ADHS und Depression: Klassenjüngste eher gefährdet

Laut einer aktuellen britischen Studie sind die klassenjüngsten Mädchen und Jungen eher gefährdet, an ADHS und Depressionen zu erkranken.

ADHS und Depression: Klassenjüngste eher gefährdet

Klassenjüngste tragen ein höheres Risiko, später an ADHS oder Depressionen zu erkranken.


Es wird wohl nie so sein, dass alle Kinder in einer Klasse genau gleich alt sind - der Altersunterschied beträgt bis zu einem Jahr und das kann Nachteile für diejenigen bedeuten, die mit gerade mal sechs Jahren eingeschult wurden. Muss es nicht, aber im angloamerikanischen Raum haben sich Forscher der Frage angenommen, wie die Unterschiede zwischen den "alten" und "jungen" Kindern sind und laut diesen Studien kann es tatsächlich Nachteile geben, wenn man zu den Klassenjüngsten gehört.

ADHS: Größere Gefährdung für Klassenjüngste

Schon im vergangenen Jahr kam eine Harvard-Studie zum Schluss, dass die Jüngsten in einer Klasse eher mit ADHS diagnostiziert werden als ihre älteren Klassenkameraden. Die Harvardstudie, für die 400.000 Schüler untersucht wurden, wurde nun von ihren britischen Kollegen bestätigt. Sie untersuchten die Daten von über einer Million britischen Kindern und kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie wollten wissen, wie sich die Kinder bis zu ihrem 16. Lebensjahr entwickeln und achteten dabei besonders auf psychischen Störungen wie ADHS und Depressionen. Sie verglichen dabei die Klassenältesten und Klassenjüngsten.

36 Prozent anfälliger für ADHS

Die Studie, die von der Londoner School of Hygiene and Tropical Medicine durchgeführt und im Fachmagazin JAMA Pediatrics veröffentlich wurde, kam zum Schluss, dass das Risiko der Klassenjüngsten mit ADHS diagnostiziert zu werden, 36 Prozent höher sei als bei den Klassenältesten. Was spätere Depression betrifft, gingen sie davon aus, dass das Risiko, an einer Depression vor dem 16. Lebensjahr zu erkranken, für die Jüngsten 30 Prozent höher sei

Das Depressionsrisiko ist eine neue Erkenntnis, wie Jeremy Brown, der die Studie veröffentlichte, betonte: "Wir wussten schon vorher, dass Kinder, die sehr jung in ihrer Klasse sind, eher zu einer ADHS-Störung neigen und ebenso dazu tendieren, schulisch schlechter abzuschneiden. Es ist aber das erste Mal, dass eine Verbindung zwischen dem jungen Klassenalter und einer erhöhten Tendenz zur Depression gezogen werden konnte."

Die Wissenschaftler haben allerdings nur Daten ausgewertet - warum es so ist, dass die Klassenjüngsten stärker betroffen sind, sagten sie nicht. Sie hatten Vermutungen - die Klassenältesten hätten eine höhere Reife und könnten sich vielleicht deshalb besser konzentrieren. Es könnte auch sein, dass Eltern und Lehrer bei den Jüngsten eher auf die schulische Reife achten und Symptome von ADHS eher erkannt werden als bei den Klassenältesten. Sie hatten aber noch keine schlüssige Antwort darauf, warum die Klassenjüngsten anfälliger für Depressionen sind.

Nun ist es aber auch so, dass die Kinder in Großbritannien generell früher in die Schule geschickt werden - sie sind fünf und nicht sechs Jahre alt wie in Deutschland. Zwischen dem fünften und dem sechsten Lebensjahr kann noch viel passieren.

Schulreife ist entscheidend

Trotzdem sollte man diese Studie nicht einfach so vom Tisch fegen, weil sie eine britische ist, denn auch in Deutschland werden immer mehr Kinder mit ADHS und auch Depression diagnostiziert. Die Schuleingangsuntersuchung bekommt eine größere Wichtigkeit. Kinder sollten genauestens auf ihre Schulreife untersucht werden.

Im Prinzip machen sich Eltern sowieso Gedanken, ob sie ihr Kind zu früh in die Schule schicken. Diese angloamerikanischen Studien geben ihnen auch Recht, da es Auswirkungen haben kann, wenn der Nachwuchs sehr früh eingeschult wird und zu den Jüngsten gehört. Klar ist aber auch, dass es immer Jüngste in einer Klasse geben wird. Einen Altersunterschied von bis zu einem Jahr wird es immer geben, darum kommt man nicht herum. Die Schulreife bleibt also nach wie vor entscheidend.

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