Berliner Modell für die Kita- und Kindergarteneingewöhnung

Als Berliner Modell bezeichnet man das Konzept der elternbegleiteten Eingewöhnung in eine Kita oder den Kindergarten.


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Das Berliner Modell stellt die Bedürfnisse des Kindes an erste Stelle.


© iStock
In Kitas und Kindergärten spielen sich tagtäglich bewegende Szenen ab: Kleine Kinder, die bitterlich weinen und sich die Seele aus dem Leib brüllen. Mamas und Papas, denen es das Herz zerreißt, ihre Kleinen zurückzulassen, denen aber eingebläut wird, dass ein schneller Abschied die beste Möglichkeit der Eingewöhnung ist. Aber entspricht das auch wirklich der Realität? Das Berliner Modell hält dagegen und propagiert eine elternbegleitete Eingewöhnung in Kinderbetreuungseinrichtungen.

Bedürfnisorientierte Eingewöhnung nach dem Berliner Modell


Ziel des Berliner Modells ist es, individuell auf die Bedürfnisse, Situation und Bedingungen des Kindes einzugehen und so entsprechende Entscheidungen über das „Wann“ oder „Wie“ zu treffen. Das Resultat ist eine sehr behutsame und schrittweise Gewöhnung der Kinder an die Erzieher und die fremde Umgebung.

Konkret auf die Situation im Kindergarten angewandt, bedeutet das: Die Eingewöhnung wird in verschiedene Phasen eingeteilt – meistens drei bis vier, die in der Länge variieren und je nach Bedürfnis des Kindes verlängert werden können.

Grundphase: Vertrauen wird geschaffen
In der Grundphase begleitet ein Elternteil das Kind in die Einrichtung und bleibt mit diesem für ein bis zwei Stunden vor Ort im Gruppenraum
. Während Ihr Kind erste Kontakte zu den anderen Kindern aufbaut, halten Sie sich im Hintergrund – vermitteln Ihrem Kind aber, dass Sie immer da sind und ihm beistehen. Die Erzieher versuchen den ersten Kontakt zum Kind aufzubauen, indem sie es beim Basteln und Spielen miteinbeziehen. In dieser Phase sollten Eltern sich nicht mit anderen Kindern beschäftigen und beispielsweise mit ihnen spielen, stattdessen sollten Sie sich ganz auf Ihr Kind konzentrieren, damit dieses immer spürt, dass es Ihre gesamte Aufmerksamkeit hat. Diese Phase des Berliner Modells dauert meist drei Tage.
Der erste Trennungsversuch

Am vierten Tag rückt das Elternteil mehr in den Hintergrund: Es wird der erste Trennungsversuch unternommen, um einschätzen zu können, wie viel Zeit für die restliche Eingewöhnung noch benötigt wird. Dafür verabschiedet sich das Elternteil von seinem Kind und geht für etwa eine halbe Stunde in einen anderen Raum. Wie Ihr Kind auf diese erste Trennung reagiert, ist ausschlaggebend für den restlichen Verlauf der Eingewöhnung. Wenn es nicht weiter auf die Trennung reagiert und weiter spielt bzw. sich nach kurzem Weinen schnell beruhigen lässt, dann kann die Eingewöhnungsphase auf ungefähr eine Woche beschränkt werden. Hierfür wird der Zeitraum der Trennung graduell vergrößert, bis die Eltern zum Abschluss das Kind nur zur Einrichtung bringen und sich gleich verabschieden.

Reagiert das Kind allerdings sehr heftig auf den ersten Trennungsversuch, wird das Elternteil sofort wieder in den Raum geholt und es wird eine längere Eingewöhnungsphase von zwei bis drei Wochen angestrebt.

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Stabilisierungsphase: Ihr Kind gewöhnt sich an die Situation

Die Stabilisierungsphase beginnt am fünften Tag. Sie sind nun eher stiller Beobachter und überlassen den Erziehern die Betreuung. Sie schreiten nur ein, wenn Ihr Kind explizit nach Ihnen verlangt. Das Fachpersonal übernimmt zunehmend die Versorgung des Kindes und bietet sich gezielt als Spielpartner an. Die Trennungszeiten und die Anwesenheit des Kindes in der Einrichtung werden schrittweise verlängert. Am sechsten Tag kann das Kind meist schon ohne Begleitung mehrere Stunden im Kindergarten bleiben.

Akzeptiert das Kind die Trennung noch nicht, sollte mit dem neuen Trennungsversuch bis zur nächsten Woche gewartet werden und die Grundphase so lange ausgedehnt werden.

Schlussphase

Mittlerweile sollte das Kind den ersten Kontakt zu den Erziehern geknüpft haben und diese als Betreuungspersonen annehmen. Vielleicht protestiert Ihr Nachwuchs noch, wenn Sie gehen, doch sollte er sich leicht beruhigen lassen. Eltern bleiben nun nicht mehr im Kindergarten – sind aber jederzeit erreichbar, wenn es die Situation erfordert.

Anmerkungen zur Eingewöhnung mit Hilfe des Berliner Modells

➤ Alle Versorgungs- und Routineaktivitäten sollten mindestens einmal während der Eingewöhnung zusammen mit der Bezugsperson durchgeführt werden.
➤ Am besten klappt die Eingewöhnung, wenn in diesen Zeitraum keine Aktivitäten oder Abläufe fallen, die vom normalen Alltag abweichen (also zum Beispiel Fasching oder Weihnachten).
➤ Vielen Kindern hilft ein so genanntes Übergangsobjekt, das es bei Belastungen beruhigt (beispielsweise ein Kuscheltier oder Schnuffeltuch).
➤ Nach der Eingewöhnung kommen täglich neue Regeln und Abläufe für das Kind hinzu, die es noch nicht kennt. So beginnt Ihr Nachwuchs langsam, ein „richtiger Teil“ der Gruppe zu werden.

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Sandra über Kindergarteneingewöhnung, weinende Kinder und die Sache mit dem Vertrauen. #insidemom 



von Nicole Metz




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