücher, die Lieblingsbücher aus der Jugend, die Zeitung von vorne nach hinten, die ersten Babybücher und und und.
• Schauen Sie sich mal wieder all Ihre Lieblingsfilme an.
• Puzzeln
• Erstellen Sie Fotobücher der letzten Jahre und Urlaube.
• Rufen Sie in aller Ruhe alte Freunde an.
• Laden Sie sich Freunde ein.
• Legen Sie sich auf Pinterest Boards für alle Lebenslagen an.
• Planen Sie den ersten Urlaub mit Baby.
• Wollten Sie nicht schon immer mal eine neue Sprache lernen?
• Die Einkaufsliste für das Baby ist noch unendlich lang? Das ist nicht schlimm – alles, was Sie und Ihr Baby nach der Geburt brauchen, lässt sich online ordern.
• Oder wie wär’s, wenn Sie mal wieder die Stricknadeln zur Hand nehmen und Babys erstes Mützchen selbst stricken?
Wer kümmert sich um das Geschwisterkind, wenn die Mama liegen muss?
Wenn schon ein Kind da ist, dann ist übermenschliches Organisationstalent gefragt, das lässt sich nicht leugnen. Denn ein zwei- oder dreijähriges Kind lässt sich auch mit dem besten Willen nicht versorgen, wenn die Mama liegen und der Papa arbeiten muss. Nehmen Sie jede Hilfe an, die sich Ihnen bietet – und scheuen Sie sich nicht, selbst aktiv Hilfe einzufordern. Das ist jetzt ein Notfall, den Sie alleine nicht bewerkstelligen können. In manchen Fällen bezahlen die Krankenkassen auch eine Haushaltshilfe, die sich um den Haushalt und vor allem um das Geschwisterkind kümmert.



mehr zum Thema
Schwangerschaftsbeschwerden Entspannung